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„Bei bereits laufenden Festpreisverträgen müssen die Unternehmer die gestiegenen Material­kosten ­leider noch ­schlucken. Aber wenn die K­­on­junktur so bleibt, ­werden auch die Baupreise etwas anziehen.“, sagt Hans-Werner Frömmel.

Frömmel: "Das BVergG hat Lichtblicke und Schattenseiten."

22.05.2018

Trotz guter Konjunktur bleibt die Baubranche eine herausfordernde Branche. Die Bauzeitung sprach mit Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel über die Preis- und Kostenentwicklung, die Vergaberechtsnovelle und das neue Konzept der Baulehre. 

Brummende Baukonjunktur, aber niedrige Margen; eine verpflichtende Baustellendatenbank, jedoch Lockerung der Normenbindung. Egal ob es sich um die aktuelle ­Wirtschaftslage oder um das neue Bundesvergabegesetz (BVergG) dreht – Freud und Leid liegen in der heimischen Baubranche weiter­hin sehr nahe beieinander. Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel stellt dazu im Interview seine Sichtweise dar.

Die Margen in der Baubranche werden immer geringer. Woran liegt das?

Hans-Werner Frömmel: Das hat verschiedene Gründe. Zum einen hat sich der Preiskampf durch die vielen Entsendungen aus dem Ausland verschärft. Selbst wenn alles legal abläuft, haben diese Entsendeunternehmen durch niedrigere Abgaben und Lohnnebenkosten­ Lohnvorteile von bis zu 30 Prozent. Zum anderen zeigen die Baukostenindizes deutlich den starken Anstieg der Herstellungskosten. Stahl- oder Erdölprodukte wurden zum Beispiel durch globalwirtschaftliche Entwicklungen sprunghaft teurer. Diese Kostensteigerungen müssen die Bauunternehmen schultern, was ihnen durch weitere Produktivitätssteigerungen meistens auch gelingt. Hinzu kommen exorbitante Grundstückspreise und zum Teil überbordende Anforderungen in den bautechnischen Regelwerken. Die Preissteigerungen liegen jedenfalls nicht an den Bauunternehmen.

Sehen Sie in absehbarer Zeit eine Angleichung von Preis- und Kostenentwicklung?

Frömmel: Ich denke, aufgrund der positiven konjunkturellen Entwicklung könnte sich die Preissituation durchaus etwas entspannen. 

Die Grundstückspreise werden aber nicht plötzlich sinken, genau so wenig wie die Materialkosten. Wie soll sich die Schere zwischen Kosten und Preis wieder schließen?

Frömmel: Was wir steuern können, sind zum Beispiel die OIB-Richtlinien. Hier hatten wir gerade erst Klausurtagung für die neue Ausgabe, die 2019 erscheinen wird. Ziel ist es, das Regelwerk zu entflechten und zu vereinfachen. Überbordende Maß­nahmen sollen­ zurückgenommen werden. Auf der anderen Seite wird, wenn die Konjunktur auf diesem Niveau bleibt, à la longue auch der Preis ­steigen. Bei bereits laufenden Festpreisverträgen müssen die Bau­unternehmen die gestiegenen Kosten leider noch schlucken. ­Künftig ist es jedoch unverzichtbar, die steigenden Materialkosten­ miteinzukalkulieren. Dadurch wird es wahrscheinlich bei den nächsten Ausschreibungen zu Preiserhöhungen kommen. 

Die Vergaberechtsnovelle ist beschlossene Sache. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

Frömmel: Grundsätzlich begrüßen wir die Novelle. Es wird darin ausdrücklich festgehalten, dass auch KMU an öffent­lichen Vergabe­verfahren teilnehmen können. Auch die Förderung des Bestbieterprinzips ist positiv. Außerdem ist die verpflichtende ­Meldung von Bauaufträgen in der Baustellendatenbank sicherlich eine wichtige Maßnahme gegen Lohn- und Sozialdumping. Wichtig­ dabei ist jedoch, dass diese Maßnahme greift und keine zusätzliche Büro­kratie darstellt. Allerdings ist der Kampf gegen Lohn- und Sozialdumping nur ein kleiner Teil des neuen BVergG – das wesentliche Ziel ist, in einem rechtlichen Rahmen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen­ Auftragnehmer und Auftraggeber zu schaffen. Diesbezüglich hat es in einigen Punkten ein paar Rückschläge gegeben. Ich denke vor allem an die Normenbindungen, bei der es eine deutliche Lockerung­ – insbesondere bei den Vertragsnormen – geben wird. Das kann dazu führen, dass der Auftraggeber noch einfacher Vertragsbedingungen zulasten des Auftragnehmers in den Ausschreibungen platzieren kann – wie zum Beispiel die Überwälzung von Risiken, die nicht kalkulierbar sind. Es gibt aber einige Regelungen, mit denen wir durchaus zufrieden sein können, wie zum Beispiel die Frage, wie mit Subvergaben umzugehen ist. Hier konnten wir die Genehmigungspflicht erhalten, und das ist schon viel wert. Aus unserer Sicht ist es nun eine ausgewogene Regelung, in der die Wirtschaft handlungsfähig bleibt und der Auftraggeber den Überblick behält, was auf seiner Baustelle los ist. Man darf nicht vergessen, dass der Auftraggeber künftig auch die Verantwortung trägt, die Subunternehmen in der Baustellen­datenbank zu melden – was wiederum die Kontrollen erleichtert. Zusammenfassend könnte man sagen, dass es beim neuen BVergG Lichtblicke und Schattenseiten gibt. Insgesamt ist es jedoch essenziell, dass die Rechtssicherheit wieder gegeben ist. Seit zwei Jahren hatte wir die Situation, dass die EU-Vergaberichtlinie, die national nicht umgesetzt wurde, faktisch trotzdem Geltung hatte – und zwar konkurrierend mit einem alten Bundesvergabe­gesetz. ­Dieser Mix war für keine Seite befriedigend. 

Momentan wird an einem neuen Konzept für die Baulehre gearbeitet, um die Baubranche für den Nachwuchs attraktiver zu machen. Können Sie uns bereits ein paar konkrete Ideen und den Zeitplan verraten?

Frömmel: Der Nachwuchs liegt mir sehr am Herzen, und wir setzen­ auch viele Aktivitäten, um diesen für Bauberufe zu begeistern. So zum Beispiel auch das österreichweite Bau-Lehrlingscasting,­ das diesen November bereits zum fünften Mal stattfindet und auch in anderen Branchen Nachahmer gefunden hat. Das ist aber nicht genug. Die Baulehre 2020 ist ein Projekt zur strategischen ­Neuausrichtung der Lehre am Bau. Wir wollen bis 2020 den ­Lehrberuf modernisieren und inhaltlich Zukunftsthemen wie die ­Digitalisierung aufgreifen. Einige Lehrberufe sollen auch neu betitelt werden. Wir arbeiten intensiv daran. Momentan werden noch der Status quo und die Bedürfnisse von Unternehmen und Aus­zubildenden analysiert, die Ergebnisse werden Ende Mai erwartet.­ Parallel dazu arbeitet unser Ausschuss für Berufsausbildung an einem Kriterienkatalog, der als Leitfaden die Lehr­betriebe unterstützen soll. Weitere Vorhaben sind mehr Dialog in den Berufsschulen und natürlich eine weitere Aufwertung des Images. Konkrete Details dazu kann und möchte ich allerdings noch nicht nennen. Wir werden heuer noch präsentieren, wie Lehrberufe am Bau künftig aussehen werden.

Was Hans-Werner Frömmel zur Entsendethematik, dem Ende der Wohnbauinvestitionsbank und zur Klimastrategie- und Sanierungsquote sagt, lesen Sie in der nächsten Ausgabe der Bauzeitung.

 

Autor/in:
Sonja Meßner
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