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Im ständigen Wandel und Lernen

17.09.2010

Martin Zagler ist seit seiner Kindheit vom Baugewerbe fasziniert. Erblich vorbelastet, entschied sich der Niederösterreicher jedoch ganz aus freien Stücken für den Bau mit großem Erfolg und Spaß an seinem Job.

Ländliche Idylle am Firmenstandort Tresdorf in Korneuburg, dem Sitz des Baumeisterunternehmens Artbau Zagler. Neben dem Firmengebäude ein penibel sortierter Wirtschaftshof – selbst ein Fremder würde sich hier zurechtfinden. Auf dem Parkplatz davor sticht das Logo von Artbau Zagler von fast jedem ins Auge. Corporate Identity – durchgezogen vom Eingang bis zum Haus.
Der Chef selbst, Martin Zagler, empfängt uns im Dachgeschoß, im großen Besprechungsraum. Beim Weg durch das Haus fällt die angenehme, unaufgeregte Architektur auf – hell, freundlich und ruhig. Die wenigen anwesenden Mitarbeiter – insgesamt schupft Baumeister Zagler seine Firma mit 94 Mitarbeitern, davon sind 16 Angestellte strahlen ebenso diese Ruhe aus.

Zagler wuchs mit seiner um zwei Jahre älteren Schwester in Wien Schwechat auf. Die Schule war nicht so seines – doch seine Eltern ließen ihn werken: „Ich wurde eher antiautoritär erzogen, mit sehr wenig Druck, trotz meiner schulischen Spitzenleistungen. Jedoch habe ich durch meinen Vater den Bau kennengelernt – er war Polier. Seine Arbeit hat mich fasziniert“, verrät Zagler.

Mit dieser ersten „Arbeitserfahrung“ war die Entscheidung für die HTL gefallen, Zagler maturierte an der HTL Tiefbau. Damals arbeitete Zaglers Vater als Werkmeister bei der Gemeinde Wien, 1978 wagte dieser mit einer Baufirma den Sprung in die Selbstständigkeit. 1983 erwarb er eine weitere Firma. „Doch auch zu diesem Zeitpunkt stellte mir mein Vater meine Berufswahl immer frei“, so Zagler.
Nach der Matura 1989, der Trennung der Eltern und dem frühen Tod des Vaters, stand Zagler vor der Qual der Wahl. Doch zunächst entschied er sich für ein Biologiestudium: „Ich hatte den Traum, Forscher im Regenwald zu werden – doch bald erkannte ich, dass das Studium in Österreich eine eher brotlose Angelegenheit werden könnte und ich nicht als Gemüseverkäufer beim Billa landen möchte“, schmunzelt Zagler – und er stieg in das väterliche Unternehmen, das inzwischen von der zweiten Frau seines Vaters geführt wurde, ein.

Gewaltiger Umbau
Die beiden Firmen wurden zu dem Zeitpunkt noch getrennt geführt – mit rund 60 Mitarbeitern. „Zunächst war ich völlig überfordert. Ich merkte, ich hab von allem nur ein bisschen Ahnung – etwas Technik, ein wenig kaufmännisches Wissen. In der Firma gab es keine EDV-basierte Kostenrechnung. Dann folgte gleich eine Betriebs­prüfung – mit einer gewaltigen Nachzahlung“, so Zagler. Bis 1995 biss sich Zagler durch – „doch ich hatte immer Glück: privat und geschäftlich. Dann stellte ich mir die Sinnfrage: Was bin ich persönlich als Mensch, und haben die Baufirmen überhaupt Platz in meinem Leben? Da ich gern mit Menschen zu tun habe, erkannte ich, dass die Baufirmen sehr wohl Platz in meinem Leben haben.“

Qualität steigern
Ab diesem Tag ging es mit dem Unternehmen steil bergauf. „Wir machten kontinuierlich gute Gewinne, wuchsen und konnten unseren Kundenkreis erweitern. 1996 waren wir noch zu 90 Prozent für die Stadt Wien tätig. Sukzessive begannen wir andere Geschäftsfelder zu eröffnen, jetzt liegen wir mit unserem Umsatz bei den öffentlichen Auftraggebern unter 20 Prozent“, erklärt Zagler den Strategiewechsel. Die Baufirma besteht aus fünf Geschäftsfeldern. Die Führung ist aufgeteilt – er leitet nur zwei Bereiche, für die anderen drei gibt es Geschäftsfeldleiter. „Für den Firmenumbau benötigten wir knapp zehn Jahre – von der Firmenstruktur meines Vaters ist nicht mehr viel übrig. Anfang 2000 fusionierten wir die beiden Firmen und firmierten als Artbau Zagler GmbH. Artbau steht als Slogan für die persönliche Art zu bauen, das hat nichts mit Kunst Art – zu tun“, so Zagler.

Der Schritt raus aus Wien nach Tresdorf bei Korneuburg fiel dem Baumeister leicht, denn: „Ich muss ehrlich sagen, mir war die Übersiedlung sehr recht, denn die Politik in Wien ist nicht besonders in Richtung KMU orientiert, da ist Niederösterreich wesentlich aktiver.“ Nach dem neuen Standort feilte Zagler weiter an der Qualität des Unternehmens. Es folgte die ISO-Zertifizierung mit Umweltmanagement und Arbeitssicherheitssystem. Vor vier Jahren entdeckte Zagler das Leadmanagement mit dem Schwerpunkt „Kontinuierlicher Verbesserungsprozess“. Dazu unternahm Zagler Studienreisen zu Baufirmen nach Japan: „Die Japaner sind da schon viel weiter – wir versetzen uns noch viel zu wenig in die Rolle des Kunden.“ Parallel dazu absolvierte der Baumeister den Lehrgang Real Estate Immobilienwirtschaft an der Donau-Universität in Krems.

Mit der Ausbildung schaffte Zagler den Start des Umdenkprozesses in Richtung Kunden: „Wir arbeiteten ja wie im Schlaraffenland, hatten Rahmenverträge mit Genossenschaften, Gemeinden und anderen Bauherren – doch diese Auftragsquelle wird versiegen. Das heißt, die Bauwirtschaft muss umdenken, Immobilien entwickeln lernen, für den Kunden planen, vordenken, was er aus seiner Immobilie machen kann.“ Der ganz und gar nicht autoritäre Führungsstil Zaglers zwingt seine Mitarbeiter zum aktiven „mitarbeiten“ ideale Grundvoraussetzung für seinen Erfolg bei seiner Firmenphilosophie. Als jeweils Einzelzeichnungsberechtigte lenkt Zagler gemeinsam mit der Geschäftsführerin Sabine Trnka-Haindl die Firma. Die Geschäftsführung wie auch jeder Bauleiter und Baupolier müssen fünf Tage im Jahr auf Baustellen mitarbeiten. „Ich bin nicht der Unternehmer, bei dem alles zusammenläuft. Das interessiert mich nicht – denn ich gehe auch gern auf Urlaub“, lacht Zagler. Wenn er vom arbeiten genug hat, zieht es ihn in die Ferne, z. B. nach Nepal zum Bergsteigen.

Kapital Personal
„Das Personal ist unser Kapital. Wir investieren viel in die Personalentwicklung, im vergangenen Jahr an die 200.000 Euro in Kommunikationswerkshops und Schulungen“, erklärt Zagler. „Wir leben vom Know-how und der Kreativität unserer Mitarbeiter. Material, das wir brauchen, lassen wir uns vom Baumarkt täglich auf die Baustelle liefern“, – deshalb findet sich auf dem Bauhof auch kaum Gerätschaft. Der Hauptbetrieb von Artbau Zagler ist der Bau – dazu gibt es auch elf Fliesenleger und sechs Installateure, aber auch Kompetenz in der Haustechnik. Den Neubau verließ Zagler vor rund vier Jahren, „weil dort nichts zu verdienen ist. Ressourcen, Energie, Umwelt etc. sind die Stichworte der Zukunft. Wir werden uns aber auch mit den Baustofftransporten auseinandersetzen müssen – was haben wir von einem Passivhaus, wenn wir beim Transport der Baumaterialien schon dermaßen viel Schadstoffausstoß verursachen. Ich bin davon überzeugt, dass sich aufgrund der weltweiten Energiethematik der Neubau massiv verteuern wird.

“ Zagler setzt auf Sanierung und zeigt sich darin souverän: „Ich bin davon überzeugt, dass es in der Bauchbranche zu einem Paradigmenwechsel kommen wird, z.B. wird die strikte Gewerketrennung verschwinden. Gerade in der Sanierung ist die Koordination mehrerer Handwerker sehr aufwändig – wenn wir einen Auftrag als Generalunternehmer erhalten, ist es effizienter, einen Großteil des Know-hows selbst im Haus zu haben“, zeigt sich Zagler visionär. Kritisch äußert er sich auch zu der Sub-Sub-Kultur, die am Bau Einzug gehalten hat: „Man hat letztlich dann keinen Draht mehr zu den Leuten, man kann die Subler in keine Prozesse mehr einbringen.“ Den einzigen Bereich, den Zagler noch nicht inhouse hat, ist Architektur: „Wir arbeiten mit einigen Architekten sehr eng zusammen und sind immer auf der Suche nach Architekten, weil wir dieses Segment ausbauen wollen.“


Befähigung zum Baumeister

Zagler sieht auch im Berufsbild Baumeister einiges an Veränderungen kommen: „Die Baumeisterprüfung befähigt noch lange nicht zum guten Unternehmer. Vor allem werden so viele Befugnisse mit Einschränkungen vergeben – es gibt ja kaum Hürden für die Erlangung einer Gewerbeberechtigung. Viele Unternehmer scheitern nicht wegen technischer Fehlleistungen, sondern wegen kaufmännischer oder rechtlicher Fehler.“ Werden Baumeister und Ziviltechniker ihre Monopolstellung halten können? „Die Frage ist dabei, wie sich die Wirtschaft weiterentwickelt. Wenn die Wirtschaft nachhaltig schlechter wird, dann erstarken wieder nationale Tendenzen, Wirtschaftsräume werden wieder abschottet, inklusive den Gewerbeberechtigungen.

Aber bei einer gesunden Wirtschaftsentwicklung wird das Prinzip immer mehr aufgeweicht werden. Ebenso denke ich, obwohl ich selbst Wirtschaftskammerfunktionär bin, dass auch die Zwangsmitgliedschaft hinterfragt werden muss. Ich glaube, es werden sich andere Organisationen herauskristallisieren, die Aufgaben übernehmen werden“, so Zagler kritisch. Als Ausschussmitglied der Landesinnung Bau Wien schätzt Zagler den Gedankenaustausch mit den Kollegen und das Mitwirken bei Entscheidungen. Als Vorsitzender der Einkaufsgemeinschaft Austria Bau vertritt Zagler eine Gruppe von rund 150 mittelständischen Bauunternehmen. Die ABau hat vor allem einen wirtschaftlichen Hintergrund, die Mitgliedsbetriebe erwirtschaftet gemeinsam rund 1,8 Milliarden Euro Umsatz. „Wir sind keine Konkurrenzveranstaltung zur Wirtschaftskammer, sondern eine Ergänzung“, stellt Zagler klar.


Bergsteigen in Nepal

Hoch hinaus will er auch immer wieder privat: Bergsteigen ist eines seiner Hobbys – für das er sich auch schon mal gern vier Wochen Urlaub nimmt. Sein Engagement außerhalb der Firma passt auch zu der von ihm selbst beschriebenen Ungeduld, in jeder Lebenslage, egal ob beruflich oder privat – rasch kann dem im Sternzeichen Jungfrau geborenen mal etwas zu langsam gehen. Auf der anderen Seite zeichnet ihn Beharrlichkeit aus – beruflich ganz praktisch. Delegieren hingegen hat er in den vergangenen Jahren gelernt. Vor wenigen Wochen hat er seine langjährige Lebensgefährtin Iris geheiratet, Kinder sind bereits geplant. Seinen Spaß am Sport teilt er mit seiner Liebsten – wenn der Baumeister auch gern mal vorm Fernseher mit gutem Essen ewig sitzen bleibt oder sich in Büchern verliert.

Welchen Wunschtraum, welche Vision hat Martin Zagler? „Glücklich und zufrieden möchte ich sein – alles machen können, was ich will. In der Firma haben wir unsere Vision 2017, die gibt es seit 2008. Darin haben wir festgehalten, dass wir bis 2017 eines der erfolgreichsten und größten Bauunternehmen Ostösterreichs sein wollen: mit entsprechendem Eigenkapital, Umweltressourcen respektierend und auf die Sicherheit unserer Mitarbeiter achtend – das sind unsere Werte. Dann sind wir erfolgreich.“

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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