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Gerüstet gegen Betrug

30.09.2011

Viele kriminelle Machenschaften gegen das eigene Unternehmen bleiben unerkannt und werden nicht angezeigt. Fünf Fragen und ihre Antworten, die die Achtsamkeit im Unternehmen einfach und schnell erhöhen. 

Auch wenn heute meist über Datendiebstahl – Kundendaten, Pläne, Kalkulationen – und Entführung von Unternehmens-Know-how die Rede ist, bleiben die Klassiker des Verbrechens am Bau andere. Ein Sackerl Zement, eine geborgte Maschine nach Arbeitsschluss oder eine Palette Holz sind kleine – und zumeist geduldete – Übertretungen von Moral und Gesetz. Neben falschen Spesenabrechnungen fügen sich dann noch Korruption und Bilanzbetrug dazu.

Fünf Fragen und ihre Antworten, die dem Unternehmen Betrugsfälle ersparen, die Ansehen und Wert der Firma rasch sinken lassen können. 

Frage 1: Wer wird kriminell?
Verschiedene Studien kommen zu einem ähnlichen Ergebnis: Der Wirtschaftskriminelle ist besonders unauffällig. Er lebt in geordneten Familienverhältnissen, seine Wohnumgebung ist unauffällig, und er hat Geldprobleme. Nach einer Studie von KMP ist der Täter männlich, zwischen 35 und 55 Jahre alt, handelt allein und ist bereits drei bis zehn Jahre im Unternehmen. In der Unternehmenshierarchie sind Vergehen nicht bei den Top-Managern und nicht bei den Mitarbeitern zu orten. Denn fast die Hälfte der kriminellen Handlungen begeht der „white collar crime“, übersetzt: der Weißkragen-Kriminelle oder das obere Management. Das mittlere Management ist für ein weiteres Viertel verantwortlich. Und den Rest teilen sich Top-Manager und Mitarbeiter. Bei Mitarbeitern, die kurz vor der Entlassung stehen, steigt die Versuchung.

Frage 2: Warum wird jemand kriminell?
Kurz gesagt: Es ist das Geld. Wenn Kreditraten über den Kopf wachsen oder die dritte Luxusyacht angeschafft werden will, ist der Schritt ins kriminelle Verhalten klein. Persönliche Habgier bleibt die treibende Kraft. Gelegenheit, Ehrgeiz und persönliches Laster sind andere, aber weit abgeschlagene Gründe.
 
Auch das Unternehmensumfeld spielt hier mit: Je größer ein Unternehmen ist, desto höher ist das Potenzial krimineller Handlungen, weil Strukturen weniger durchschaubar und interne Kontrollen schwieriger sind. Unternehmen mit zahlreichen Kunden, hohen Bargeldbeträgen und auf Markterschließungskurs sind ein Nährboden für jene, die sich bereichern wollen.

Frage 3: Was ist kriminell?
Die Antwort wäre einfach, würde es sich um klare Gesetzesüberschreitungen handeln. Im Grundprinzip handelt es sich bei Wirtschaftskriminalität um Schaden, der dem Unternehmen zugefügt wird, kombiniert mit persönlicher Bereicherung.

Doch wenn die Sekretärin Schreibstifte für ihre Kinder mitnimmt, ist das zwar moralisch bedenklich, aber kein Fall für das Gericht. Wenn der Projektleiter mit dem Auftraggeber Essen geht und ein gutes Verhältnis mit der Subfirma kultiviert wird, ist ein Verbrechen nicht erkennbar. Sind Mitarbeiter mit Auftraggebern verwandt, dann ist die Sache heikel und braucht besonders klare Regeln.

Dieser Graubereich macht die Beantwortung der Frage schwierig. Es fängt an mit kleinen Geschenken, Einladungen zum Essen und geht dann bis zum Bau der Ferienwohnung.

Frage 4: Was tun bei einem Verdacht?
Drei von vier Fällen von Wirtschaftskriminalität werden durch externe oder interne Kontrollen aufgedeckt. Doch ein Verdacht, der sich als falsch herausstellt, schadet dem Betriebsklima sehr. Unauffällig genau prüfen ist eine Vorgehensweise, die aus einer Mücke noch keinen Elefanten macht. Helfer von außen wie Sachverständige, Wirtschaftsprüfer oder Detektive können sehr diskret vorgehen. Kleine Fälle sollten intern geregelt werden. Der Chef handelt eine Wiedergutmachung aus und kündigt den Mitarbeiter. Bei Verbrechen, bei denen es um viel Geld geht – Preisabsprachen, Korruption –, ist eine Anzeige der einzig richtige Weg.

Frage 5: Wie schützt sich ein Unternehmen?
Achtsamkeit ist die erste und beste Strategie. Doch bei größeren Unternehmen braucht es mehr. Der oberste Manager, der Firmenchef oder Boss muss den Ethik-Code vorleben und bei Überschreitungen schnell und konsequent reagieren. Klare Richtlinien machen allen Mitarbeitern transparent, was passiert, wenn die Grenze überschritten wird. Verwarnungsregeln und klar ausgesprochene Konsequenzen wie ein Gespräch mit dem Abteilungsleiter, ein Gespräch mit dem Vorstand, Kündigung und Anzeigen sollen nicht nur angedroht, sondern auch durchgeführt werden. In den Ethikrichtlinien haben ganz simple Grundsätze Platz, die etwa in der Angebotsphase einen Kontakt mit dem Auftraggeber verbieten, außer es ist ein Zweiter dabei oder informiert.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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