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Gegen Pfusch und für Klimaschutz

30.05.2007

Die konsequente Haltung der Bundes­innung Bau gegen die Schattenwirtschaft in Österreich Maßnahmen zu setzen, trägt erste Früchte. Im Rahmen des Projekts Baufair! fordert die Bundesinnung seit einiger Zeit ein Zehn-Punkte-Paket.

Ein Teil des Zehn-Punkte-Forderungspakets zur Eindämmung der illegalen Erwerbstätigkeit ist nun endlich erfüllt. Trotz der erstmals leicht rückläufigen Tendenz werden mit rund acht Milliarden Euro aber nach wie vor 40 Prozent des gesamten schwarz erwirtschafteten Bauvolumens von 21 Milliarden Euro allein im Baubereich umgesetzt. Steuerliche Anreize sollen nun die Schattenkonkurrenz weiter eindämmen und gleichzeitig die thermische Gebäudesanierung im Sinn der EU-Klimaschutzziele ankurbeln.
Bundesinnungsmeister Johannes Lahofer ist begeistert über den wichtigen Teilerfolg der Aktion Baufair! und freut sich über die vor wenigen Tagen erfolgte Einigung der Sozialpartner zur Anmeldung von Beschäftigten vor Arbeitsantritt. Damit wurde eine langjährige Forderung der Bundesinnung Bau endlich umgesetzt. Lahofer betont, dass auch die „schwarzen Schafe“ in den eigenen Reihen nicht verschont werden.

Gründe für Pfusch

Gravierende Verstöße können Sanktionen bis zum Verlust der Gewerbeberechtigung zur Folge haben. „Die Voraussetzungen für eine nachhaltige Bekämpfung von Scheinfirmen sind merklich besser geworden. Dringender Handlungsbedarf besteht bei der Steuer- und Förderpolitik. Dabei sehen wir die Chance, durch Lenkungsmaßnahmen sowohl den illegalen Bauleistungen entgegenzuwirken als auch angesichts der Kioto- bzw. EU-Klimaschutzziele neue Anreize zur Energieeinsparung durch thermische Sanierung zu schaffen. Diese Synergieeffekte vor Augen, muss die Regierung nun rasch weitere Schritte setzen, um den Baupfusch im Vergleich zur offiziellen Bauleistung unattraktiv zu machen. Die in der Koalitionsvereinbarung verankerte Lohnnebenkostensenkung ist eine zur Aufwertung der gewerblichen Bautätigkeit dringend notwendige Maßnahme. Ebenso ist uns die im Baufair!-Projekt geforderte Reduktion des Mehrwertsteuersatzes für Wärmeschutzmaßnahmen ein klimapolitisch zusehends dringliches Anliegen. Was die legale Bautätigkeit fördert, soll auch dem Klimaschutz helfen, und umgekehrt.“
Einer Umfrage zufolge ziehen 80 Prozent (derzeit 26 Prozent) der Hausbauer als Folge einer geringeren Mehrwertsteuer ein gewerbliches Unternehmen „inoffiziellen“ Arbeitskräften vor. „Die Auszahlung von Geldern aus der Wohnbauförderung soll nur für Arbeiten erfolgen, die von dazu befugten Unternehmen erbracht werden. Der Nachweis ist durch Dienstleistungsrechnungen zu erbringen. Damit kann auch verhindert werden, dass die bauseitige Sanierungsoffensive für den Klimaschutz zusätzlich dem Pfusch in die Hände spielt“, erklärt Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer Bundesinnung Bau, der eine Steigerung der Wohnbauförderung von zehn bis 15 Prozent für notwendig betont.
Zur Erreichung der von der Regierung angepeilten thermischen Sanierung aller Nachkriegsbauten bis 2020 ist es unerlässlich, die Wohnbauförderung auch für die Sanierung stärker zu öffnen. Gleichzeitig warnt Lahofer davor, zu früh überzogene Passivhausstandards in den Wohnbauförderbestimmungen der Länder vorzusehen, da dies für die Erreichung der Klimaschutzziele kontraproduktiv sein könnte. Das Regierungsprogramm sieht vor, dass bis 2015 nur noch Passivhäuser eine Wohnbauförderung erhalten.
Johann Holper, Bundesvorsitzender Gewerkschaft Bau Holz, appelliert an die Regierung: „Ein wirkungsvolles Maßnahmenpaket muss eine Aufstockung und Zweckwidmung der Wohnbauförderung und der Klimaschutzinvestitionen bringen. Rund 80 Prozent der Neubauten werden schließlich gefördert errichtet! Es muss zusätzliche Mittel für eine Förderung der klimarelevanten Investitionen im Wohnbau und der Sanierung geben.“
Bernd Lötsch, Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien, plädierte abschließend für eine stärkere Regionalisierung des Bauens als wichtiger Motor für die Energiebilanz und bricht gleichzeitig eine Lanze für den Massivbau: „Man kann nicht im Burgenland das gleiche Passivhaus wie in Wien errichten – die klimatischen Unterschiede sind zu stark.“

Gisela Gary

Artikel aus: bau.zeitung 21/07, S. 12

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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