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Gute Ideen – starke Zukunft

10.09.2010

Christian Weinhapl, Geschäftsführer der Wienerberger Ziegelindustrie, über seine neuen Aufgaben, die ­notwendigen Innovationen der Bauindustrie und über die Zukunft der österreichischen Bauwirtschaft.

Seit 1. Juli ist Christian Weinhapl Gesamtgeschäftsführer der Wienerberger Ziegelindustrie Österreich. Wienerberger hat wie viele Unternehmen gravierende Schrammen durch die Wirtschaftskrise abbekommen. Einige internationale Standorte mussten geschlossen, Mitarbeiter abgebaut werden, ein deutlicher Umsatzrückgang verkraftet werden.

Die Wirtschaftskrise ist nicht wegzudiskutieren. Jedoch unabhängig davon: Gibt’s Versäumnisse der Vergangenheit, die Sie nun erkennen?
Weinhapl: „Nein, aber Verbesserungspotenziale erkennt man im Nachhinein immer. Unser Ziel ist, dass wir in allen Bereichen noch besser werden. Wir haben z. B. erkannt, dass wir unser Geschäft selbst entwickeln müssen. In dem Zusammenhang müssen wir dahinter sein, dass wir ein noch viel intensiverer Partner der Bauträger werden. Das bedeutet, von Anbeginn bei den Projekten mit eingebunden zu sein.“

Inwiefern hat die konjunkturelle Situation den Konkurrenzkampf am Ziegelmarkt verschärft?
„Wir mussten in Österreich zwei Standorte schließen. Der Konkurrenzkampf hat sich massiv verschärft – vor allem auch vor dem Hintergrund, dass die Baubewilligungen nach wie vor rückläufig sind.

Für uns gibt es natürlich auch einen Unterschied zwischen Baubewilligung und Baubeginn wir machen unser Geschäft erst, wenn gebaut wird. Auf der anderen Seite sind aber auch die Exportmöglichkeiten für Österreich stark zurückgegangen.“


Welche Produkte von Wienerberger haben die Krise gut überstanden?

„Sehr zufrieden sind wir mit der Entwicklung der Planziegel. Der Start 2008 mit dem Dryfix-System hat sich als voller Erfolg erwiesen – mehr als ein Drittel der Planziegel verkaufen wir in der Dryfix-Qualität. Der Baumeister hat einfach weniger Arbeit mit dem System, und das ist das überzeugende Argument. Beim Stichwort Effizienzsteigerung für das Baugewerbe sehen wir auch in der Zukunft unsere Chance – wir entwickeln uns aufgrund unserer Topqualität. Erfreulich ist auch die Entwicklung bei den 50-Zentimeter-Ziegeln. Die einschalige Wand hat eigentlich an Bedeutung verloren. Mit dem 50 Hi haben wir ein Produkt, mit dem wir nahe an der Passivhausqualität bauen können. Die Bauherren haben erkannt, sie müssen bei einem 25er-Ziegel auch 20 Zentimeter Dämmstoff anbringen, um den erforderlichen Wärmeschutz zu erreichen – damit sind sie vom 50er nicht mehr weit entfernt.“


Wienerberger ist auch im Osten gut vertreten – wo liegen die Hoffnungsmärkte? Drängt die Konkurrenz mit Billigziegeln auf den heimischen Markt?
„Die Durststrecke müssen wir auch in den Oststaaten durchstehn. Alle warten gespannt, wann sich der Markt erholen wird. Für uns sind alle Oststaaten nach wie vor Hoffnungsmärkte – denn der Wohnungsbedarf ist enorm, nur gibt es zurzeit kein Geld. Natürlich liebäugeln viele ausländische Produzenten nach Österreich. Doch es geht nicht nur um den Preis, es geht um die technische Betreuung, die Beratung, die Anwendungsdetails, die Betreuung der Baustelle vor Ort – die erhalten Bauherren in hoher Qualität von uns, das sind unsere Wettbewerbsvorteile.“


Die Bauwirtschaft leidet unter schlechten Preisen – und Wienerberger?

„Der Preisdruck ist in allen Bereichen gewaltig. Dem kann man, wie es sich jetzt gezeigt hat, nur mit intelligenten Produkten – eben wie Dryfix – ausweichen.“


Wie sehen Sie die Zukunft der Bauwirtschaft, insbesondere des Baugewerbes?

„Das Baugewerbe wird noch stärker in Richtung Gesamtlösungen anbieten müssen, vor allem im Einfamilienhausbau werden schlüsselfertige Lösungen von den Kunden erwartet. Da hat sich in den vergangenen Jahren aber bereits viel getan. Optimierungspotenzial gibt es sicher in der Wertschöpfungskette auf einer Baustelle – hier sind Effizienzsteigerungen möglich. Aber natürlich ist das Baugewerbe dabei auch von den innovativen Produkten der Bauindustrie abhängig.“ Wie argumentieren Sie, wenn ein Baumeister sagt, Massivbau ist nicht mehr zeitgemäß, nicht mehr notwendig – der Leichtbau schafft inzwischen die gleichen Werte.

„Dem Wettbewerb der Bausysteme müssen wir uns täglich stellen. Es wird immer Kunden geben, die mehr zu dem einen oder anderen System tendieren. Mit Sicherheit ist der Massivbau die nachhaltigste Bauweise – die Wettbewerbsvorteile sind Langlebigkeit, Wertbeständigkeit, Anpassbarkeit des Gebäudes, Fehler verzeihen im Sinne von Schäden, aber auch in puncto Ökologie, Statik, Schall- und Wärmeschutz.“


Kann Wienerberger mit den in den Klimaschutzzielen geforderten Maßnahmen in puncto nachhaltigen Bauens mithalten?
Mit welchen Innovationen dürfen Baumeister in den kommenden Jahren rechnen?
„Wir müssen von dem Kennwert Heizwärmebedarf wegkommen – nur wenn wir den CO2-Ausstoß als Kennzahl verwenden, haben wir ein realistisches Abbild des Energieverbrauchs eines Gebäudes. Wienerberger ist jedoch gut gerüstet – wenn wir an den richtigen Kennzahlen gemessen werden. Wir forschen zurzeit emsig am Verfüllziegel. Der Ziegel wird dadurch zwar teurer, aber dafür spart der Bauherr bei der Dämmung bzw. bei den geringeren Wanddicken. Ein zweites Thema sind Fertigteile – wo wir sehr konkrete Ansätze verfolgen, aber vor dem Frühjahr noch nicht mehr dazu verraten.“

Die Förderung des Neubaus in Österreich wurde zugunsten der Sanierung vernachlässigt – ein politisches Versäumnis, welches sich in der Baustoffindustrie jetzt auswirkt.

Wäre für Sie auch die Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung zielführend?
„Die Wohnbauförderung sollte wieder zweckgebunden eingesetzt werden und darf auf keinen Fall gekippt werden. Gerade jetzt haben sich die bedeutenden Effekte gezeigt, die Wohnbauförderung ist ein wesentlicher Stabilitätsfaktor.“

Konsequenzen aus der Krise – Förderungen als Hemmschuh für Wachstum?
„Ich bin davon überzeugt, dass eine hemmungslose freie Marktwirtschaft auch nicht die Lösung ist – das haben wir letztlich ja jetzt auch bitter erfahren. Der Ansatz, der Markt regelt alles, das geht meiner Meinung nach eindeutig zulasten der sozial Schwächeren. Das Instrument der Förderung ist deshalb enorm wichtig, um einerseits soziale Ausgeglichenheit zu gewährleisten, anderseits aber auch wichtige lenkungspolitische Impulse zu setzen.“


Sie wollen noch mehr Lobbying betreiben – was sind dabei Ihre Schwerpunkte, Ziele und Visionen?

„Auf der europäischen Ebene sind wir sehr gut aufgestellt, den Wohnbau als auch den Ziegelbau betreffend. Entscheidend sind aber – wie auch beim `Netzwerken´ im allgemeinen – die beteiligten Menschen. Unsere Lobbying-Aktivitäten werden in Richtung Absicherung des Neubaus gehen, weiters die Kennzahl CO2 zu etablieren, und in Richtung Bauträger wollen wir das baustoffgerechte Planen vor dem Hintergrund eines nachhaltigen Bauens weiter forcieren.“

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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