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Gecastet in die Lehre

19.09.2011

Marion Kogelbauer hat sich durchgesetzt. Beim „Baumeister Dinhobl sucht den Superlehring"-Casting verwies sie neun Jungs auf die Ränge. Wie sie sich zuvor gegen den Widerstand der Familie durchsetzte und ihren Weg durch die männlich dominierte Bauwelt findet. Von Astrid Kuffner

Ein weißes T-Shirt, feste Schuhe, weiße Hose – so sieht sie aus, die Maurer-Sommerkluft. Ein – noch – ungewohnter Anblick auf der Baustelle ist ein kluger Mädchenkopf mit einer breiten pinken Strähne im dunklen Haar und farblich passenden Ohrsteckern unter dem Maurerhelm. Marion Kogelbauer ist frisch gekürter Superlehrling von Baumeister Dinhobl. In Niederösterreich ist sie die dritte Frau im Maurerberuf, aber sicher die Erste, die im Rahmen eines Castings zu einer Lehrstelle kam.

Um 4.30 Uhr steht sie jeden Tag auf, fährt mit dem Moped vom Heimatort Hochegg zum Bahnhof Grimmenstein. Mit dem Zug und zu Fuß kommt sie pünktlich um 6 Uhr in die Baufirma Dinhobl oder auf eine der Baustellen, auf denen sie seit 1. August tätig ist. „Ich wollte immer etwas lernen", betont Marion, „aber die Lehrer in der AHS haben gesagt, dass die Gescheiten Matura machen." Vier Jahre hielt sie am Gymnasium durch und belegte dann die landwirtschaftliche Fachschule in Warth.

Eigentlich wollte die 15-jährige Niederösterreicherin Mechanikerin werden. Ihre fünf Bewerbungen wurden jedoch mit der erstaunlich offenherzigen Begründung „Wir nehmen dich nicht, weil du ein Mädchen bist" abgeschmettert. Ihrem heutigen Arbeitgeber begegnete sie erstmals im Rahmen der Initiative „Bau deine Zukunft", als er den Maurerberuf an ihrer Schule vorstellte.

 

Gesucht via Facebook

Die Firma Dinhobl in Wiener Neustadt ist 90 Jahre alt und doch jung. Johannes Dinhobl hat in seinem Berufsleben schon rund 40 Lehrlinge ausgebildet. Der Baumeister tat sich auf der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs mit der Lehrlingsexpertin Petra Pinker zusammen und suchte via Facebook, Plakaten und Internetauftritt den Superlehrling. Eine Idee, die bereits nachgeahmt wird. Sein Herzensanliegen: dem Maurerberuf wieder den Stellenwert zu verschaffen, den er verdient. Schließlich sind auf der Baustelle Menschen mit Kraft und Köpfchen gefragt. „Viele Verwandte haben mir abgeraten von dem schweren Beruf, aber ich fand die Casting-Idee ungewöhnlich", erklärt Marion.

Sie bewarb sich mit weiteren zwanzig jungen Leuten und wurde prompt eingeladen. Zehn waren im Bewerb. Das Casting bestand aus acht Stationen, von der Marion die praxisbetonten am besten gefielen. Es galt, eine L-förmige Trockenmauer umzulegen, eine Schalung zu bauen und Werkzeug richtig zu benennen. Vorbereitet hat sie sich auf den großen Tag nicht: „Wir haben daheim einen Bauernhof, da liegt auch viel Werkzeug. Das kenne ich also", schmunzelt sie. Im Casting war Marion unter den ersten drei, aber neben Kraft und Köpfchen sind eben auch soziale Fähigkeiten gefragt. Marion selbst hätte jedenfalls „nie damit gerechnet", Superlehrling zu werden, wusste aber ihre Familie hinter sich, und auch ihr Freundeskreis verfolgte die Statusmeldungen auf Facebook gespannt.

 

Blöde Sprüche – nie gehört

Nach der einwöchigen Schnupperlehre als Bewährungsprobe für die drei Top-Platzierten stand für das Dinhobl-Team fest: Marion passt am besten zu uns. Sie packt an, denkt mit und voraus, hat Bodenhaftung und ist interessiert. Und deshalb hat sie blöde Sprüche auf der Baustelle wohl auch noch nie gehört. Die ersten Wochen gehen in die Knochen, aber inzwischen sind alle in ihrem Umfeld überzeugt, dass Marion die Maurerlehre packt: „Im Gymnasium war ich ganz anders. Aber jetzt weiß ich, was ich will und werde das durchziehen." Sie will auch die Matura in der Abendschule nachholen, und Polier wäre ein nächstes denkbares Berufsziel.

Mit der Medienpräsenz geht sie gelassen um, ob ORF „Niederösterreich Heute" oder „Xpress"-Magazin. Eine Vorbildfunktion als Lehrmädchen in einer Männerdomäne einzunehmen kann sie sich gut vorstellen, war sie doch am ersten Schultag ihrer ehemaligen Schule zu Besuch und musste gleich einige Fragen beantworten. Noch hat sie keine Lieblingsdisziplin: verputzen, schalen, mauern, Baumaschinen bedienen, schippen oder Estrich legen. Sie macht alles, hat mehrere Lehrmeister, die ihr Kniffe beibringen, und ihr Arbeitgeber deckt sowohl Sanierung als auch Neubau ab. Ein eigenes Bautagebuch hat sie bereits und die erste fertiggestellte Baustelle – einen Zweifamilienhaus-Rohbau – mit dem Handy umfassend fotografisch dokumentiert. „Vielleicht mache ich mir für jedes Lehrjahr ein Album", sinniert Marion, die in ihrer Freizeit gern Klavier und Fußball spielt. Vielleicht hat Baumeister Dinhobl nicht Unrecht, wenn er sagt, dass viele junge Menschen in ihrer Ausbildung Praxisbezug schätzen und das Gefühl, etwas aufgebaut zu haben.

www.dinhobl.cc

www.superlehrling.at auch auf Facebook

www.dielehrlingsexpertin.com

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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