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Gemeinsam für noch mehr Qualität am Bau

07.02.2006

Über 100 Teilnehmer kamen nach Zürs zur traditionellen Baustudienwoche. Thomas Peter, Geschäftsführer der Landesinnung Bau Vorarlberg, freut sich über das rege Interesse der Besucher: „Die Baustudienwoche ist eine tolle Form des Austausches der Kollegen – hier verbinden wir einmal jährlich Arbeit mit ein bisschen Erholung. Bauunternehmer finden vor Ort Ansprechpartner für ihre Anliegen, aber ebenso können sich diese untereinander austauschen. Wir diskutieren aktuelle Themen – im Zentrum steht jeweils der direkte Nutzen für die Bauwirtschaft.“ Dadurch, dass in Zürs jeweils auch die Landesinnungsmeister-Konferenz stattfindet, ist Vorarlberg einmal im Jahr die Drehscheibe der Entscheidungen für das Arbeitsprogramm des kommenden Jahres. In den Sitzungen der Landesinnungen werden die thematischen Schwerpunkte festgelegt. „Auch die Öffentlichkeitswirksamkeit unseres jährlichen Treffens ist für die Bauwirtschaft selbstverständlich wichtig“, so Peter.
Christian Haidegger, Vorsprung Bau, eröffnete die Vortragsreihe mit einem Appell an die Kollegen: „Mut zur Eigenverantwortung“ lautete sein Vortrag. Haidegger bot auch in seinem zweiten Vortrag, zum Stichwort Mitarbeitermotivation, eine Vielzahl an konkreten Hilfestellungen für Unternehmer. „Die Veränderungen der Arbeitswelt bedingen auch ein Umdenken für Unternehmer, hoch qualifizierte Mitarbeiter sind in der Baubranche unbedingt notwendig. Es gibt auch neue Formen der Zusammenarbeit, neue Erwerbsverhältnisse, das betrifft alle Generationen. Viele Junge entscheiden sich für die Selbstständigkeit.“ Betreffend Mitarbeitermotivation gab Haidegger den Zuhörern vier Schwerpunkte mit: 1. Sorgen Sie für Ziele und Vorgaben, und kontrollieren sie diese auch – Eigenverantwortung ist kein Widerspruch zu Kontrolle. 2. Sorgen Sie für klare Zuständigkeiten. 3. Sorgen Sie für einen klaren Führungs- und Kommunikationsstil. 4. Sorgen Sie für eine gerechte Entlohnung – Geld als Motivationsfaktor wirkt nur kurzfristig, dazu gibt es unterschiedliche Systeme: Gewinnprämien auf Baustelle z. B.

Schreckgespenst Vergabegesetz
Vergaberechtexperte Andreas Kropik erläuterte in seinem Vortrag die Neuigkeiten aus dem Vergabegesetz, das ab 1. Februar in Kraft treten wird. Viele Unsicherheiten sind laut Kropik unbegründet – einige Veränderungen birgen jedoch massiven Sprengstoff und vorprogrammierte Konflikte. (Lesen Sie dazu bitte den ausführlichen Bericht auf Seite 20). Kropik ging auch auf die neuen Verfahrensmöglichkeiten ein, die Schwellenwerte, die veränderte Situation betreffend Alternativangebote wie auch die Methoden im Umgang mit Subunternehmern.
Johannes Lahofer, Bundesinnungsmeister Bau, warf einen Blick auf das Bauwirtschaftsjahr 2005 und gab einen Ausblick auf 2006: „Wir können stolz sein, der Bauwirtschaft geht es im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr gut. In Summe sind wir sehr erfolgreich unterwegs.“ 2005 erwirtschaftete die Bauwirtschaft Österreichs 27,60 Milliarden Euro, inklusive Baunebengewerbe. Die Prognosen für 2006 klingen ähnlich positiv. Das Plus im Tiefbau wird sich weiter als stabiles Standbein fortsetzen. Darüber hinaus freute sich Lahofer, dass kaum eine Sparte 2005 negativ abschloss. Den Wohnungsbau bezeichnete Lahofer als wichtigen Bereich für Baumeister – immerhin wurden 2005 an die 43.000 Einheiten neu gebaut, „der Bedarf lag allerdings bei 45.000“. Auch bezüglich der Errichtung von Einfamilienhäusern zeichnete Lahofer ein positives Bild, er warnte jedoch davor, den Markt aus der Hand zu geben – Baumeister müssen sich gegen Fertighäuser mit Topqualität behaupten: „Wir müssen auch schlüsselfertig anbieten! Unsere Zusagen müssen verbindlich sein, sonst werden wir Verluste durch den Fertighausmarkt erleiden.“

PPP-Modelle forcieren
Im restlichen Baugeschehen zeichnet sich eine deutlich verbesserte Auftragslage ab, gestärkt vor allem durch den Industriebau in Wien und Niederösterreich und durch Neubauten und Sanierungsaufträge. Der Bürowohnbau entwickelt sich schleppend, im sonstigen Hochbau sieht Lahofer Private-Public-Partnership-Modelle (PPP) als zukünftig Erfolg versprechend: „Gewerbeunternehmen müssen als Argen auftreten – nur so haben wir gegen die Industrie Chancen. Die Angst vor Argen ist völlig unbegründet. PPP-Modelle werden auch von der öffentlichen Hand immer stärker forciert. Die heimische Bauwirtschaft wird von Klein- und Mittelunternehmen getragen. Durch das Vergabesystem und den verschärften internationalen Wettbewerb ist es für Kleine nicht einfach.“

Sanierungspotential im Osten
Massives Auftragspotenzial sieht Lahofer im Sanierungsbereich, aber auch im Tiefbau, der als starke Schiene nicht zuletzt auch aufgrund der Anbindungen an die neuen Ostländer zulegt. Die neu zur EU hinzugekommenen Länder müssen vom Baugewerbe auch als Chancenmärkte erkannt werden. „Wir haben gute Kontakte zu den Ländern, doch wir versäumen Potenziale. Es gibt Probleme mit den Lohnkosten – aber dennoch, z. B. viele Plattenbauten werden saniert, eine Menge Arbeit wartet hier. Wir Baumeister müssen auf diese Märkte mit unserem eigenen Kapital gehen“, motivierte Lahofer.
Als besonders erfreulich betonte Lahofer die österreichweit gestiegenen Lehrlingszahlen, „denn ohne Lehrlinge werden uns in Zukunft die Facharbeiter fehlen“. Immerhin stieg die Zahl der Auszubildenden von 2004 um sechs Prozent auf 2005. Mit der Lehrlingsprämie wird doch ein beträchtlicher Teil der Kosten für den Ausbildner abgefangen. Um die Arbeitslosenzahlen-Schwankungen zu verringern, will Lahofer eine Jahresbeschäftigung am Bau andenken – im Sommer muss mehr gearbeitet werden, die Winterarbeitslosigkeit muss reduziert werden. Eine Möglichkeit dafür ist die Weiterbildungsschiene mit Lehrgängen wie dem Projektmanagement Bau in auftragsschwachen Zeiten zu nützen. Mit Qualität und Kompetenz punkten lautet das Erfolgsrezept als Botschaft der Baustudienwoche in Zürs am Arlberg. Kompetenz untermauert die Kampagne Bau massiv, die Vorteile des massiven Bauens müssten noch stärker forciert werden. Die Aktion Bau fair, eine Initiative gegen den Pfusch am Bau, wird heuer ebenso weiterlaufen.
Herbert Sausgruber, Landeshauptmann von Vorarlberg, betonte in seinem Vortrag – zugleich als Schlusspunkt der Zürser Baustudienwoche – die enorme Bedeutung der Bauwirtschaft Österreichs und die Sonderstellung Vorarl-bergs: „Wir haben in der Region durch die EU eine stark entwickelte Außenwirtschaft. Der Wertschöpfungsbeitrag liegt bei über 50 Prozent. Wir hatten bessere Chancen, denn wir waren nie von Grenzen umschlossen.“ Als wesentlichen Wettbewerbsvorteil sieht Sausgruber die Weiterbildung – ohne Qualifikationen sinkt die Marktfähigkeit rapid. Sausgruber betonte betreffend Vergaberecht, dass zu viel Spielraum wiederum eine Gefahr für die Qualität ist – denn oftmals entscheiden Beamten. „Der schnellere, stärkere gewinnt, jener, der sich durchsetzt. Die Bürokratie kann die Schwachen schützen und überwachen“, so Sausgruber.
Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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