Direkt zum Inhalt
Beim Umbau der Generali-Arena kamen der Wandschalungsklassiker Manto und die Alu-Moduldeckenschalung Topec von Hünnebeck zum Einsatz.

Harte Schale, sicherer Kern

25.04.2017

Globale Trends, mehr Effizienz auf der Baustelle und infrastrukturelle Herausforderungen: Schalungsexperten setzen neue Impulse am Bau und beeindrucken mit Herzeigeprojekten.

Das Three World Trade Center mit 80 Stockwerken wurde inmitten des ehemaligen Ground Zero mit Schalungslösungen von Doka errichtet.
Beim Northwest Redwater Project in Edmonton (Kanada) unterstützt Peri den Bau der Industrieanlage unter anderem mit effizienter Peri-Up-Gerüsttechnik.

Aus heutiger Sicht wären jährlich 3,3 Billionen US-Dollar bis 2030 nötig, um mit dem Bevölkerungswachstum, der Urbanisierung und dem demografischen Wandel Schritt halten zu können – so eine aktuelle Studie des McKinsey Global Institute. Neben Politik und Wirtschaft ist vor allem auch die Baubranche gefragt: mit einer Produktivitätssteigerung beim Bau von Infrastrukturprojekten. Denn laut Studie entfallen 57 Prozent der Arbeiten am Bau auf nicht wertschöpfende Tätigkeiten. Besonders viel Potenzial ergibt sich dabei durch die Verminderung von Ineffizienzen, Fehlern und Kommunikationsmängeln.

Mehr Digitalisierung

Mittels Digitalisierung kann es zukünftig gelingen, mehr Effizienz in Bauprojekte zu bringen. Schalungsprofi Doka bietet in diesem Bereich mit Concremote ein Tool zur lückenlosen Prozessoptimierung, das bis dato schon bei mehr als 100 Baustellen zum Einsatz gekommen ist. Die Sensorlösung liefert Daten zur Temperatur- und Festigkeitsentwicklung von Beton in Echtzeit und damit entscheidende Informationen für den Bauablauf. So kann die Taktzeit bei der Schalung des Gebäudekerns eines typischen 47-stöckigen Hochhauses um einen Tag verkürzt werden. Das bedeutet eine Produktivitätssteigerung von 20 Prozent. Concremote ist vielseitig einsetzbar – ob bei Temperaturen bis zu minus 40 Grad beim Bau von Muskrat Falls, Kanadas zweitgrößtem Wasserkraftwerk, oder beim Bau des 47-stöckigen Highpoint-Hochhauses in London. Der frühestmögliche Ausschalungszeitpunkt kann so einfach ermittelt werden, damit verringern sich Taktzeiten. Darüber hinaus liefert Concremote Infos über die geplante Betonrezeptur und ihre Eignung für das Projekt. Durch die Übermittlung von Echtzeitdaten werden Erfolge besser messbar und Schalungs- und Ortbetonarbeiten besser steuerbar. Zur Ermittlung werden zwei Sensortypen verwendet: ein kabelloser Deckensensor, der bei Ortbetondecken nach dem Abziehen in den Frischbeton eingesetzt wird, und ein Kabelsensor, der direkt in die Schalhaut der Wandschalung eingebaut werden kann. Die dort gewonnenen Daten werden an das Concremote-Rechenzentrum geschickt, das umgehend zuverlässige und normgerechte Informationen über die Festigkeitsentwicklung des Betons in digitaler Form direkt an die Baustelle liefert. „Die Digitalisierung bietet gleichzeitig der gesamten Branche die Möglichkeit, mittels gestraffter Prozesse und neuer Methoden effizienter und produktiver zu bauen, höhere Margen zu erzielen und die Erträge zu steigern“, sagt Jens Günther, Vorsitzender der Geschäftsführung der Doka Group.

Von Graz bis New York

Wie effizient die Schalungstechnik aus dem Hause Doka ist, wird vor allem durch die vielen internationalen Projekte ersichtlich. Egal ob Graz, New York, Doha oder Kanada: Der Schalungsprofi ist auch international erster Ansprechpartner für hohe Anforderungen. Auch eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte Österreichs wird von Doka begleitet – der Südgürtel in Graz. Auf einer Länge von zwei Kilometern, davon 1,4 Kilometer als Tunnelbauwerk, wird die Straße künftig vierspurig und großteils als Unterflurtasse geführt. Auch bei der Vermeidung von Undichtheit und Rissen bei der Errichtung von Wasserkraftwerken hat das Unternehmen ganze Arbeit geleistet. Beim Bau des Kraftwerks Muskrat Falls in Kanada stand das Team aufgrund von extremen Witterungsbedingungen vor besonderen Herausforderungen. Durch Concremote konnte trotz Temperaturschwankungen von 70 Grad die Qualität von Massenbeton verlässlich sichergestellt werden. Extrem kurze Schalungszeiten wurden auch beim Bau des Three World Trade Center am ehemaligen Ground Zero in New York durch den Einsatz eines schnellen selbstkletternden Schalungssystems eingehalten.

Wachstum im Visier

Für den Schalungsprofi Peri waren neben Kanada und den USA auch Zentral- und Osteuropa starke Treiber im vergangenen Jahr. „Für 2017 erwarten wir in allen Bereichen eine gute Geschäftsentwicklung und wachsende Umsätze – schon 2016 war ein verstärkter Trend zum Kauf spürbar“, so Peri-GF Christian Sorko. Die positive Stimmung sei klar erkennbar – vom Baumeister über den Mittelstand bis zur Industrie. „Und wenn das der Fall ist, wird investiert.“ Schwerpunkte setzt das Unternehmen in Österreich heuer mit dem neuen innovativen Fassadengerüstsystem Peri Up Easy und mit der aus einem faserverstärkten Technopolymer konstruierten Leichtschalung Peri Duo. Ein weiterer Themenschwerpunkt ist die Digitalisierung der Baubranche. Das Tochterunternehmen Centrio entwickelte die Softwarelösung Centrio CLM. „Ziel ist dabei eine digitale Bauakte, in der sämtliche Daten und Informationen in einem übersichtlichen System vernetzt werden. Denn der lückenlose Informationsfluss, die Dokumentation von Bauprozessen und der Zugriff auf aktuelle Daten für alle Projektbeteiligten tragen insbesondere bei Großprojekten zur sicheren, effizienten und auch rechtlich sichereren Bauausführung bei.“

Innovativ und stark

Hohes Montagetempo, besonders sicheres und trotzdem schnelles Arbeiten durch ein ganzes Bündel konstruktiver Maßnahmen, kombiniert mit geringerem Gewicht dank hochfester Stähle, bietet das innovative Peri Up Easy. Dabei wird das Peri-Up-Konzept schon bei internationalen Projekten eingesetzt, wie beim Northwest Redwater Project in Kanada – einer gigantischen Industrieanlage mit effizienter Gerüsttechnik. Und mit der Universalverschalung Peri Duo hat das Unternehmen eine neue Kategorie von Leichtschalungen entwickelt. Der hochbelastbare technische Kunststoff bietet ein ungewohnt leichtes und komfortables Handling und umfasst relativ kleinformatige Paneele, bei denen ein Rahmenelement mit einer exakt angepassten Schalungshaut belegt wird. Das Material, aus dem diese Paneele und ein Großteil der notwendigen Komponenten bestehen, ist resistent gegen feuchtebedingtes Quellen und Schwinden, ausgesprochen korrosionsstabil und problemlos im Kontakt mit Beton. In den vorgesehenen Anwendungssegmenten mit ihren vergleichsweise überschaubaren Lasten und Frischbetondrücken ergeben sich daraus deutliche Gewichtseinsparungen gegenüber Stahl- oder Aluminiumkonstruktionen. Der neuartige Werkstoff bringt weitere Vorteile mit sich wie beispielsweise weniger scharfe Kanten. Dass nahezu ohne Werkzeug gearbeitet wird, reduziert die Lärmbelastung, was bei Sanierungsarbeiten im Bestand oder auch bei innerstädtischen Einsätzen durchaus vorteilhaft ist.

Gut gerüstet

So viel steht fest: Österreichs Schalungsbranche ist im Wandel. Mehr professionelle Dienstleistung rund um das Produkt ist gefragt, nachhaltige Veränderungen wird aber auch die fortschreitende Digitalisierung bewirken. „Die Anforderungen an Schalungslieferanten sind heute deutlich höher als noch vor einigen Jahren. Viele Kunden erwarten neben dem hochwertigen Produkt zugleich ein umfassendes Angebot an projekt- und produktbezogenen Dienstleistungen“, so Ing. Gerald Schönthaler, MD Austria, Benelux & Romania der Hünnebeck Austria GmbH. Bereits heute entwickeln die Planer in Sachen Schalungstechnik deshalb bei fast jedem größeren Bauvorhaben in enger Abstimmung mit der Baustelle ein integriertes Schalungs- und Logistikkonzept. Unter anderem auch deshalb, weil immer häufiger Schalungsmaterial projektbezogen angemietet wird und punktgenau angeliefert werden muss. Der Kunde profitiert von einer höheren Flexibilität bei geringerer Kapitalbindung. Für den Schalungsanbieter heißt das, er muss flexibel auf die deutlich kürzer gewordenen Lieferzeiten reagieren können. Voraussetzung dafür ist ein gut bestückter Mietpark und ausreichend Personalkapazität für die begleitenden Dienstleistungen, wie z. B. Engineering, Reinigung und Reparatur, Anwenderschulungen und Schalmeisterservice. „Wir haben uns bereits vor Jahren auf den Wandel vom Produkt- zum Lösungsanbieter eingestellt und arbeiten weiter an dem Ausbau unserer technischen und logistischen Dienstleistungen, unseres Schulungsangebotes und auch unserer Onlineservices. Onlineverkaufsplattformen wie unser Web-Shop für Hünnebeck Gebrauchtmaterial oder auch unser Kundenportal myHünnebeck, mit dessen Hilfe der Kunde relevante Informationen zu seinem spezifischen Bauprojekt online abrufen und weiterverarbeiten kann, sind erst der Anfang.“ Und in weiterer Zukunft ergeben sich für Schönthaler weitere spannende Projekte: „Allein in Wien sind wir derzeit an acht Großbaustellen mit komplexen, anspruchsvollen Aufgaben beteiligt. Dazu gehören die Generali Arena, das Quartier Belvedere Central (QBC) und das Parkhotel Belvedere sowie das Icon-Projekt u. v. m.“

Stark nachgefragt

Auch für das in Regau ansässige Unternehmen Ringer lässt sich schon seit 2016 ein deutlicher Aufwärtstrend feststellen – 2016 war erfreulicherweise sogar das umsatzstärkste Jahr in der 72-jährigen Unternehmensgeschichte. Neben deutlichen Umsatzsteigerungen freut sich Ringer über zahlreiche Produktinnovationen: Neben der schon erfolgreich implementierten neuen Elementdeckenschalung Ringer Dek 30 kommt nun eine einseitig bedienbare, verzinkte Rahmenschalung auf den Markt. Mit der Ringer Dek 30 haben wir letztes Jahr unser Produktportfolio um eine Elementdeckenschalung erweitert. Damit setzt das Unternehmen seinen Weg in Richtung effizienter, zeit- und ressourcensparender Produkte fort. „Mit der neuen Moduldeckenschalung haben wir uns wieder einen Schritt weiter in Richtung One-Stop-Shop entwickelt und können unseren Kunden nun ein komplettes Schalungskonzept anbieten“, so Geschäftsführer Thomas Ringer. Noch in der Pipeline, aber kurz vor der Einführung steht auch eine einseitig bedienbare, verzinkte Rahmenschalung. „Unsere Schalungstechniker arbeiten seit langem an dieser herausfordernden Neuentwicklung, jetzt stehen wir kurz vor dem Durchbruch. Die ersten Prototypen werden derzeit gebaut, die ersten Baustellen sind bereits in Vorbereitung.“ Damit schafft es Ringer als einer der ersten Schalungshersteller im mittelständischen Segment, eine serienreife einseitige Schalungslösung anzubieten. Vorteile der einseitig bedienbaren Rahmenschalung sind eine deutliche Zeit- und Kostenreduktion auf der Baustelle.

„Nach der Markteinführung von Ringer in Australien im Vorjahr konnte der Marktanteil dort weiter ausgebaut werden“, erläutert Ringer. Der Exportfokus liegt weiterhin in den Kernmärkten Europas. Vor allem aus dem deutschen und skandinavischen Raum war 2016 eine erhöhte Nachfrage nach Schalungsprodukten zu spüren. Allein 2016 wurden doppelt so viele Schalungsprodukte nach Norwegen geliefert wie 2015. „Erstmals liefern wir heuer Schalungen in die USA und nach Kanada. Außerdem spüren wir eine erhöhte Nachfrage nach unseren Produkten aus dem zentralafrikanischen Raum sowie aus Südostasien.“

Autor/in:
Christina Mothwurf
Werbung

Weiterführende Themen

Beim oberösterreichischen Schalungshersteller Ringer kann trotz Coronakrise weiter produziert werden.
Aktuelles
25.03.2020

Noch läuft die Produktion normal weiter. Warum Markus Ringer dennoch für einen Baustopp wäre und wie der oberösterreichische Schalungshersteller mit der Krise umgeht. 

Das Leube-Führungsduo Heimo Berger (l.) und Rudolf Zrost (r.) mit Wolfgnag Rieder (Mitte) nach der Vertragsunterzeichnung.
Aktuelles
24.02.2020

Der Bereich Infrastruktur von Rieder wurde zu 100 Prozent von Leube übernommen.

Kaum ein Unterschied: die BIM-Planung (l.) von Doka und rechts die reale Baustelle.
Aktuelles
17.02.2020

Die Verwendung von BIM-Methoden beim Projekt Gelbe Haide reduziert den Schalungsaufwand.

Wolfgang Rieder setzt erste Schritte zur nachhaltigen Veränderung der Denkweise in der Bau und Designbranche mit Initiativen wie zerowaste und dem Produkt scrapcrete.
Aktuelles
12.11.2019

Der Geschäftsführer der Rieder Gruppe widmet sich in diesem Studiensemester als Loeb Fellow Themen wie Klimaschutz und nachhaltiges Bauen.

Werbung