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Hersteller von Betonbauteilen hoffen auf stabile Entwicklung

17.03.2011

„Leider kann sich unsere mittelständisch geprägte Industrie den geradezu euphorischen Prognosen der Gesamtwirtschaft für 2011 nicht anschließen“, so Eike Bielak, Präsident des Bundesverbands Betonbauteile Deutschland e.V. (BDB), Berlin, anlässlich der Jahrespressekonferenz, die am 8. Februar 2011 im Rahmen der 55. BetonTage in Neu-Ulm stattfand.

Durch den extrem langen Winter 2009/2010 und den frühen Wintereinbruch im Dezember 2010 schätzt der BDB für das Gesamtjahr 2010 einen Branchenumsatz von 4,25 Milliarden Euro, was einem Rückgang von minus 2,7 Prozent entspricht. Die aktuell größten Probleme der Branche machte der Präsident des Bundesverbands in der Erlösschwäche, der Finanzierungsproblematik, zum einen der Unternehmen selbst aber auch der Kunden, und in den Nachwuchssorgen aus.

Rückblick 2010
Der Umsatz der deutschen Betonfertigteilindustrie ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in den ersten drei Quartalen 2010 leicht zurückgegangen und sank damit insgesamt um minus ein Prozent auf rund 3,25 Milliarden Euro. Dass das Ergebnis nicht noch höher ausgefallen ist, ist vor allem den steigenden Genehmigungszahlen und Auftragseingängen im Wohnungs-, aber auch dem Wirtschaftsbau, insbesondere im 2. und 3. Quartal 2010, zu verdanken. So stieg der Umsatz im konstruktiven Bereich bei den Herstellern von Balken, Stürzen und Bindern um plus zwei Prozent, die Menge um plus ein Prozent. Die Produktion von großformatigen Decken- bzw. Wandtafeln, die überwiegend für den Wohnungsbau eingesetzt werden, erhöhte sich um plus vier Prozent. Die Zurückhaltung der Öffentlichen Hand machte sich nicht nur bei den Herstellern von Betonprodukten für den Straßen-, Garten- und Landschaftsbau bemerkbar, die bei Pflastersteinen Umsatzrückgänge von minus fünf Prozent zu verzeichnen hatten. Auch die Hersteller von Beton- und Bundesverband Betonbauteile Stahlbetonrohren mussten, trotz steigender Produktion (plus sechs Prozent), Umsatzrückgänge von minus 11 Prozent hinnehmen. Insgesamt stieg die Beschäftigung in Deutschland im Bereich Betonerzeugnisse von Januar bis November 2010 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um plus 0,3 Prozent in den Betrieben mit 50 und mehr Beschäftigten. Die Produktion in den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten erhöhte sich in diesem Zeitraum um plus 3,6 Prozent, nachdem dort 2009 krisenbedingt ein Einbruch von minus 10,4 Prozent zu verzeichnen war.

Ausblick 2011
Für das Jahr 2011 prognostiziert der Bundesverband über die gesamte Betonfertigteilbranche hinweg ein stagnierendes Ergebnis. Die starke Heterogenität der Branche bedingt eine voraussichtlich sehr unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Segmenten. Während der Wirtschaftsbau zuletzt leichte Zuwächse verzeichnete, legte der Wohnungsbau, ausgehend von einem niedrigen Niveau, von Januar bis November 2010 um real plus 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Hierbei dürfte die Beschäftigungsentwicklung die privaten Wohnungsbauinvestitionen weiter stützen. Der öffentliche Bau droht jedoch zum Sorgenkind zu werden. Nach dem Auslaufen der Konjunkturpakete, deren Mittel in den öffentlichen Hochbau flossen, schätzt die KfW nach einer Befragung von mehr als 500 Städten und Gemeinden im Rahmen des Kommunalpanels den Investitionsrückstau allein in der kommunalen Straßen- und Verkehrsinfrastruktur auf rund 24 Milliarden Euro. Eines der bestimmenden Themen der nahen und auch weiteren Zukunft wird die Suche nach Nachwuchskräften sowohl im gewerblichen Bereich als auch bei den Ingenieuren sein. Das schlechte Image, die oft ländlichen Standorte, die geringere Bekanntheit und das niedrigere Lohnniveau machen diese Betriebe für Schulabgänger unattraktiv.

Sowohl beim Beruf „Betonfertigteilbauer/-in“ als auch beim „Verfahrensmechanikerin/- in vorgefertigte Betonerzeugnisse“ ist die Zahl der bundesweit neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge weiter zurückgegangen (minus 27 Prozent bzw. minus 51 Prozent). Die deutschen Mittelständler insgesamt fürchten laut einer Umfrage von Ernst & Young unter 3.000 Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels jährliche Umsatzeinbußen von rund 30 Milliarden Euro. Auch die Betonfertigteilindustrie wird hiervon massiv betroffen sein, berichtet der Branchenverband. Für die Zukunft wünscht sich Eike Bielak mehr Anerkennung für den Wert der Produkte: „Betonbauteile stecken voller Know-how.“ Diesen Wert darzustellen wird die Aufgabe des BDB in der Zukunft sein. Dabei sind die Erwartungen an die Politik hoch, die notwendigen Rahmenbedingungen für ein auskömmliches Wirtschaften zu schaffen. Um diese Forderungen erfolgreich in Politik und Verwaltung zu tragen, hat sich der BDB im Herbst 2010 neu aufgestellt. Ein wesentlicher Baustein des neuen Konzepts ist die starke unternehmerische Mitwirkung in den Hauptausschüssen. Im Rahmen der Jahrespressekonferenz stellte Bielak unter dem Motto „Bewegen Sie was – Gemeinsam mit uns!“ einen Aufruf an die Unternehmerkollegen zur Mitarbeit vor. Nicht nur in den vier Hauptausschüssen ist die Mitwirkung bei der Gestaltung der Branchenvertretung gefragt.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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