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Hohes Qualifikationsniveau am Bau

08.04.2011

Die Vielzahl an Bildungssystemen in Euro­pa führt zu Verständnisproblemen, welche Abschlüsse wie viel „wert“ sind. Trotz gleichlautender Bezeichnungen können sich andere "Inhalte“ (Kenntnisse, Fertigkeiten, Kompetenzen) dahinter verbergen.

Um die Transparenz und Verständlichkeit von Abschlüssen zu erhöhen, wurde auf europäischer Ebene der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) geschaffen. Der EQR ist ein aus acht Niveaus bestehendes Raster. Durch Verweis auf eines der acht Niveaus sollen Qualifikationen hinkünftig charakterisiert und damit besser verständlich gemacht werden. Nationale Qualifikationen werden zuerst einem Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) zugeordnet. Somit kann jedes Land die Struktur seines NQR selbst bestimmen. Der EQR fungiert daher als „Übersetzungshilfe“. Die Niveaus des EQR werden durch Lernergebnisse definiert.

In Österreich wird derzeit an der Entwicklung eines nationalen Qualifikationsrahmens gearbeitet. Ein Diskussionspunkt hat dabei den Entwicklungsprozess lange Zeit blockiert: Die Hochschulseite hat die drei oberen Niveaus 6 bis 8 für die Abschlüsse Bachelor, Master und PhD für sich exklusiv reklamiert. Alle anderen Qualifikationen sollten maximal bis Niveau 5 zugeordnet werden. Gerade aus dem Meister- und Befähigungsprüfungsbereich sowie aus dem Bereich der Weiterbildung regte sich erheblicher Widerstand gegen diesen Exklusivitätsanspruch. Ende 2009 wurde dann ein Kompromissvorschlag gefunden, der auch vom Ministerrat akzeptiert wurde. In Österreich wird derzeit an der Entwicklung eines NQR gearbeitet. Dieser wird auch acht Niveaus bestehen, wobei die Niveaus 6 bis 8 in zwei Stränge geteilt sind: In einem Teil werden die österreichischen Hochschulabschlüsse abgebildet, im anderen Teil können alle Qualifikationen auf Basis der EQR-Deskriptoren zugeordnet werden.

Gleichwertigkeit von Abschlüssen
Gegenwärtig scheinen in den offiziellen Statistiken lediglich jene Abschlüsse auf, die in Schulen und Hochschulen erworben werden, nicht aber jene aus Weiterbildungseinrichtungen (z. B. aus der Bau­Akademie). Der NQR will wichtige Abschlüsse wie Baumeister, Polier, Bau-leiter, Vorarbeiter oder Wärmedämmverbundsystem-Fachverarbeiter stärker in die öffentliche Wahrnehmung rücken. Mit dem NQR soll die Gleichwertigkeit von Abschlüssen signalisiert werden – unabhängig davon, wo sie erworben wurden.

Die Bauwirtschaft ist ein wichtiger Arbeitgeber in Österreich. Rund 330.000 Personen sind in dem Bereich tätig, ausgestattet mit unterschiedlichen Qualifikationen. Das Institut für Bildungsforschung in der Wirtschaft, ibw, führt ab Mitte April eine Befragung in Unternehmen der Bauwirtschaft bezüglich Aus- und Weiterbildung durch. In begleitenden Workshops werden Teilnehmende näher über den NQR informiert. Mögliche Auswirkungen dieses Systems auf den Baubereich sollen diskutieren werden.

Infos:
http://www.lebenslanges-lernen.at/nqr),
tritscher-archan@ibw.at.

Unter www.diebauzeitung.at finden Sie zudem die Deskriptoren zur Beschreibung der Niveaus des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR).

(Redaktion: Sabine Tritscher)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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