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Fortschrittlicher Krankenhausbau:

25.02.2004

In Österreich werden jährlich zig Millionen Euro in Umbau und Sanierung von Spitälern investiert. Die „Kinderklinik Glanzing“ kommt erstmals in der Wiener Baugeschichte ohne PVC aus.

Krankenhausbau – allein das Wort lässt selbst heute noch schmunzeln. Zu sehr ist es mit dem Skandal rund um den Neubau des AKHs behaftet. In Österreich wird jedoch viel in die Erhaltung, (Teil- )Sanierungen oder gar Neubau gesteckt. Allein in Wien gibt der Krankenanstaltenverbund (kurz KAV) mit 26 Häusern in der Bundeshauptstadt sowie Niederösterreich jährlich rund 135 Millionen Euro an Investitionen aus. Große Teile davon fließen in der Erhaltung – eine beträchtliche Summe muss für Umbauten oder Sanierungen aufgebracht werden. Wieviel im Jahre 2003 genau investiert worden ist, wird erst im Leistungsbericht der KAV in ein bis zwei Monaten zu lesen sein. „Wir gehen aber davon aus, dass das Volumen ziemlich gleichgeblieben ist, „so Dipl. Ing. Josef Kastl, Direktor Teilunternehmung Technische, wirtschaftliche und sonstige Serviceeinrichtungen der KAV. Vorzeigeprojekt ist mit Sicherheit die Kinderklinik Glanzing im Wilhelminenspital, welche völlig – und erstmals in der Wiener Baugeschichte – ohne PVC auskommt. Sogar die medizinischen Geräte sind PVC-frei. Möglich gemacht hat dies eine eigens eingerichtete Abteilung des Magistrats, die unter Öko-Kauf-Wien läuft. „Wir haben es geschafft, dass die Neonatologie in der Kinderklinik Glanzing - weltweit als erste Neugeborenenstation - künftig vollständig ohne PVC auskommen wird“, ergänzt KAV-Generaldirektor Univ. Prof. Dr. Eugen Hauke, „im Wiener Krankenanstaltenverbund wird bereits seit 1989 eine PVC-Ausstiegsstrategie betrieben.“ Das betrifft beispielsweise auch den Baubereich, indem konsequent der Einsatz von PVC-Böden und PVC-Fenstern vermieden wird.

Situation in Wien
Fortschrittlich sind auch die architektonischen und baulichen Herausforderungen, die Krankenhäuser zu bieten haben: So wurde mit dem Bau des Geriatriezentrums im Oktober 1999 begonnen, und es wurde bereits vor rund einem Jahr fertiggestellt. Es beherbergt acht Stationen für Langzeitpflege mit insgesamt 192 Betten, eine Einrichtung für Physikalische Medizin sowie eine Tagesklinik und ein geriatrisches Tageszentrum. Dr. Ludwig Kaspar, Generaldirektor-Stellvertreter des KAV: „Die umfassende gerontologische Betreuung alter Menschen beinhaltet neben fachärztlichem und therapeutischem Angebot gezieltes Mobilitätstraining, ernährungsmedizinische Beratung und geriatrisches Assessment. Dieses Geriatriezentrum bietet aber auch baulich alle Raffinessen und damit großen Komfort für unsere Patientinnen und Patienten.“ Besonders beeindruckend sei der Mittelgang, der eine Art Wohnstraße darstellt. In den Zimmern sind Fenster angebracht, die geöffnet werden können und den Blick in diese Wohnstraße freigeben. „So können die Bewohner selbst entscheiden, ob sie am sozialen Geschehen teilnehmen oder für sich allein sein möchten.“
Insgesamt investierte der Wiener Krankenanstaltenverbund zur Errichtung dieser geriatrischen Einrichtung 36,7 Millionen Euro, davon rund 32,7 Millionen an Baukosten und etwa vier Millionen für die Einrichtung. Für die Küche, die sogar das Preyer´sche Kinderspital versorgt, wurden 9,7 Millionen Euro investiert. Etwa 7 Millionen wurden für den Bau – 2, 7 Millionen Euro für die Einrichtung aufgebracht.
Ähnliche Kriterien auch beim Umbau des Otto Wagner Spitals: Der Spagat zwischen Denkmalschutz und moderner Spitalsbau-Philosophie ist für Architekten und Bauherren eine besondere Herausforderung. Der Zubau des im Jugendstil errichteten Krankenhauses entspricht den denkmalamtlichen Auflagen und passt in das Gesamtbild der Anlage. Zurzeit erfolgen am Standort noch laufende Modernisierungsarbeiten und Strukturänderungen. Durch die Schaffung von zentralen Einheiten werden Synergieeffekte erzielt, die Effizienzsteigerungen bringen. Somit werden bei diesem Projekt des Wiener Gesundheitswesens wichtige Investitionen auch mit dem architektonischen Stil der gesamten Anlage in Einklang gebracht. Und genau unter diesen Aspekten wurden bereits Pavillons in Lainz renoviert, die ja aufgrund des Skandals vergangenen Herbst ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerutscht ist.

Situation Unfallkrankenhäuser
Bei der Umsetzung des Projektes „Neubau UKH Linz“ hat die AUVA neue Wege beschritten. Im Sinne eines Fremdfinanzierungs- und Baukonzessionsmodells wurde ein Generalunternehmer gesucht, der die Bereiche Versicherungsgebäude, Personalwohnhaus und Parkgarage als Baukonzessionär übernimmt und für den Kernbereich UKH ein Gesamtpaket, bestehend aus Bau, Finanzierung, Facility Management, Logistik und Verwertung des Altbestandes anbietet.
In einem Verhandlungsverfahren mit vorhergehender europaweiter Interessentensuche wurde das Konsortium ALPINE - RLB OÖ – VAMED als Best- und Billigstbieter ermittelt. Durch dieses Modell erhält sich die AUVA die finanzielle Flexibilität für die Zukunft. Statt der Umschichtung von liquiden Mitteln in langfristig gebundenes Immobilienvermögen bleiben diese im Unternehmen und fließen über einen wesentlich längeren Zeitraum ab. Diese Vorgangsweise ermöglicht der AUVA die Konzentration auf ihre eigenen Stärken – das Betreiben des UKH und die medizinische Leistung.
Das Errichtungs-, Finanzierungs- und Verwertungsrisiko und die Übernahme bestimmter Dienstleistungen – wie etwa im Bereich des Facility Management – werden hingegen an kompetente externe Partner übertragen. Dadurch wird zusätzliches Know-how im Sinne der optimalen Nutzung von Ressourcen hereingebracht und die Kostensituation optimiert. Die Realisierung des Projekts in dieser Form entspricht daher dem Gebot einer schlanken Verwaltung und einer effizienten und sparsamen Verwendung der Mittel.
Dieser von der AUVA eingeschlagene Weg wurde vom renommierten Betriebsberatungsunternehmen KPMG nachdrücklich als zeitgemäß und innovativ bezeichnet. Die Realisierung des Projektes wird von einem Projektausschuss begleitet, der sicherstellen soll, dass das vereinbarte Ergebnis unter Berücksichtigung der medizinischen Entwicklung innerhalb des Kostenrahmens umgesetzt wird. Auf 38.000 m2 Fläche wird in einer Bauzeit von nur drei Jahren der moderne Spitalsbau, eine Tiefgarage, ein Versicherungsgebäude und ein Personalwohnheim errichtet. Rund 200 Millionen Euro werden in dieses Großprojekt investiert.
Seit fünfzig Jahren ist das UKH Salzburg ein wesentlicher Bestandteil des Salzburger Gesundheitssystems. Unfallchirurgische Versorgung auf dem letzten Stand erfordert ständige Modernisierung und Erneuerung. So ist auch das UKH Salzburg immer wieder um- und ausgebaut und immer besser ausgestattet worden. Nach fünfjähriger Umbauzeit – bei vollem Betrieb – präsentiert sich das UKH seit 2003 mit verbesserter Infrastruktur, modernster Medizintechnik und mehr Komfort für die Patienten. Im Zuge der Umbauarbeiten wurden auch ein viergeschoßiges Gebäude im Wirtschaftshof und eine zweigeschoßige Tiefgarage errichtet, der Eingangsbereich aufgestockt, die Frontfassade und die Außenanlagen neu gestaltet. Vor dem UKH wurden 42 Parkplätze geschaffen, die Patienten und Besuchern kostenlos zur Verfügung stehen. Insgesamt sind 36,5 Millionen Euro in die neue Krankenhausqualität investiert worden; davon 31,4 Millionen in bauliche Maßnahmen und 5,1 Millionen in Einrichtungen.
Das Unfallkrankenhaus Meidling wird seit November 1996 modernisiert und den höchsten Qualitäts- und Pflegeansprüchen angepasst: zum Jahreswechsel beginnen die Arbeiten am neuen Operationstrakt. Riesige Kräne brachten die schon während des Umbaus des AUVA-Unfallkrankenhauses Salzburg eingesetzten OP-Container Anfang Dezember nach Wien. Der Transport der insgesamt 18 Raummodule ging in zwei Teilen quer durch Österreich, die Aufstellung auf bereits betonierte Fundamente wurde in wenigen Tagen durchgeführt.
Bis Mitte Februar werden die Einrichtung und hygienische Vorbereitung benötigen, dann wird der Operationsbetrieb in die OP-Container verlagert. Bis Frühjahr 2006 werden im
1. Stock des AUVA-Unfallkrankenhauses in der Kundratstraße vier neue Operationssäle, ein Schockraum und der Computertomographie-Bereich fertig sein. Parallel dazu werden die Erstversorgung im 1. Obergeschoß umgebaut und der Hubschrauber-Landeplatz auf das Dach des UKH verlegt. Ende 2005 soll diese Bauetappe abgeschlossen sein, Frühjahr 2006 die erste Operation im neuen OP-Trakt erfolgen. Die AUVA investierte seit 1996 rund 42,5 Millionen Euro in die Topklinik für Akutversorgung und rekonstruktive Eingriffe nach Unfallverletzungen im Südwesten von Wien.
Was in Wien speziell bei den öffentlichen Spitälern besonders schwierig ist, ist der vorgeschriebene Denkmalschutz. Auf der einen Seite sind die alten Gebäude besonders schön anzusehen – wenn es jedoch nach Kubikmetern und deren Leistung geht, will die Milchmädchenrechnung nicht greifen. Decken bis zu 3–4 Metern Höhe sind in Wien kein Seltenheit. Auch das muss in die Kalkulation miteinberechnet werden“.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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