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Flexibel und kostenschonend

28.05.2010

Die Vorteile, Geotechnikexperten in jedem Bauprojekt bereits in der Planungsphase miteinzubeziehen, sind ­vielfältig und nachhaltig, wie Dietmar Adam, Professor für Geotechnik, TU Wien, im Exklusivinterview verrät.

Die Auseinandersetzung mit dem Boden ist die Grundvoraussetzung für den Erfolg eines Bauprojekts. Idealerweise begleitet die Geotechnik ein Projekt wie ein roter Faden vom Entwurf bis zum Abschluss. Die „Gründung“ ist ein wesentlicher Teil des Bauwerkes, letztlich die Interaktion zwischen dem Bauherrn und dem Gebäude, deren Stellenwert häufig unterschätzt wird. Die möglichen Anwendungen reichen von Bodenverbesserungen zu Tiefgründungen bis zu Hybridgründungen. Die Beschaffenheit eines Bodens sieht man von außen nicht – doch die Auswirkungen einer fehlerhaften Gründung können verheerend sein. Von 3. bis 4. Februar 2011 findet gemeinsam mit der 7. Fachausstellung Grundbau und Brunnenbau die bereits 8. Österreichische Geotechniktagung mit den Themenschwerpunkten
Bodenverbesserung, Hybridgründung und Tiefgründung im Wiener Austria Center statt. Informationen für interessierte Aussteller wie auch für Besucher unter: www.voebu.at.

Optimierte Lösungen gefordert
Der internationale Treffpunkt der Geotechnik-Szene – eine „Erfindung“ von Heinz Brandl, ehemaliger Institutsvorstand am Institut für Geotechnik – führt alle zwei Jahre nicht nur Tiefbauunternehmen, sondern auch die Bauherren, Behörden, Planer und die Wissenschaft zusammen. Mit Vorträgen und Diskussionen werden aktuelle Forschungsprojekte erörtert wie auch internationale Entwicklungen vorgestellt. Dietmar Adam, neuer Professor am Institut für Geotechnik, Forschungsbereich Grundbau, Boden- und Felsmechanik, TU Wien, will mit dem Schwerpunkt der Tagung die Möglichkeiten von Gründungskonzepten aufzeigen: „Die Begriffe Bodenverbesserung und Tiefgründung sind bekannt. Neu ist die ‚Hybridgründung‘, ein Begriff, den ich erst in den vergangenen beiden Jahren prägte. Damit gemeint ist eine Kombination von Bodenverbesserung und Tiefengründung. Denn häufig werden Untergrundverhältnisse und bauliche Randbedingungen angetroffen, die weder für die eine noch die andere Methode ideal sind.“

Als Beispiel führt Adam sackungsgefährdete Lössböden an. Bei der Anwendung einer Kombination beider Verfahren, beispielsweise durch die Herstellung von vermörtelten Stopfsäulen anstelle von Kiessäulen, wird das Sacken des Lösses durch das Einrütteln des Schleusenrüttlers in den Boden vorweggenommen, sodass der Boden während der Herstellung im ersten Schritt verbessert wird. „Mit der sogenannten Hybridgründung können technisch optimierte Lösungen bei gleichzeitiger Verringerung der Bauzeit und der Kosten erreicht werden“, erklärt Adam. „Bei vielen Projekten werden häufig technisch sinnvolle und funktionierende Lösungen gefunden, aber selten das optimale Gründungskonzept in puncto Wirtschaftlichkeit“, merkt Adam an. Positive Beispiele gibt es viele, eine aktuelle Baustelle, bei der es ein umfassendes Gründungskonzept gibt, erläutert Adam, ist ein Kraftwerk in der Slowakei, bei dem er das erste Mal die Hybridmethode umsetzte, da dort ein sackungsgefährdeter Boden festgestellt wurde.

 
Stadion Klagenfurt: Die geotechnische Leistung dahinter ist unsichtbar, schafft aber die Grundvoraussetzung für den Erfolg und den nachhaltigen Bestand eines jeden Bauwerks.


Bewusstsein schaffen

Doch selbst wenn es ein technisch sehr gutes und nach den wirtschaftlichen Aspekten geplantes Gründungskonzept gibt, zeigt sich Adam nicht zufrieden: „Es können sich Synergien anderer Art ergeben, wodurch ein alternatives Gründungskonzept in dem speziellen Fall vielleicht wirtschaftlicher noch günstiger umsetzbar wäre.“ Adam plädiert dafür, dass Alternativen bei Anboten zugelassen werden sollten. Wobei er grundsätzlich davor warnt, bei der Ausschreibungsplanung eines Gründungskonzeptes gleich alle Optionen auszureizen: „Reserven sollten in jedem Fall vorhanden sein. Ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang ist das Baugrundrisiko, denn der Baugrund kann auch von Geotechnikern nicht mit dem Röntgenblick erfasst werden, sondern frühestens bei den Aushubarbeiten.“ Doch dann ist es häufig zu spät, um kostengünstig arbeiten zu können.

Wirtschaftlich und ökologisch
Dietmar Adams Ziel als Wissenschafter ist die Verknüpfung von Theorie und Praxis in Lehre und Forschung. Für ihn gilt der Leitsatz „Fachliche Kompetenz wird erst exzellent durch soziale Kompetenz.“
Mit der Geotechniktagung will Adam mehr Bewusstsein für den Tiefbau allgemein schaffen, vor allem für den technisch-wirtschaftlichen Aspekt. Üblicherweise verlangt ein Bauherr ein geotechnisches Gutachten. Doch viel zu oft wird wegen ein paar hundert Euro für ein Gutachten diskutiert. „Die Kosten für ein geotechnisches Gutachten liegen im Promillebereich von den Gesamtkosten wie auch die Kosten für die Bodenaufschlüsse im Bereich von einem oder zwei Prozent. Das sind vernachlässigbare Größenordnungen, das Einsparungspotenzial liegt aufgrund des Gründungskonzeptes für das gesamte Projekt im zweistelligen Prozentbereich“, erklärt Adam.

Letztlich ist die Wahl der Methode eine Preisfrage für Bauherren. „Genau das ist das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen, das ich im Rahmen der Geotechniktagung diskutieren möchte. Das Denken muss über die reine Kostenbetrachtung hinausreichen, das Ziel ist zu erkennen, welche Einsparungen mit einer Geotechnikplanung erreicht werden können wie auch die nachhaltige Sicherung eines Bauvorhabens. Die Geotechnik ist ein unglaublich entwicklungsfähiger Teil des Bauwesens, da sind noch Innovationen möglich.“

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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