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Geplant, gesteuert und kontrolliert

27.05.2009

Sichtbeton herzustellen stellt hohe Anforderungen an die damit befassten Projektbeteiligten sowie an die Produktionsfaktoren. Effiziente Kombination von Arbeit, Geräten und Material sind eine Erfolgsvoraussetzung.

In einem zweitägigen Seminar zur Steigerung des Verständnisses und der Qualität im Zusammenhang mit Sichtbeton wurde an der TU Graz mit Planern, Ausschreibenden, Ausführenden und Bauaufsicht diskutiert. Wenn Regelwerke Vertragsgegenstand sind, bestehen häufig Unklarheiten über die Auslegung einzelner Inhalte bzw. Begriffe. Christian Hofstadler, TU Graz, erklärte die Interpretation der Inhalte der ÖNorm B 2211. Weiters gab es einen Ausblick auf den Entwurf der neuen ÖNorm B 2211.

Christoph Motzko, TU Darmstadt, zeigte positive und negative Beispiele für Ausschreibungen von Sichtbeton. Anhand von konkreten Beispielen zu Ausschreibungstexten zeigte er zu vermeidende Formulierungen auf. In den Ausschreibungen sollte auf nicht erfüllbare Forderungen verzichtet werden. Zu diesen zählen unter anderem: einheitlicher Farbton, gleichmäßige Porenstruktur, porenfreie Betonflächen, absatzfreie Betonflächen, keine Ripplings bei Ersteinsätzen von bestimmten Schalungshauttypen aus Holz- und Holzwerkstoffen.

Eine eindeutige und vollständige Leistungsbeschreibung hat wesentlichen Einfluss auf die Qualität und die Kosten. Falsche oder unzureichende Beschreibungen können qualitativ zu schlechten Sichtbetonergebnissen führen; lückenhafte Leistungsbeschreibungen bieten Potenzial für Mehrkostenforderungen. Anton Schieder thematisierte die wesentlichen Anforderun-gen an die Leistungsbeschreibung und stellte dazu wesentliche Inhalte des Bundesvergabegesetzes und der ÖNorm A 2050 vor. Auch Erkenntnisse zur vorvertraglichen und vertraglichen Prüf- und Warnpflicht wurden behandelt. Abschließend wurde auf die Gewährleistungsbestimmungen und die damit zusammenhängenden Fragen wie Mängelfeststellung, Mängelbewertung, Unregelmäßigkeiten im Erscheinungsbild etc. eingegangen.

Übernahme von Sichtbeton

Die Übernahme von Sichtbeton verläuft in der Regel nicht reibungslos, denn durch fehlende oder unzureichende Beurteilungskriterien im Bauvertrag entstehen meist Probleme. Motzko stellte die Übernahme als komplexen Vorgang dar. Wesentliche Voraussetzung für Sichtbeton ist eine geeignete Betonrezeptur. Bei der Erstellung des Rezeptes sind Anforderungen an die Bauteile, jahreszeitliche Einflüsse und auch die Bauteilgeometrie zu berücksichtigen. Roland Travnicek zeigte die Verantwortlichkeiten der Beteiligten auf. Weiters stellte er geeignete Betonsorten für Sichtbeton nach ÖNorm B 2211 und nach der Richtlinie Geschalte Betonfläche vor. Anhand von Beispielen wurden Fehler an Sichtbetonoberflächen und deren Ursachen dargestellt und diskutiert.

Entwicklungspotenzial nützen

In jeder Sichtbetonphase steckt noch Entwicklungspotenzial für die Verbesserung der Abläufe der finalen Sichtbetonqualität, dessen Höhe vom vorhandenen technologischen und handwerklichen Wissen abhängig ist. Motzko und Hofstadler stellten für Planung, Ausschreibung, Arbeitsvorbereitung und für die Bauausführungen mögliche Verbesserungsmaßnahmen vor. Besonders Schulungsmaßnahmen für alle Beteiligten stellen kostengünstige und rasch greifende Verbesserungsmaßnahmen dar. Hohes Potenzial wird außerdem in der Koordination der einzelnen Beteiligten und Prozessstufen gesehen.

Gisela Gary

aus: bauzeitung 21/09, S. 13

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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