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Frauenpower für Qualität & gegen Pfusch

11.11.2005

Maria Epple ist ein Unikat in ihrer Branche – sie ist europaweit die einzige Frau an der Spitze einer Standesvertretung in der Baubranche. Epple sieht ihre Tätigkeit als Innungsmeisterin als Auftrag, für die Anliegen, Sorgen und Bedürfnisse der burgenländischen Bauwirtschaft mit voller Kraft einzutreten. Die „erste Frau am Bau“ zu sein, macht Epple stolz, wenn auch der „Bau“ für sie bereits von Kindheitstagen an selbstverständliches Umfeld ist. Der Vater führte bereits seit den 50er-Jahren ein Bauunternehmen. Seit 1969 arbeitet Epple als Baumeisterin – für die damalige Zeit ungewöhnlich, wie auch der Abschluss der HTL Hochbau in Mödling. „Ich wollte ja eigentlich gar nicht Baumeisterin werden, doch da der ,Sohn’ im Haus fehlte, hatte ich keine Wahl. Nach dem Schulabschluss packte mich jedoch der Ehrgeiz“, lacht die Mutter dreier Töchter. Ihr sonniges und positives Gemüt wirkt ansteckend – Probleme kennt die Frau Innungsmeisterin nicht, oder nur ansatzweise wie z. B. gleich beim Start ihrer Berufslaufbahn: „Ich habe 1969 die Baumeisterprüfung abgelegt, obwohl diese für Frauen damals noch schwierig zu erreichen war – doch letztlich klappte alles. Mein Vater war zu der Zeit bereits im Ausschuss in der Landesinnung Bau aktiv. 1985, als ich erstmals dazu kam, erschrak ich zuerst und war nicht sicher, was ich dort tun soll“, so Epple.

Umwelt und ökologisches Bauen
Doch die Arbeit im Umwelt-Ausschuss machte ihr sofort Spaß. Voller Elan stürzte sich Epple in das Baumeistergewerbe – Anerkennungsprobleme gab es, wenn, dann nur mit neuen Mitarbeitern. „Viel ärgere Probleme hatte ich jedoch zum Beispiel mit Architekten bei Preisverhandlungen. Die fragten immer, wann denn der Herr Baumeister kommt. Das hat mich oft geärgert“, schmunzelt Epple. Bei den Bauherren gab es hingegen nie Respektprobleme. In Epples Bauunternehmen Wukowits sind zurzeit 40 Mitarbeiter beschäftigt – Umwelt und ökologisches Bauen wurden zu ihrem Schwerpunkt: „Früh lernte ich die Passivhaus-Technologie kennen. Doch meine oberste Priorität ist qualitativ hochwertig bauen.“ Das zurzeit heiß umkämpfte Thema Baumängel betrifft sie sehr, deshalb setzt sie hier auch mit einer Kampagne an. „Wir müssen herausfinden, warum es die Mängel gibt, ich habe eine Arbeitsgruppe gegründet, wir wollen einen Katalog erstellen, um auch eine Art Schnittliste zu erhalten, welche die Probleme klar zeigt“, erklärt Epple. Dabei soll auch mit den Planerkollegen diskutiert werden, denn Epple ist davon überzeugt, dass eine Vielzahl der Baumängel ihre Ursache in der Planung haben. Mängel müssen rechtzeitig verhindert werden. „Es kann auch nicht sein, dass ein Professionist von der Tätigkeit des anderen nichts weiß – dort liegt ebenso eine Fehlerquelle“, so Epple. Ein wesentlicher Schwerpunkt ihrer Innungsarbeit liegt auf der Lehrlingsausbildung – die geringe Nachwuchszahl am Bau sieht Epple unter anderem im negativen Image der Bauberufe: „Alle Handwerksberufe leiden darunter, doch natürlich darf auch nicht übersehen werden, dass die vergangenen 15 Jahre durch Facharbeiter aus dem Ausland gut abgedeckt waren. Unsere Aufgabe sehe ich darin, das Bewusstsein wieder dafür zu schärfen, dass die Bauberufe Ausbildungen mit Zukunft sind.“ Als Unterstützung wird am Wirtschaftsförderungsinstitut eine theoretische Ausbildung angeboten. Viele Lehrlinge gehen laut Epple auch nach dem Bundesheer „verloren“. Als notwendig sieht Epple die Verbindung von Praxis und Theorie: „Die AHS-Absolventen haben, auch wenn sie die Fachhochschule absolvieren, wenig Ahnung von der Praxis.“ Zu dieser Erkenntnis kommt Epple vor allem aufgrund der Baumeisterprüfungen.

Baumängel & Scheinfirmen
Die Ziele von Maria Epple sind hoch gesteckt: die immer wieder der Baubranche angelasteten Baumängel nimmt sie sehr ernst – wie auch die Scheinfirmen- und Pfuscherproblematik. Bezüglich der Mängel am Bau will Epple eine Art Schlichtungsstelle einführen, die für die Koordinierung und im schlimmsten Fall auch für die Schlichtung der Konflikte zum Beispiel unter den einzelnen Handwerkern zuständig ist. „Somit könnten Mängel am Bau frühzeitig verhindert werden. Aber eines ist klar, auch die Planung muss gut sein, die Architekten müssen genauer sein, die Ausführenden sind letztlich immer die Schuldigen und müssen die Mängel ausbaden.“ „Natürlich“, räumt Epple ein, „könnte diese schlichtende Aufgabe auch der Baustellen- oder Planungskoordinator übernehmen“ – doch hier sieht Epple schwarz.

Anmeldung vor Arbeitsantritt
Burgenland ist das so genannte „Testbundesland“ für Maßnahmen gegen Schwarzarbeit am Bau. Am 1. Jänner 2006 startet der Probelauf für die neue Strategie gegen Pfuscher und Sozialversicherungsschädiger. Damit sind Arbeitgeber verpflichtet, Arbeitnehmer am ersten Arbeitstag anzumelden. Doch glücklich ist Epple mit der erneuten Sonderstellung nach der E-Card-Testphase nicht, denn sie hält den Probelauf für überflüssig: „Ich bin vor allem für eine Anmeldung der Arbeitnehmer noch vor Arbeitsbeginn – doch wir, die Bauwirtschaft, wurden in die Verhandlungen ja nicht einmal eingebunden. Nun werden wir sehen, was passiert.“ Schwarzarbeit ist im Burgenland ein Thema, wenn auch die Zahl der so genannten Sechs-Monats-Firmen relativ klein ist: „Pfuscher gibt es im Burgenland wenige, dafür umso mehr sogenannten ,Partien’ aus den Ostländern – das ist unser Problem. Deshalb sind wir für die Anmeldung vor Arbeitsbeginn, damit müsste allerdings auch verbunden sein, dass die KIAB nicht nur an offiziellen Arbeitstagen unterwegs ist. Das Besondere ist, dass viele private Bauherren, sobald sie von Pfuschern bauen lassen, Abstriche in der Qualität hinnehmen“, so Epple.
Das in der Dienstleistungsrichtlinie konzipierte, noch nicht beschlossene, Herkunftslandprinzip kritisiert Epple ebenso massiv: „Die östlichen Nachbarländer arbeiten billiger als wir – wie soll das funktionieren?“

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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