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Gewaltige Dimensionen

05.11.2010

Die USA sind für Liebherr ein bedeutender Markt. Maschinen mit gewaltigen Ausmaßen sind in dem Land mit den ungeahnten Möglichkeiten im Einsatz – auf europäische Qualität wird dabei gern vertraut.

Die USA sind für das deutsche Familienunternehmen Liebherr ein kleiner, aber umsatzstarker und bedeutender Markt. Trotz angespannter Wirtschaftssituation kann der Baumaschinenexperte auch in den Staaten auf eine gute Auslastung verweisen. Denn vor allem in ihrer Kernkompetenz sind sie offensichtlich unschlagbar. Duane Wilder, Liebherr Construction Equipment, USA, betont, dass die Verkaufszahlen jedoch insgesamt stark zurückgegangen sind: „Laderaupen sind vermutlich das Produkt, das am engsten mit der Wohnbauindustrie verbunden ist, doch gerade hier gab es in den USA einen starken Einbruch. Aber auch der Wert gebrauchter Maschinen sank drastisch, als Kreditgeber viele Maschinen im Rahmen von Zwangsvollstreckungen erwarben. Dieser Rückgang in den Preisen von Gebrauchtmaschinen machte neue Maschinen noch weniger erschwinglich. Selbst bei den Ersatzteilen hatten wir ein Minus um rund 30 Prozent zu verzeichnen.“

Wilder ist dennoch davon überzeugt, dass es heuer – im Vergleich zu 2009 – einen mäßigen Aufschwung in den USA geben wird: „Für unser Geschäft liegen die Erwartungen im Bereich von zehn Prozent – für 2011 wird es wieder eine Steigerung von rund zehn Prozent geben.“
Winfried Böhm, Mitglied des Direktoriums Liebherr, rechnet für die gesamte Firmengruppe Liebherr für 2010 mit einer Umsatzsteigerung von rund sechs Prozent: „Dabei wird das Wachstum hauptsächlich vom Baumaschinenbereich getragen. Hier erwarten wir derzeit einen Umsatzzuwachs von über zehn Prozent.“ Dieser Aufschwung ist nicht zuletzt auf die beiden Segmente Erdbewegung und Mining – Bergbau, Steinbruch und Minen – zurückzuführen.

Standbein Mining
Liebherr bietet zurzeit acht Mininggeräte, Hydraulikbagger mit Einsatzgewichten von 100 bis 800 Tonnen an. Der Muldenkipper T 282 C ist der zurzeit weltweit größte Muldenkipper. Der Muldenkipper wurde im Jänner auf der bauma in München erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Diese Spezialbaumaschinen werden in Newport News, USA, Colmar, Frank­reich, Biberach, Deutschland, und in Guaratinguetá, Brasilien, hergestellt. Joachim Janka, Liebherr Mining, erklärt die Konsequenzen durch die Finanzkrise: „Einerseits waren wir mit der Herausforderung konfrontiert, unsere Standorte trotz der drastisch gesunkenen Nachfrage zu erhalten, andererseits bot diese Situation aber auch eine gute Chance, die geschäftlichen Strukturen zu konsolidieren, um besser für die Anforderungen der Zukunft gewappnet zu sein.“

Aber auch im Fertigungsprozess wurden effizienzsteigernde Maßnahmen getroffen: Bis dato wurde jeder Muldenkipper am Ende der Fertigungsstraße vollständig montiert und getestet, bevor er für die Auslieferung wieder demontiert wurde. Jetzt werden die Muldenkipper nicht mehr vollständig montiert, sondern für den Härtetest der Semi-Knockdown-Prozess angewendet, bei dem der Praxis­einsatz auf den entscheidenden Truckteilen simuliert wird.
Bei einem exklusiven Besuch auf dem Testgelände für Mining-Muldenkipper in Emporia, Virginia, zeigte der T 282 C sein Können. Sicherheit wird in den USA großgeschrieben, Helm, Warnweste, Schutzbrillen wie auch mit Stahlkappen verstärkte Schuhe sind die verpflichtende Ausrüstung für alle Besucher. Die Spannung steigt – von weitem schon hört man das Brummen des Riesenmuldenkippers. „Dieser Truck beinhaltet eine Vielzahl an Verbesserungen, die eine weitere Steigerung der Zuverlässigkeit bewirken. Die Nutzlast liegt bei 363 Tonnen – neu ist das von uns selbst entwickelte Antriebssystem Litronic Plus“, erklärt Bernd Vorhoelter, Liebherr Mining. Der Truck kurvt und schaukelt über künstlich aufgebaute Hindernisse – voll beladen – und verliert kein bisschen die Spur oder gar etwas von der aufgeladenen Erde.

Bernd Haase, für den Vertrieb Liebherr USA verantwortlich, verrät das Erfolgsgeheimnis des gewaltigen Muldenkippers: „Wir waren weltweit die Ersten, die einen Muldenkipper mit einer Ladekapazität von rund 363 Tonnen anbieten konnten. Womit wir uns der Anforderung der Kunden, Fördermaterial zu den geringsten Transportkosten pro Tonne bewegen zu können, näherten.“

Spektakulärer Schrottplatz
Der nächste Tag führte zu einem Metallschrott-Recyclingbetrieb. Das Besondere hier ist, dass sich der Geschäftsführer des Unternehmens klar gegen den Mitbewerb, sondern für Liebherr-Spezialgeräte entschied, da er seine tägliche Arbeit nur mit der Qualität und vor allem den Support durch Liebherr als gewährleistet erkannte. In den USA ticken die Umweltuhren etwas anders als in Europa. Hier werden Autos, Lastwägen, Anhänger, aber auch Kühlschränke, Waschmaschinen und sonstige metallische Geräte von Privaten zu sogenannten Schrottdealern als auch Unternehmen gebracht, werden dort gewogen, und der Kunde erhält von dem Reyclingbetrieb Geld dafür. Ein Auto bringt rund 200 Euro. Mit speziellen Anbaugeräten wie einem Greifer oder einer Schere werden die zu verschrottenden Teile spektakulär zerkleinert, bevor sie über das Förderband in die Recyclinganlage laufen.

Sorgfältige Sortierung
Selbstverständlich, so bestätigt Bill Wright, werden sämtliche Giftstoffe zuvor entfernt, Metall von Nichtmetall fein säuberlich getrennt. Akquirieren muss Wright kaum, denn die Kunden für seinen produzierten „Metallschrott“ sind quasi fix – metall- und stahlerzeugende Unternehmen sind seine Abnehmer.
Die Verwertung der alten Metallteile liegt bei nahezu 90 Prozent – ein gutes Geschäft für das den Metallschrott-Recyclingbetrieb führende Unternehmen Conservit. Der für die Stahlerzeugung nicht zu gebrauchende Rest des verschrotteten Materials wird auf Deponien als schützende Zwischenschicht verwendet.

Für den Europäer verwirrend ist trotz der Meldungen über den Einbruch der Bauwirtschaft in den USA die Vielzahl an Baustellen – wobei es sich vielerorts um Straßenbaustellen handelt. Eine aktuelle Baustelle ist der U-Bahn-Bau mitten in Washington. Hier werden nach der neuen österreichischen Tunnelbauweise, der NATM, zwei Tunnel für eine U-Bahn als Verbindung zum Flughafen errichtet. Insgesamt umfasst das Projekt 37 Kilometer mit elf neuen Stationen. Das Bauunternehmen vertraut dabei auf Easymix 1.0, die hochwertigen Spritzbeton für das Dulles-Metrorail-Projekt liefert. Dominic Cerulli, Tunnel-Manager des Bauunternehmens, erklärt seine Entscheidung: „Das Projekt erforderte eine mobile Anlage mit einer kleinen Stellfläche und einem Mischer, der eine hochwertige Mixtur erzeugt. Die Easymix ist zudem darauf ausgelegt, Transport- und Installationskosten zu minimieren – und daher für uns die ideale Lösung, weil hier die Betonherstellung eine besondere Flexibilität erfordert.“ Simon Riedmüller, Liebherr Beton, ist vor Ort Ansprech- und Servicepartner des amerikanischen Bauunternehmens. Der Ausbau der ersten Projektphase begann 2009 und soll bis 2013 fertiggestellt werden.
Liebherr ist hier qualitativ extrem gefordert, beauftragt ist die Errichtung eines Zwillingtunnels mit einer Gesamtlänge von 518 Meter.

Gemäß Projektplanung muss ein Vortrieb von rund 13 Meter pro Woche geschafft werden. Nur mithilfe der NATM kann das Verhalten der Felsmassen und die Belastung systematisch überwacht werden. Je nach Gesteinsverhältnissen wurden Stahlträger im Abstand von 91 Zentimeter zur Aussteifung des Tunnels während der Bauphase eingebaut. Der Bereich zwischen den Stahlträgern wird zur Stabilisierung des Tunnels mit einer speziellen Spritzbetonmischung mit Mikrosilika und Stahlfasern beschichtet. Aufgrund der zentralen Lage der Baustelle ist jedoch nur eine maximale tägliche Produktionskapazität von rund 109 Kubikmeter möglich. Doch Easymix schafft die geforderte Menge – der Winter naht, auch dafür wurden bereits Vorkehrungen getroffen: Warm eingepackt thront nun die Betonmischanlage auf der Baustelle, weithin gut sichtbar, mitten in Washington.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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