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Gebündeltes Know-how

08.07.2011

Nachhaltigkeit ist mehr als Ökologie – diese Botschaft steht im Zentrum des spartenübergreifenden ­Nachhaltigkeitsbeirats, der es sich zum Ziel setzt, nachhaltige Entwicklungen am Bausektor zu forcieren.

Nachhaltigkeit ist nach wie vor in aller Munde. Für die EU-Kommission ist das „Nachhaltige Bauen“ einer der sechs Leitmärkte der Zukunft. Zugleich sind 40 Prozent des Gesamt­energieverbrauchs in der EU dem Gebäudesektor zuzurechnen. Die volkswirtschaftliche und klimapolitische Bedeutung der Branche ist enorm. Gleichzeitig ist die Stein- und keramische Industrie in Österreich – wie viele andere Sektoren der Bauwirtschaft – mit den Folgen der Krise mehr gefordert denn je. In der Stein- und keramischen Industrie stagnierte der Umsatz im Jahr 2010 bei 3,2 Milliarden Euro. Der Beschäftigungsstand ging um mehr als drei Prozent zurück.


Leichter Aufschwung spürbar

Zumindest eine leichte Erholung konnte im ersten Quartal 2011 festgestellt werden. Der Fachverband befragte die Mitgliedsbetriebe zur Entwicklung im ersten Quartal. Die Unternehmen erwarten für das Jahr 2011 insgesamt ein leichtes Umsatzplus von zwei bis drei Prozent. Die Bauzulieferer rechnen mit einem weiteren Rückgang.

„Der Auftragsstand entwickelte sich bei sämtlichen Baustoffen dank des freundlichen Wetters positiv. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob wir uns wirklich über einen Aufschwung freuen können. Heute ist ein Bekenntnis zu unserer Grundstoffindustrie gefordert.

Ohne lange Transportwege produziert sie direkt in der Region massive Baustoffe, die eine hervorragende Ökobilanz aufweisen und über viele Generationen hinweg mit niedrigen Instandhaltungs- und Wartungskosten im Einsatz sind. Hier sind von der Politik deutliche Signale zur Unterstützung der heimischen Industrie angesagt“, betont Carl Hennrich, Geschäftsführer des Fachverbands. Doch die Vertreter der Wirtschaft warten nicht untätig auf Aktionen der Politik, sondern versuchen die Dinge auch selbst in die Hand zu nehmen. Aktuelles Projekt der Initiative „Nachhaltigkeit massiv“ der Stein- und keramischen Industrie ist der spartenübergreifende Nachhaltigkeitsbeirat.


Entwicklung forcieren

Im Mai unterzeichneten die 17 Experten den vom Fachverband Stein- und keramische Industrie und seiner Nachhaltigkeitsplattform Bau!Massiv! ins Leben gerufenen Nachhaltigkeitsbeirat und damit ihr Leitbild. Ziel des Beirats ist es, im Dialog mit Politik und Verwaltung eine nachhaltige Entwicklung im Bausektor zu forcieren und verbesserte Regulative im Bauwesen zu implementieren. Im Leitbild wird Position bezogen: Nachhaltigkeit bedeutet mehr als Ökologie.

Soziale und ökonomische Nachhaltigkeit sind ebenso wesentliche Dimensionen. Aus diesem Grund sind im Beirat Experten aus allen drei Bereichen vertreten. In seinem Leitbild bekennt sich der Nachhaltigkeitsbeirat im Fachverband Stein- und keramische Industrie dazu, dass sich aus Rücksicht auf und als Vorbild für nachkommende Generationen Planen, Bauen, Wohnen am Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren müssen. Die Herausforderung der Zukunft liegt dabei im optimalen Zusammenspiel von Behaglichkeit und Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz.

„Im Sinne eines umfassenden Verständnisses bewerten wir die Nachhaltigkeit eines Gebäudes anhand mehrerer Kriterien: Komfort für die Menschen, Sicherheit, Leistbarkeit und Wertbeständigkeit, aber ebenso hinsichtlich Langlebigkeit und Effizienz. Der Mensch steht dabei im Mittelpunkt“, erläutert Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin des WWF Österreich und Vorsitzende des Nachhaltigkeitsbeirats.


Neuorientierung im Bausektor

Bereits vor vier Jahren initiierte der Fachverband die Forschungsinitiative „Nachhaltigkeit massiv“. Der Nachhaltigkeitsbeirat ist ein Ergebnis daraus. „Dieser Weg wird nun mit der Konstituierung des Nachhaltigkeitsbeirats weiter beschritten. Unser Ziel ist es, die Nachhaltigkeit im Bereich der Rohstoffe, Baustoffe und Gebäude zu überprüfen und gemeinsam mit unabhängigen Experten weiterzuentwickeln“, erklärt Bernd Wolschner, Geschäftsführer SW Umwelttechnik Österreich GmbH und Obmann-Stellvertreter des Fachverbands.

Die zentralen Themen des Nachhaltigkeitsbeirats sind Ressourcen-Management, Forschungsschwerpunkte und Know-how-Transfer. Nachhaltigkeit soll in allen drei Dimensionen realisiert werden sowie deren Weiterentwicklung sowohl international als auch interdisziplinär vorangetrieben werden.


Ganzheitliche Betrachtung

Auf nationaler Ebene unterstützt der Fachverband jene Gremien, die sich mit Gebäudebewertung befassen – allen voran die Österreichische Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (ÖGNB) und die Österreichische Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI). Im Zentrum steht auch hier der ganzheitliche Gedanke. Eine besondere Rolle kommt hier den Lebenszykluskosten zu. „Das Resultat ist ein integrierter Standard zur Gebäudebewertung – dies trifft auch genau den Bedarf von Planern, Investoren und Förderstellen nach einfachen und korrekten Ratings“, betont Wolschner. Aber auch die Bauprodukte sind dabei von Bedeutung. Die Anforderungen steigen stetig und die Vorgaben durch Regelwerke nehmen zu.


Sicherung von KMUs

Besonders für kleine und mittlere Unternehmen ist es eine Herausforderung, einen Überblick zu bewahren. Diesem Thema nimmt sich der Nachhaltigkeitsbeirat mittels einer Stärken-Schwächen-Analyse von Bauprodukten an. „Diese Untersuchung ermöglicht den Unternehmen, die Stärken und Schwächen ihrer Produkte im Hinblick auf die veränderten Wettbewerbsbedinungen frühzeitig zu erkennen. Sie ist damit eine wichtige Initiative für die langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Stein- und keramischen Industrie Österreichs“, ist Peter Maydl von der TU Graz und stellvertretender Vorsitzender des Nachhaltigkeitsbeirats überzeugt.

Eine aktuelle Befragung im Auftrag des Fachverbands Stein- und keramische Industrie unter 200 Bauexperten erhob die Perspektiven für massive Baustoffe und zukunftsfähige Gebäudekonzepte. Passiv- und Niedrigenergiehaus sind demnach die bekanntesten Gebäudekonzepte, beiden werden in den kommenden fünf Jahren beste Marktaussichten zugeschrieben.

Diana Danbauer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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