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Die abschlagsfreie Frühpension, die Hacklerpension, kann nur noch bis Ende 2021 in Anspruch genommen werden.

Frühstarterbonus statt Hacklerregelung

19.11.2020

Die abschlagsfreie Frühpension wird mit Ende 2021 Geschichte sein. Im Gegenzug wird Anfang 2022 ein Frühstarterbonus eingeführt. Die Ansichten dazu sind höchst gegensätzlich.

Bauzeitungs-Umfrage

Frühstarterbonus statt Hacklerregelung - war es die richtige Entscheidung? Wir haben bei unseren Lesern nachgefragt.

41 Prozent sind der Meinung, dass es  eine Lösung braucht, die alle gleich behandelt. Sie glauben nicht, dass der Frühstarterbonus eine solche ist.
36 Prozent erachten den Ansatz als durchaus gelungen.
23 Prozent sehen den Frühstarterbonus als absolute Fehlentscheidung. 

Es ist beschlossene Sache: Die erst 2019 wieder eingeführte Langzeitversichertenpension, die sogenannte Hacklerregelung, gilt nur noch bis Ende 2021. Dadurch können alle, die 45 Jahre gearbeitet haben und das Mindestpensionsalter von 65 Jahren noch nicht erreicht haben, ab dem Jahr 2022 nicht mehr abschlagsfrei in Pension gehen.

Stattdessen soll es einen Frühstarterbonus geben, durch den jene, die im Alter von 15 bis 20 Jahren bereits gearbeitet und damit Versicherungszeiten erworben haben, einen Bonus von monatlich 60 Euro in der Pension bekommen sollen. Die Möglichkeit mit 62 Jahren in Pension zu gehen gibt es zwar weiterhin, es kommt aber dann zu einem Abschlag von 4,2% pro Jahr. Bei drei Jahren vor dem 65. Lebensjahr ergibt sich damit in Summe ein Abzug von insgesamt 12,6%.

Schlechter Tausch

Die Abschaffung der abschlagsfreien Frühpension nach langer Versicherungsdauer hat große Wellen geschlagen. Für Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer in Oberösterreich, ist der Frühstarterbonus kein Ersatz für die Hacklerregelung, sondern nur ein Bonus-Zuckerl, mit dem kaschiert werden soll, dass Menschen, die nach 45 Arbeitsjahren in Pension gehen, Geld weggenommen wird. Für ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian ist der Frühstarterbonus ein schlechter Tausch: „Der Vorschlag macht aus finanzpolitischer Sinn wenig Sinn“. Für Tausende Langzeitversicherte würde das ein durchschnittliches monatliches Minus von 300 Euro bedeuten, welches der Frühstarterbonus bei weitem nicht ausgleicht, meint Katzian. „Langzeitversicherten, sprich Hacklern, werden 300 Euro weggenommen und maximal 60 Euro refundiert.“

Frauen benachteiligt

Auch Baugewerkschaftschef und Nationalrat Josef Muchitsch kritisiert den Plan der Regierung heftig: "Die Regierung bringt Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, um den Lohn ihrer Arbeit“. Die Erklärung der Regierungsparteien, dass Frauen nichts von der Hacklerpension haben, hält er für inhaltlich falsch. Dieses Argument geht für Muchitsch am Thema vorbei, da in spätestens acht Jahren die Hacklerregelung für Frauen relevant sei, weil das Antrittsalter ab 2024 pro Jahr um ein halbes Jahr angehoben wird. „Dann würden auch Frauen von der Hacklerregelung profitieren“, bekräftigt Wolfgang Katzian, der gleichzeitig einräumt, dass von der geplanten Neuregelung Frauen schneller profitieren würden, aber immer noch viel zu wenige. Seiner Meinung nach würde Frauen die bessere Anrechnung der Kindererziehungszeiten mehr helfen.

Hohe Bundeszuschüsse

Von Fachleuten wird das Ende der Hacklerpension hingegen vielfach begrüßt. So befürwortet Pensionsexperte Bernd Marin im Gespräch mit der Tageszeitung Kurier die Abschaffung, die im allerdings nicht weit genug geht. Für ihn ist die neue Lösung ein Murks, ein fauler Kompromiss, der unverständlich, unfair und nicht nachhaltig ist. Stattdessen sollten Anreize geschaffen werden, damit die Menschen länger arbeiten wollen und auch können. Marin gibt zu bedenken, dass 2019 das durchschnittliche Pensionsalter wie im Jahr 1976 bei 44 Jahren lag. Sozusagen ein Stillstand, obwohl die Menschen in Österreich mittlerweile über ein Jahrzehnt länger leben. Als Beispiel, wie problematisch die Lage sei, nannte er die Bundeszuschüsse zur Sicherung der Pension. Diese würden von 2018 bis 2024 um 55 Prozent von rund neun Milliarden Euro auf 14 Milliarden Euro ansteigen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz begründet das Vorhaben der Regierung mit dem Hinweis, dass die derzeitige Hacklerregelung ungerecht sei und in erster Linie wenigen Männern zugutekomme, junge Menschen und Frauen aber benachteilige. Für ihn sei der Frühstarterbonus ein Schritt zu mehr Gerechtigkeit. 

Autor/in:
Alice Rienesl
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