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Gesundheitsförderung - Die wahren Helden am Bau

13.09.2006

Das niederösterreichische Projekt „I bau auf mi“ ist das erste Modellprojekt „Betriebliche Prävention und Gesundheitsförderung“ für die Baubranche. Erste Erfolge zeitigt das Konzept bereits.

Das Sicherheitsbewusstsein in der Baubranche steigt. Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen wie auch ein verstärktes Augenmerk auf die Gesundheit jedes einzelnen Bauarbeiters sind noch nicht durchwegs selbstverständlich. Das erste Modellprojekt mit dem Titel „Betriebliche Prävention und Gesundheitsförderung“ motiviert nun die Baubranche zu einem Plus an Sicherheit. Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber profitieren von diesem Gesundheits- und Sicherheitskonzept. Neue Sicherheitskurse für Baupoliere und eine Erweiterung der AUVA-Mappe „Sicherheit am Bau“ sind nun die ersten Praxisauswirkungen von „I bau auf mi“. „Die AUVA-Landesstelle Wien überprüft und unterstützt laufend neue Ansätze in der Prävention. Die Erkenntnisse des niederösterreichischen Modellprojekts „I bau auf mi“ werden in unsere Unfallverhütungsprogramme für den Bau einfließen“, erklärt AUVA-Projektleiter Manfred Albich.

Das BGF-Modellprojekt „I bau auf mi – ess g'scheit und schau auf mi“ wurde vom AMZ® Arbeits- und sozialmedizinisches Zentrum Mödling gemeinsam mit Vertretern der AKNÖ im Jahr 2004 entwickelt. Ziel war es, Mittel und Wege für eine gesündere Ernährung der Bauarbeiter und ein größeres Sicherheitsbewusstsein in der Baubranche zu bewirken.
Die AUVA-Landesstelle Wien hat dazu im Vorfeld des Modellprojektes eine Befragung von 3.000 niederösterreichischen Bauarbeiter zur Ernährungssituation, zum Umgang mit der persönlichen Schutzausrüstung und zur Bereitschaft zur Teilnahme an Gesundheitsaktivitäten durchgeführt. Der Projektstart erfolgte im März 2005, diese Tage wurde das Projekt beendet. 90 Prozent der Projektkosten finanzierten die AUVA-Landesstelle Wien und der Fonds Gesundes Österreich. Weitere Unterstützung kam von der Arbeiterkammer Niederösterreich, den teilnehmenden Bauunternehmen, der Wirtschaftskammer Niederösterreich, der Gewerkschaft Bau-Holz, vom Bauarbeitsinspektorat und der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse.

Nachdenkprozess gestartet

Das Projekt lief bis Sommer 2006 auf vier Baustellen in Niederösterreich: bei der Baufirma J. Fuchs GmbH im Auftrag der Baugenossenschaft „Neue Heimat“ mit dem Altstadtsanierungsprojekt Döttelbachsiedlung in Wiener Neustadt, der Baufirma Karl Seidl GmbH, ebenfalls im Auftrag der Baugenossenschaft „Neue Heimat“ mit der Wohnhausanlage Adolf-Schärf-Straße in Guntramsdorf, der Alpine Mayreder – Universale Hochbau mit der Wohnhausanlage Withalmstraße in Wolkersdorf und der Alpine Mayreder-Tiefbau mit Straßenbaustellen im Bezirk Mistelbach.

Sicherheits- und Gesundheitszirkel direkt auf den Baustellen sind ein Kernelement „Betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF)“ und spielen eine wichtige Rolle als Katalysator, um einen Nachdenkprozess in Gang zu bringen. Das Projektteam des AMZ®, unterstützt von der Ernährungswissenschafterin Verena Rainer und Gernot Loitzl, BGF-Moderator, analysierten dabei die Ernährungssituation auf der Baustelle und erarbeiteten wertvolle Tipps für Bauarbeiter wie auch deren Arbeitgeber. Weiters wurde eine Schulung der Wahrnehmung der Bauarbeiter durchgeführt, um eine potenzielle Unfallgefahr – zum Beispiel durch Analyse von Arbeits- und Beinaheunfällen. Damit konnte der Gedanke der Unfallverhütung etabliert werden. Ein Ziel war ebenso, dass die Arbeiter den Nutzen der ihnen zur Verfügung gestellten, persönlichen und technischen Schutzausrüstung erkennen und sie auch verstärkt verwenden.

Erste Erkenntnisse

Bauarbeiter sind die wahren Helden des Alltags: sie nehmen berufsbedingte Belastungen wie schwere körperliche Arbeit, Hitze, Staub, Lärm, und schlechte Wetterbedingungen mehr als andere Berufsgruppen als gegeben hin. Eine wichtige Erkenntnis aus dem Projekt war unter anderem, dass Catering mit warmem und gesundem Essen auf Baustellen prinzipiell machbar ist. Mit dem St. Pöltener Cateringspezialisten Gourmet konnte ein Partner gefunden werden, der bereit war, Essen speziell für Bauarbeiter gesund (= höher Kohlenhydrate-Anteil, kleiner Fleischanteil) weiterzuentwickeln.
Auf eine Projektbaustelle in Wolkersdorf werden seit einem Jahr „gesunde“ und trotzdem kostengünstige Mittagsmenüs um drei bis fünf Euro geliefert. Die Arbeiter wollen auch nach Projektende diesen Service.
„Die AUVA-Landesstelle Wien will so früh wie möglich ansetzen, um gesundheitliche
Schäden durch die Arbeit am Bau zu verhindern. Eine „Betriebliche Gesundheitsförderung“, die zur konstruktiven Auseinandersetzung mit den Auslösern von Unfällen und Berufskrankheiten der Bauarbeiter führt, kann bei der Prävention helfen. „I bau auf mi“ hat den Grundstein gelegt, auf dem weitere Projekte der Plattform Betriebliche Prävention und Gesundheitsförderung aufbauen können. Wir schätzen, dass allein in Niederösterreich gut 20 Prozent dieser Unfälle längerfristig vermeidbar sind“, ist Johann Kaiser, Direktor der AUVA-Landesstelle Wien, überzeugt.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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