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Erwin Platzer, der neue Meva-Geschäftsführer, ist kein Unbekannter in der Branche.

Gutes Geschäft, kleiner Preis

21.08.2017

Umstrukturierungen und der allgegenwärtige Kampf um den Preis bestimmten die ersten Monate von Erwin Platzer als neuer Meva-Geschäftsführer.

Erwin Platzer kennt die Baubranche und ihre Gepflogenheiten gut. Trotzdem musste er sich bei Meva einleben, denn Schalung ist ein komplexes Geschäft. Preisdruck, Digitalisierung und Produktoptimierung gehören zum Alltag.

Sie sind jetzt seit rund drei Monaten Geschäftsführer bei Meva. Haben Sie sich schon eingelebt?
Ja, es wird langsam. Die größte Herausforderung bis jetzt war es, die interne Organisation auf Vordermann zu bringen. Einerseits haben wir neue Leute ins Team geholt und andererseits interne Strukturen verändert. Nach außen hat Meva den Fokus in den letzten Jahren zu sehr auf Großprojekte gelegt und ein bisschen den Blick für die KMU verloren. Da sind wir dabei, das wieder zu ändern.

Sie kommen aus der Zementbranche. Hilft es, wenn man die „andere“ Seite der Nutzung einer Schalung kennt?
Es hilft insofern, dass man die Branche, die Gepflogenheiten und die handelnden Spieler gut kennt. Geschäftlich sind die beiden Bereiche sehr verschieden, die Komplexität von Schalungen ist wesentlich größer. Es geht darum, die richtige Schalung mit all ihren Einzelteilen zur richtigen Zeit in der richtigen Stückzahl auf die Baustelle zu bekommen. Hinzu kommt, dass Schalung zu einem großen Teil ein Mietgeschäft ist, was die Abläufe, speziell bei Großprojekten, nochmals komplexer macht. Ich habe verschiedene Teile unterschiedlich lange auf der Baustelle, das ganze Verrechnungsthema ist wahnsinnig vielschichtig, und dann muss man alles wieder reinigen und reparieren. Es ist also viel umfassender, als Beton oder Zement anzuliefern und einzufüllen.

Der Trend zum Mietgeschäft ist also weiterhin ungebrochen?
Umsatzbezogen hält es sich momentan die Waage, was in Summe aber heißt, dass wir wesentlich mehr vermieten als verkaufen. Im Großobjekt ist dieser Trend auf jeden Fall erkennbar, vor allem wenn es um den Industriebereich geht. KMU hingegen kaufen ihre Grundausstattung an Eigenschalung und mieten dazu, wenn sie ein größeres Projekt umsetzen müssen. Das macht sie wesentlich flexibler. Die Situation, dass heute jemand anruft, um Schalung zu mieten, und morgen hat er sie auf der Baustelle, ist mittlerweile utopisch – vor allem in der aktuellen Auslastungssituation. In Österreich und Deutschland boomt das Geschäft zurzeit, Vorlaufzeiten von sechs Wochen sind nicht nur bei uns normal geworden.

Also kann man davon ausgehen, dass Ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr gut ist?
Wir sind hier auf einem guten Weg. Unser Ziel ist es, ein vernünftiges Betriebsergebnis zu erzielen. Trotzdem muss man festhalten, dass die Preissituation noch immer mehr als schwierig ist. Die Bauindustrie schafft es trotz der Auftragslage einfach nicht, ihre Preise in die Höhe zu bringen, und der Druck wird eins zu eins an die Lieferanten weitergegeben. Dort wo sich der Markt in den letzten Jahren hinbewegt hat, ist ein typisch österreichisches Phänomen: kleiner Markt, wenige Anbieter, aber trotzdem sind die Preise am Boden.

Eine Situation, die die ganze Branche betrifft...
Ja, aber das ist in Wahrheit das Paradoxe. Alle sind extrem ausgelastet, jeder meldet Rekordauftragsbestände, aber keiner ist in der Lage, seine Preise zu erhöhen.

Geht es um die Schalung, muss diese immer leichter, flexibler, billiger und langlebiger werden – ist man da schon am Limit, oder gibt es noch Optimierungsbedarf?
Es gibt immer wieder kleine Dinge zum Optimieren. So haben wir etwa bei unseren Aluschalungen die Rahmen etwas adaptiert, damit diese nun eine Art Haltegriff aufweisen, um sie noch einfacher versetzen zu können. Ebenso kommt man durch die Erfahrungen von Firmen, die unsere Produkte im Einsatz haben, immer wieder auf Kleinigkeiten, die verbessert werden können. Im Großen geht es wie überall um Geschwindigkeit, darum, die Schalung relativ leicht aufbauen und schnell nutzen zu können. Da sind unsere Schalungen gegenüber anderen klar im Vorteil, da vor allem unsere Großflächenschalungen hohen Betondruck aushalten und so schneller befüllt werden können. Wir bringen mit der Mammut XT im Herbst ein innovatives Wandschalungssystem auf den Markt, bei dem an der einseitigen Ankerung gleich drei Ankermethoden ohne Um- oder Anbauten möglich sind. Zudem gibt es keinen Unterschied zwischen Stell- und Schließschalung, was den Aufwand bei Logistik und Vorbereitung verringert. Ebenso wurde die Gelenkflanschmutter an der Stellschalung eingespart, wodurch rund die Hälfte der Ankerteile wegfällt. Auch das weitere Zubehör wurde auf drei Komponenten reduziert, die zusätzlich einen Aufbewahrungsplatz an der Schalung bekommen haben.

Die Mammut XT wurde ja schon auf der Bauma 2016 vorgestellt, warum kommt sie erst jetzt auf den Markt?
Es gab im Laufe des letzten Jahres noch kleinere Korrekturen an Teilen des Systems, damit es so wie versprochen und in gewohnter Qualität funktioniert. Nun sind wir so weit. In Deutschland und der Schweiz ist das Schalsystem schon auf Baustellen im Einsatz, und auch in Österreich warten einige Baufirmen darauf, es endlich selber nutzen zu können.

Ist diese Vereinfachung der Anwendung von Schalsystemen nur dem Wunsch nach Geschwindigkeitsoptimierung geschuldet, oder spielt Fachkräftemangel auch eine Rolle?
Prozessoptimierung spielt auch hier wie überall am Bau eine entscheidende Rolle. Fehlendes Know-how auf den Baustellen ist sicherlich auch ein Thema, wobei wir weit entfernt von einer Schalung sind, die jedermann anwenden kann. Dies eröffnet uns aber auch Chancen, die eigenen Dienstleistungen besser positionieren zu können. Das geht von der kompletten Schalungsplanung bis hin zur Abstellung eines Schalungstechnikers vor Ort. Zusätzlich bieten wir natürlich auch Schulungen für unsere Kunden an, in denen wir ihnen vom Aufbau bis zum kleinsten Detail alles Wissenswerte vermitteln und sie für unsere Produkte schulen.

Wesentliche Themen waren für Meva auch schon immer Absturzsicherung sowie Arbeitssicherheit...
Ja, wir haben beispielsweise ausgereifte Systeme, bei denen die Arbeitsbühnen schon auf der Großflächenschalung montiert sind und man sie nur aufklappen muss. Das Problem ist, dass der Sicherheitsgedanke in manchen Ländern nicht sehr verbreitet ist, und leider gehört Österreich dazu. Gerade weil diese Sicherheitsvorkehrungen nicht zwingend vorgeschrieben sind, sind Firmen immer wieder auf der Suche nach Billiglösungen. In England oder Frankreich brauchen Sie beispielsweise erst gar nicht auf der Baustelle erscheinen, wenn die Schalung keine integrierte Arbeitsbühne aufweist. In Österreich ist man damit eher auf verlorenem Posten.

Woran liegt das?
Es gibt bei uns die entsprechenden Vorschriften einfach nicht.

Fehlt hier der Druck der Baufirmen auf die Politik?
Nein, man müsste bei den Projekten der öffentlichen Hand eine Vorreiterrolle einnehmen und es als verpflichtend definieren. Das Problem dabei ist, dass dies aber etwas kostet und somit jemand bezahlen muss. Wir haben im geförderten Wohnbau festgelegte Bausummen pro Quadratmeter, die seit rund 20 Jahren nicht einmal inflationsangepasst worden sind. Versuchen Sie da einmal über Sicherheit zu reden.

Meva sieht sich ja selbst als Qualitätsanbieter mit Sonderlösungen für technisch anspruchsvolle Projekte – inwieweit erachten Sie 3D-Betondruck gerade im Bereich der Sonderschalungen als Konkurrenz?
Das ist vielleicht ein Zukunftsthema, aber ich glaube nicht, dass wir in den nächsten fünf Jahren darüber nachdenken müssen. Vielleicht kann man Beton schon jetzt drucken, nur: Wie will man die Bewehrung einbauen? Hinzu kommt, dass die Baubranche auch nicht besonders weiterentwicklungsfreudig ist. Natürlich sind Dinge wie Digitalisierung sowie Building Information Modeling (BIM) immer ein Thema. Da bin ich aber auch der Meinung, dass es noch ein wenig dauern wird, bis es wirklich so weit ist. Firmenintern beschäftigen wir uns sehr intensiv mit diesen Themen.

Was bedeutet Digitalisierung für einen Schalungshersteller?
Das Ganze spielt sich mehr in der Planung ab. Wir planen beispielsweise jegliche Schalung nur noch in 3D. Der Kunde bekommt von uns 3D-Pläne und kann daraus einzelne Schalungsteile dreidimensional exportieren, sich diese aufs Handy laden und jederzeit aus jedem Winkel die Schalung betrachten. Geht man nun den Schritt weiter in Richtung BIM, heißt das ja nur, dass diese Modelle noch mit Informationen hinterlegt werden. Welche Teile brauche ich wann auf der Baustelle? Wie lange dauert der Aufbau? Mit welchen Geschwindigkeiten kann ich die Schalung füllen?

Wie weit ist man bei Meva in diesen Bereichen?
3D-Planung können wir uneingeschränkt anbieten, bei BIM sind wir mitten im Prozess. Um diese Abläufe kümmert sich aber hauptsächlich die Zentrale, wo ein Team intensiv an der Umsetzung arbeitet. Speziell aus Ländern wie den Niederlanden wird Druck auf uns aufgebaut, da die Unternehmen dort sehr IT-affin sind und es am liebsten gestern schon flächendeckend genutzt hätten.

Wird die bevorstehende Digitalisierung oder auch BIM das Geschäft nachhaltig verändern?
Das ist etwas, was man momentan noch nicht wirklich beurteilen kann. Noch weiß niemand, was passieren wird, wenn alles in virtuellen Räumen zur Verfügung steht und wie sich das auf den Kontakt mit den Kunden auswirken wird.

Momentan geht man davon aus, dass man vor dem Computer sitzt, sich seine Schalung aussucht, auf einen Button klickt und binnen 30 Sekunden eine Bestätigung bekommt, dass diese auf dem Weg ist.
Ich kann mir vorstellen, dass sich viele das so vorstellen, es funktioniert in der Praxis aber nicht. Ich kann zwar am PC planen und vielleicht noch die Kosten herausfinden, aber ich bekomme nichts auf Knopfdruck. Niemand in der Schalungsbranche hat ein Lager, in dem Teile in der hohen Stückzahl lagernd wären. Dafür ist das Produkt, vor allem im Mietgeschäft, zu arbeitsintensiv: Es muss zurückgebracht, gereinigt sowie repariert werden, bevor es wieder vermietet werden kann. Das braucht Zeit. Hinzu kommt, dass in der Baubranche der Face-to-face-Kontakt wichtig ist und Beziehungen noch einen Wert haben. Geschäfte werden hauptsächlich zwischen Menschen abgeschlossen, nicht per Klick im Internet.

Dennoch wird E-Commerce auch im B2B-Markt immer wichtiger. Wird man Ihre Schalungen schon bald auf Amazon kaufen können?
Es gibt schon jetzt Händler, die kleine Standardelemente online anbieten, und auch Mitbewerber haben ihren eigenen Onlineshop. Das mag für gewisse Teile funktionieren, vor allem wenn man die notwendigen Mitarbeiter dafür bereitstellen kann. Für uns ist ein Webshop momentan kein Thema, obwohl man den Gedanken klarerweise schon länger im Hinterkopf hat. Eines der größten Probleme dabei ist die Logistik. Schalungen kann man leider nicht einfach mit der Post verschicken.

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
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