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Gegen den Strom die Kraft der Erde nützen

20.09.2005

Das Rekordhoch der Ölpreise zwingt Bauherren wie auch das Baugewerbe zu alternativen Heiz- und Warmwasseraufbereitungsmethoden. Wenn auch dieser Sommer sicherlich nicht den Verkauf von Klimageräten forcierte – neu und stark im Kommen ist die Nutzung von Erdwärme durch Tiefenbohrung wegen der Möglichkeit der Umkehrung des Systems. Die Wärmepumpenanlage kann bei einer Tiefenbohrung auch zur Kühlung verwendet werden. Das ursprüngliche Bauunternehmen Schnauer aus Krems hat sich auf Erdwärmeanlagen spezialisiert und gilt als einer der Pioniere auf dem Gebiet der alternativen Energiegewinnung.
Baumeister sind häufig vom Bauherren mit der Frage, welches Heiz- und Warmwasseraufbereitungssystem er wählen soll, konfrontiert. Das Wissen um das wirtschaftlichste Energiesystem erweist sich für Baumeister zum klaren Wettbewerbsvorteil. Erdreich ist eine ganzjährige Wärmequelle, die praktisch überall zur Verfügung steht. Die gängigste Nutzungsmethode ist in Österreich über Flachkollektoren – die platzsparendste jene über die Tiefenbohrung. Flächenkollektoren werden unterhalb der Frostgrenze verlegt, bei Tiefenbohrungen werden Erdwärmesonden vertikal bis zu zirka 130 Meter unter der Erde eingebracht. Die in der abgeteuften Kunststoffsonde zirkulierende Soleflüssigkeit transportiert als Trägermedium die Erdwärme an die Oberfläche zur Wärmepumpe. Diese bringt die niedrige Erdtemperatur auf die erforderliche Heiz- und Warmwassertemperatur. „Neben dem Erdreich können mit Wärmepumpen betriebene Heizsysteme auch aus dem Grundwasser oder aus der Luft als natürliche Wärmequelle gespeist werden. Bei allen Varianten haben wir einen ganzheitlichen Lösungsansatz, bei dem alle Systemkomponenten bis hin zur Niedertemperaturheizung auf den besten Wirkungsgrad abgestimmt und die Funktionen automatisch geregelt sind“, erklärt Wolfgang Schnauer, der seit 20 Jahren auf dem Gebiet Erdwärme tätig ist. Schnauer hat seit den 80er-Jahren vor allem in Niederösterreich, Wien und im Burgenland mehr als 2500 Wärmepumpen-Anlagen errichtet.

Vorurteil Anschaffungskosten
Das Vorurteil, Erdwärmeanlagen wie auch alle anderen alternativen Energiesysteme sind zu teuer, entkräftet Schnauer mit einem Vergleich – siehe dazu nebenstehender Infokasten.
„Wir übernahmen als Bauunternehmen und Fertigteilwerk 1984 eine Lizenz, bei der aus dem Baustoff Beton Wärme gewonnen wurde. Auf diesem Weg kamen wir zu Wärmepumpensystemen. Die erste Methode, die wir heute kaum noch anwenden, war das Massiv-Absorbersystem. Heute sind Wärmepumpen auf dem Erfolgsweg – sie kosten auch deutlich weniger als vor 20 Jahren“, so Schnauer. Rasch wurde der Markt erkannt und Schnauer gründete ein eigenes Unternehmen für Wärmepumpenanlagen. Schnauer gibt auf seine Anlagen eine lange Garantie: „Die Anlage bleibt bestehen, der Kompressor hält je nach Betriebsstunden 15 bis 20 Jahre.“ Für Baumeister ist das Wissen rund um das Thema Wärmepumpen wesentlich – denn nicht jede beliebige Heizung kann angeschlossen werden. Dies ist zugleich auch die Herausforderung des zweiten Marktes neben dem Neubau, der Sanierungsbereich. „Das nachträgliche Installieren einer Wärmepumpenanlage ist möglich, jedoch gibt es Grenzen. Eine wichtige Frage muss zuallererst geklärt werden – z. B. falls das Haus bereits über eine Fußbodenheizung verfügt, stehen wir häufig vor dem Problem, dass die Bodenfläche für einen Flachkollektor zu gering ist. Doch auch da gibt’s eine Lösung – wir können z. B. auch Grundwasser als Wärmequelle verwenden. Wenn dies auch nicht realisierbar ist, empfehlen wir eine ,Tiefbohrung’“, erklärt Schnauer. Für den Baumeister gilt es, das Mauerwerk zu prüfen, ob ein Vollwärmeschutz möglich ist oder die Mauern eventuell dick genug sind. In den Innenräumen müssen großflächige Radiatoren, eine Wand- oder Fußbodenheizung Platz haben.

Platz sparende Erdsonden
Die Wetterexpertin und Hydrogeologin Christa Kummer entschied sich für die Erdewärme-Energieversorgung, da dies für sie die sauberste und umweltfreundlichste Art der Heizenergieversorgung ist: „Ich habe eine Heizung gesucht, die längerfristig am kostengünstigsten kommt und praktisch wartungsfrei ist“, bringt Kummer ihre Entscheidung auf den Punkt. Bei ihrem Grundstück wurde eine 125 Meter tiefe Bohrung durchgeführt. Doch neben dem Einfamilienhausmarkt entscheiden sich auch immer mehr Bauherren größerer Projekte für die Kraft der Erde. Ein aktuelles prominentes Beispiel ist der Uniqa-Tower in Wien, der von Nägele aus Vorarlberg mit Massivabsorbern seine Energieversorgung erhält. Schnauer sieht neben Einfamilienhäuser auch für gewerbliche Immobilien eine absolute Zukunft für Erdwärme-Anlagen. Er selbst hat zwei Straßenmeistereien mit Erdwärme „versorgt“, einige Wohnhausanlagen wie auch ein Pensionistenheim. Die aktuelle Problem diagnostiziert Schnauer eher auf Bauherrenseite: „Das Problem ist, dass viele Bauträger nur billige Wohnungen wollen, wie die Betriebskosten ausschauen, ist den wenigsten ein Anliegen. Hier fehlt noch Bewusstsein. Aufgrund des Energieausweises gibt es vielleicht ein Umdenken.“
Schnauer ist davon überzeugt, dass sich die Tiefenbohrung immer stärker etablieren wird. Allein der Vorteil, mit dem System auch äußerst kostengünstig kühlen zu können, überzeugt immer mehr Bauherren. Dennoch gibt es einen Bereich, der Zukunftsmusik ist: „Es wäre noch interessant, wenn man den Strom, den man zum Betreiben des Kompressors benötigt, durch ein Solarsystem gewinnen könnte. Wir haben solche Anlagen schon errichtet. Wenn hier eine Weiterentwicklung stattfinden würde, dann könnte man jede Wärmepumpe mit Fotovoltaik betreiben. Das wäre ein interessanter Schritt, doch noch ist die Anschaffung der Fotovoltaik für den Verbraucher nicht wirtschaftlich. Wenn die Solarzellen billiger werden würden, könnte man die Anlage mit der restlichen Haustechnik kombinieren“, erklärt Schnauer.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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