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Frontmann der Lehre

13.11.2009

Thomas Prigl ist der neue Koordinator der BauAkademie Österreich. Der abenteuerlustige Sportler ist Lehrer und Baumeister aus Leidenschaft. Familie und Beruf versucht er so gut wie möglich zu verbinden. Thomas Prigl ist in der Branche – vor allem in der BauAkademie – trotz seiner jungen Jahre ein alter Hase.

Bisher war er hauptsächlich bekannt als Lehrender, Leiter und Geschäftsführer der BauAkademie Wien, Lehrbauhof Ost in Guntramsdorf. Vor wenigen Tagen gelang ihm der nächste Karrieresprung: zum Koordinator der BauAkademien Öster­reichs. Als Oberbefehlshaber will Prigl trotz Machterweiterung nicht bezeichnet werden. „Oberbefehlshaber ist mit Sicherheit der falsche Ausdruck. Hauptsächlich bezieht sich meine neue Aufgabe auf Koordinationsbelange. Es geht darum, einen gemeinsamen Konsens zwischen all den vielen kreativen Geistern in der Bau­Akademie zu finden. Zudem wollen wir natürlich die Institution für die qualitätsvolle Lehre am Bau an sich weiter stärken. Im österreichischen Handwerk gibt es kein vergleichbares System. Die Qualität der Ausbildung ist uns besonders wichtig, und das soll auch in Zukunft weiter im Mittelpunkt stehen“, erklärt der ausgebildete Pädagoge seine Aufgaben und Ziele während eines Rundgangs durch sein Refugium am Lehrbauhof Ost in Guntramsdorf. Den engen Draht mit der Jugend spürt man Schritt für Schritt – er grüßt, fragt nach, erkundigt sich nach Fortschritten.

Leidenschaft für den Bau
Im Regelfall wechselt die BauAkademie alle zwei bis drei Jahre die Koordination. Grundsätzlich stellt jedes Bundesland einmal den Koordinator oder die Koordinatorin. Seine neue Aufgabe wird der Techniker aber zusätzlich zu seinen bisherigen Arbeitsgebieten erledigen. „Die Koordinationstätigkeit kommt zu meinen alltäglichen Aufgaben in der BauAkademie hinzu. Einmal im Quartal setzen sich alle Leiter der BauAkademien zusammen und diskutieren aktuelle Probleme und neue Ausbildungsschritte. Der Koordinator hat hierbei die vorgeschobene Rolle, dass er die Sitzungen leitet. Jede BauAkademie agiert eigenständig, dennoch müssen die Inhalte in allen Bundesländern dieselben sein. Wenn beispielsweise gerade viele Vorarbeiter benötigt werden, schauen wir in den BauAkademien gemeinsam, dass wir hier ein Angebot bieten können, um die Ausbildung attraktiv zu gestalten und junge Nachwuchskräfte zu rekrutieren“, erklärt Prigl das grundsätzliche System das hinter seinen neuen Aufgabe steht.
Auf die Frage, ob er diesen Posten gerne übernommen hat, zeigt er sich bescheiden: „Es entsteht durch den überregionalen Austausch von Erfahrungen eine große Sicherheit und ein breites Spektrum an Möglichkeiten“, so Prigl.
Die Baubranche begleitet Thomas Prigl schulisch und beruflich seit geraumer Zeit. „Ich bin seit September 2003 in der BauAkademie, seit 1998 im Lehramt in der Berufsschule und komme von daher auch aus der pädagogischen Schiene. Das Thema Bauen begleitet mich seit der HTL im Jahre 1984. 2003 habe ich außerdem die Baumeisterprüfung abgelegt“, erläutert er seinen technischen Background.
Auf die Frage, warum er die Baumeisterprüfung abgelegt hat, antwortet er schmunzelnd: „Die Baumeisterprüfung ist eine schwere Prüfung. Ich habe in kurzer Zeit das ganze Wissen von der Planung, der baubehördlichen Einreichung über die Kalkulation und der Statik gelernt. Das war eine große Herausforderung“, so der Baumeister. Um sein Wissen praxisgerecht aufrechtzuerhalten, hat er es sich zur Gewohnheit gemacht, jedes Jahr wenigstens ein kleines Projekt zu betreiben und umzusetzen. „Ich mache ein kleines Projekt pro Jahr. Meistens ein Einfamilienhaus, um nicht zu weit von der angewandten Arbeit entfernt zu sein. Ich möchte nicht mit 50 in der Klasse stehen und nur vom Nostalgiebereich erzählen, denn man muss immer auffrischen und kann nur das gut erklären, was man schon selbst erlebt hat“, ist der engagierte Pädagoge überzeugt. Dennoch ist seine Leidenschaft die BauAkademie, die Lehre und die Arbeit mit den Jugendlichen. „Ich freue mich sehr, wenn ich die Jungen im dritten Lehrjahr sehe, wenn sie mit 15 oder 16 Jahren langsam selbstsicher werden und ihre eigenen Projekte errichten, dann macht mich das stolz. Man erlebt in der Ausbildungszeit sowohl die positiven als auch die negativen Seiten mit den Auszubildenden. Von daher hole ich mir auch meine persönliche Motivation“, schwärmt Prigl von seinem Arbeitsalltag.

Sport als Ausgleich
Der sportliche Baumeister – bergsteigen und Ski fahren – weiß auch, wann es genug ist. „Mehr Projekte nebenbei mache ich aber nicht, weil ich ja auch noch ein bisschen Lebensqualität brauche.“ Dazu zählt vor allem das Reisen: „Wir machen im Sommer meistens eine längere Reise, und so kann ich fernab aller modernen Informationsmedien abschalten und mich entspannen.“ Zusammen mit seiner Familie scheut der abenteuerlustige Techniker keinen Weg. „Vergangenes Jahr waren wir in Afrika. Wir haben nur den Flug, den Jeep und die erste Nächtigung gebucht. Dann ging es tagelang quer durchs Land mit all seinen Kontrasten. Es war ein ­tolles Abenteuer mit Lagerfeuer, Sternen und der wunderschönen Landschaft“, schwärmt Prigl. Dass diese Art von Urlaub auch familientauglich ist, beweist die abenteuerlustige Familie Prigl: „Die Kinder haben den Urlaub und die Gegebenheiten wie etwa 30 Grad tagsüber und Minusgrade nachts total lässig aufgenommen. Wir waren auch wandern und bergsteigen und haben die Kinder langsam an den Berg und die Aktivitäten herangeführt, um eine absolute Ablehnung zu vermeiden. Das hat wunderbar geklappt.“ Auch die nächsten Reiseziele sind schon geplant: „Im Sommer geht es nach Island, das durch die Währungskrise nun leistbar geworden ist“, freut sich Prigl.
Der Familienmensch verbringt aber nicht nur im Urlaub Zeit mit seinem Nachwuchs. Berufliche Pläne für die Kinder gibt es noch keine. „Sie sollen einen Beruf finden, in dem sie sich wohlfühlen und auch genug verdienen, um gut leben zu können“, wünscht sich der zweifache Vater. Sowohl Tochter Magdalena (12) als auch Sohn Maximilian (10) werden in den (Arbeits-)Alltag, so gut es geht, eingebunden. „Im Sommer dürfen sie in die Bau­Akademie mitkommen. Dementsprechend haben sie auch dann Verständnis dafür, wenn es am Abend einmal länger wird oder am Samstag das Telefon läutet“, so Prigl. Auch über einzelne Projekte und Initi­ativen der BauAkademie sind die beiden gut informiert wie etwa das aktuelle Projekt und Aushängeschild der BauAkademie Wien „Sport und Lehre“, in dem junge Nachwuchsfußballer gleichzeitig zu ihrem sportlichen Training eine Lehre an der BauAkademie absolvieren.

Wohlfühlen und gut leben
„Maximilian ist von diesem Projekt begeistert. Nach seinem ersten Schultag im Gymnasium hat er bereits Pläne geschmiedet, dass er nur vier Jahre an der Schule bleiben würde, um anschließend zum Papa zu gehen, weil er hier Maurer werden und Fußball spielen kann“, so der stolze Papa. Die sportliche Ader liegt offenbar in der Familie. Thomas Prigl ist leidenschaftlicher Bergsteiger. „Seit meinem 16. Lebensjahr ist Bergsteigen eine meiner Leidenschaften, da ich von klein auf schon wandern durfte oder musste“, berichtet er mit einem Augenzwinkern. „Für mich ist Sport eine optimale Abwechslung. Fußballerisch bin ich eher begrenzt begabt, dafür liegt mir die handwerkliche Arbeit sehr“, erzählt Prigl.

Ein Leben für die Jugend
Seine persönliche Leidenschaft teilen auch viele Jugendliche, die mit dem Projekt „Sport und Lehre“ erreicht werden sollen. „Insgesamt haben wir an der BauAkademie zurzeit drei Projekte laufen. Erstens die zwischenbetriebliche Ausbildung, die mittlerweile ein institutionalisiertes System ist, da es dieses Projekt bereits seit 1981 gibt. Viele andere Bereiche und Branchen versuchen, unser Projekt zu kopieren. Zweitens gibt es die Lehrlingskampagne der Bundesinnung Bau. Seit 2004 konnten wir damit 35 Prozent mehr Lehrlinge gewinnen. Gut ausgebildeter Nachwuchs ist von größter Bedeutung für uns. Das dritte Projekt ‚Lehre und Sport‘ läuft seit diesem Jahr. Die Jugendlichen können neben ihrem Sport wie etwa Fußball auch eine berufliche Ausbildung machen. Die Nachfrage seitens der Bewerber ist groß, und auch von den Eltern der Jugendlichen bekommen wir ausgezeichnetes Feedback. Ausgehend davon, dass ein Sportprofi im Spitzensport mit 35 bis 38 Jahren am Ende seiner Sportkarriere steht: Mit einer fundierten Ausbildung hat er die Möglichkeit, danach in seinen erlernten Beruf zurückzukehren und kann zum Beispiel auch die Baumeisterprüfung ablegen“, erläutert Prigl. Obwohl der Ausbilder mit seinem Leben – beruflich wie privat – grundsätzlich sehr zufrieden ist und wirkt, weiß er nach kurzer Überlegung doch noch Zukunftswünsche zu formulieren: „Ein wesentliches Ziel für die Zukunft ist, dass wir wiederkehrend an der guten Ausbildung der Facharbeiter arbeiten und eine leistungsfähige Jugend auf den Weg bringen und mit ihr den Weg weitergehen. Ich betrachte diese Arbeit auch als ein gesellschaftliches Projekt. Privat wünsche ich mir, dass ich auch quantitativ mehr Zeit mit mir nahestehenden Menschen verbringen kann. Für mich beruflich kann ich nur sagen: Schauen wir mal, was noch alles kommt.“

(Redaktion/Diana Danbauer)





Thomas Prigl
geboren 2. Mai 1970 in Wien

1984–1989 HTL Tiefbau
2001 Dipl.-Päd. Prüfung, Diplomarbeit: „Ausbildungsentwicklung der Baufacharbeiter“
2003 Baumeisterprüfung
Ausbildung zur Sicherheitsvertrauenspersonen
Genderspezifische Aspekte in der Gruppenarbeit und Diversity Competence
Fitlehrwart
1990–1998 Firma Porr AG – Bauleitung:
seit 1998 BS Baugewerbe – Vertragslehrer
1998 Wifi Wien
Buchautor: Fachgespräche Bautechnik 2006

Ausschüsse: Berufsausbildungsausschuss der Bundesinnung Bau; Lehrlingskampange

Leonardo-Projekte: Bildungsexperte: Praxismanager auf der Baustelle; Europolier; Nationaler Qualifikationsrahmen für den Bau auf Basis des EQF; Equalprojekt: ECW – European Construction Worker

seit September 2003 Leiter der Bau­Akademie Wien – Lehrbauhof Ost
seit Jänner 2004 Geschäftsführer der BauAkademie Wien – Lehrbauhof Ost
seit Oktober 2009 Koordinator der BauAkademien Österreichs

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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