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Hochbau

15.09.2004

Jährlich fallen in Österreich Bauschäden in der Höhe von ca. 340 Millionen Euro an. In einer Aktion von Bundesinnung Bau und Zertifizierung Bau wird den Bauschäden der Kampf angesagt.

Einer aktuellen Studie der EU-Kommission zufolge liegen die Fehlerkosten am Bau im Schnitt bei 18 Prozent der Selbstkosten eines Bauwerks. Eine Erhebung der Bauhaus Universität in Weimar kommt zu einem vergleichbaren Ergebnis. Danach verursacht die Behebung der Herstellungsfehler im Roh- und Ausbau vier bis zwölf Prozent der gesamten Baukosten. Die Differenz in den unterschiedlichen Prozentangaben ergibt sich nach Rudolf Pichler, Geschäftsführer der Zertifizierung Bau, aus deren Abhängigkeit von den jeweiligen Bezugskosten (Selbstkosten, Herstellerkosten, Baukosten), der Bezugsquelle und dem Berechnungsverfahren.
Bauschäden und Baumängel sind für alle an einem Projekt Beteiligten eine unangenehme Sache und kosten die Unternehmen eine Stange Geld. Lässt sich die Schuldfrage nicht eindeutig klären, ziehen Baufehler im schlimmsten Fall teure Gutachtachterverfahren und jahrelange Gerichtsprozesse nach sich. Darüber hinaus kratzen fehler- und mangelhafte Ausführung der Bauarbeiten auch erheblich am Image der ausführenden Unternehmen und schädigen den Ruf.

Mehr Qualität am Bau
Seit der Gründung im Jahr 1995 ist die Zertifizierung Bau führend im Bereich der Unternehmensanalyse, der Zertifizierung von Managementsystemen und der Qualitätssicherung im Hochbau. In einen Geschäftsbereich fällt auch die Fehlerkostenanalyse und der Qualitäts- und Informationsservice. Im Rahmen der aktuellen Qualitäts- und Imageinitiative von Bundesinnung Bau und Zertifizierung Bau wird interessierten Unternehmen jetzt die Möglichkeit geboten, diesen Service dank der Förderung durch die Bundesinnung kostengünstig in Anspruch zu nehmen. Die Idee, die hinter diesem Angebot steht, ist, den Unternehmen bei der Straffung ihrer Organisation und der friktionsfreien Gestaltung ihrer Arbeitsabläufe unter die Arme zu greifen. Anders als beispielsweise im Einkauf – wo dank der Organisation in Einkaufsgenossenschaften kaum noch Geld verloren geht – ist in diesem Bereich tatsächlich noch wesentliches Einsparungspotenzial vorhanden. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass für die Unternehmen selbst ohne externe Experten dieses Potenzial nicht leicht freizusetzen ist. Das bestätigt auch Karl Macho, Geschäftsführer des niederösterreichischen Bauunternehmens Aust Bau. Als traditioneller Familienbetrieb gibt es nur eine geringe Fluktuation an Arbeitskräften und damit wenig frisches Blut im Unternehmen. Eine effiziente Beurteilung scheitert sozusagen an der „Betriebsblindheit“.
Die Hauptursache für Bauschäden und -mängel ortet Rudolf Pichler in einer ungenügenden Arbeitsvorbereitung, unklaren Angaben durch den Planer, der ungenügenden Sorgfalt bei der Ausführung und einer mangelnden Kommunikation zwischen Planung, Bauleitung und Bauhof. Genau an diesem Punkt setzt die Fehlerkostenanalyse an. Erklärtes Ziel ist die Verringerung von vermeidbaren Baufehlern, eine Verbesserung der Kommunikation und die Vernetzung zwischen Polieren und Bauleitern. Das führt letztendlich zu einer Reduktion der effektiven Baukosten.

Fehlerkostenanalyse
Für die Fehlerkostenanalyse werden von den jeweiligen Baufirmen drei bis fünf Baustellen ausgewählt, die dann vor Ort genau unter die Lupe genommen werden. Mit dabei bei der Begehung sind ein Bauspezialist von der Zertifizierung Bau, der Bauleiter, der Polier oder Vorarbeiter und auf Wunsch auch Vertreter der Unternehmensleitung. In der Begutachtung vor Ort werden Verbesserungspotenziale aufgezeigt, ebenso aber auch die Bereiche hervorgehoben, in denen es schon eine optimale Ausführungsqualität gibt. Mit Hilfe von digitalen Fotos wird quasi ein Bilderbuch für die abschließende Schlussbesprechung erstellt. Zu diesem Resümee werden alle Beteiligten der Baustellen eingeladen. In einer gemeinsamen Diskussion kommen die einzelnen Problempunkte zur Sprache, Lösungsansätze werden aufgezeigt. Den größten Vorteil dieser „bottom up-Methode“ sieht Pichler in der hohen Akzeptanz der Ausführenden. Die Ideen zur Verbesserung werden nicht von der Geschäftsführung verordnet, sondern die Mitarbeiter werden aktiv in die Entwicklung von Fehlervermeidungs-Strategien eingebunden.

Qualitäts- und Innovationsservice
Der Qualitäts- und Innovationsservice ist ein weiterer Schritt zur Effizienzsteigerung. Im Rahmen von regelmäßigen Fehlerkostenanalysen wird die Entwicklung des Unternehmens in Bezug auf Bauschadensvermeidung nachgezeichnet und beurteilt sowie weitere Verbesserungen erarbeitet. Zusätzlich wird den einzelnen Unternehmen der Zugang zu bautechnischen Innovationen und Neuerungen im Baubereich vermittelt.

Zeit ist Geld
Michael Balak, Leiter des OFI-Institutes für Bauschadensforschung, sieht die Gründe für Bauschäden sowohl auf Seiten der Planer als auch bei den Ausführenden. „Die Planer bekommen für ihre Leistungen immer weniger bezahlt, Abschläge von der Gebührenordnung bis zu achtzig Prozent“ sind laut Balak keine Ausnahme. Dementsprechend sieht dann oft die Planvorlage auf der Baustelle aus. Eine der Hauptfehlerquellen ist auch der wachsende Zeit- und Kostendruck, dem die Ausführenden auf der Baustelle ausgesetzt sind. Die einzelnen Gewerke arbeiten in der Regel unter erheblichem Zeitdruck gleichzeitig in einem Bauabschnitt. Das führt zu Überschneidungen im Arbeitsablauf und gegenseitiger Behinderung in der Ausführung. Zusätzlich muss auch beim Materialeinkauf heute mehr denn je auf den Preis geachtet werden, was in sehr vielen Fällen auf Kosten der Qualität geht. Die Folgen sind eine mangelnde Ausführung und eine Erhöhung der Fehler- und Schadensquellen am Bauwerk. Die häufigsten Bauschäden finden sich in der Gebäudeabdichtung, und zwar sowohl im Bereich der Kellersohle als auch bei der Dachabdichtung. Eine mangelnde Ausführung der Dichtungsebenen, eine falsche Annahme der Höhe des Grundwasserspiegels oder falsch ausgeführte Rohrdurchführungen sind beispielsweise eine häufige Ursache für feuchte Keller. Ein weiterer Punkt ist die gesamte Wärmebrückenproblematik. Auch hier kommt es immer wieder zu Fehlern, die in Form einer durchfeuchteten Mauer oder Schimmelbildung an der Wandinnenseite zu Tage treten. Die zusätzlichen Kosten, die sich aus der Mängel- und Schadensbehebung für die Bauwirtschaft ergeben, schätzt Michael Balak alleine im Bereich Hochbau auf zirka 140 Millionen Euro jährlich. Mit speziell auf die Baubranche abgestimmten Fachseminaren wie den Wiener Sanierungstagen, dem Österreichischen Altbautag oder den IBF-Tagesrandseminaren versucht das IBF, Institut für Bauschadensforschung, in Kooperation mit der ArchIng-Akademie einem Voranschreiten der Mängel und Schäden am Bau entgegenzuwirken.
Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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