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Im Westen viel Neues

18.03.2011

Anfang März ging das dritte Immobilien Forum West in Innsbruck über die Bühne. Ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit wurden zwei DGNB-Zertifikate der ÖGNI an „Leuchtturmprojekte“ vergeben.

Unter dem Motto „Die Immobilienbranche im (Klima)Wandel“ veranstaltete die wiko wirtschaftskommunikation bereits zum dritten Mal das Immobilien Forum West. Heuer trafen sich rund 120 Entscheidungsträger aus der österreichischen Immobilienbranche bei der Fachveranstaltung in Innsbruck. „Zum mittlerweile dritten Mal organisierte wiko wirtschaftskommunikation das Immobilienforum West, Westösterreichs führende Expertenplattform für die Immobilienwirtschaft. Mit dieser Fachveranstaltung haben wir uns das Ziel gesetzt, brandaktuelle Zukunftsthemen der Branche auf die öffentliche Agenda zu setzen und einen jährlich wiederkehrenden Treffpunkt für die Entscheidungsträger zu etablieren“, erklärt Ulrich Müller von der wiko die Hintergründe.

Verleihung der Zertifikate
Am Vorabend des Kongresses lud die Bürgermeisterin von Innsbruck, Christine Oppitz-Plörer, zu einem Empfang ins Rathaus, wo sie betonte, wie wichtig nachhaltiges Bauen für die Politik in Innsbruck ist. Im Zuge des Empfangs wurden zwei DGNB-Zertifikate von Philipp Kaufmann, Gründungspräsident der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft, für nachhaltige Gebäude in Österreich verliehen. Für die Billa-Filiale in Perchtoldsdorf nahm Werner Wutscher, Vorstand der Rewe International AG, das DGNB-Vorzertifikat der ÖGNI in Gold entgegen. „Nachhaltigkeit ist stark in unserer Unternehmensphilosophie verankert. Mittlerweile betreiben wir 385 Energiespar-Märkte in Österreich, im Schnitt liegen wir in diesen Filialen bei einer Reduktion von 35 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs. Auch in Tirol forcieren wir Neu- und Umbauprojekte mit unseren Partnern – immer unter dem Aspekt der Energieeffizienz, und damit unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, aber auch der damit verbundenen Kostenreduktion“, betont Werner Wutscher.

Die zweite Auszeichnung ging an die Vorarlberger Rhomberg-Gruppe. Im Zuge des Immobilien Forum West wurde das Headquarter des Unternehmens in Bregenz mit dem DGNB-Zertifikat der ÖGNI in Silber prämiert. Andreas Karg, Geschäftsführer der Rhomberg Bau GmbH, nahm das Zertifikat entgegen. „Bei dem Bau des neuen Verwaltungsgebäudes haben wir uns bereits in der Planungsphase mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Es geht dabei um eine Optimierung am Bau. Früher wurden bei einem Gebäude hauptsächlich die Errichtungskosten als Qualitätsmerkmal herangezogen, die ÖGNI hat nun die gesamte Nachhaltigkeit inklusive Lebenszykluskosten messbar gemacht“, so Karg.

Paradigmenwechsel hat begonnen
Wie wichtig eine nachhaltige Betrachtung ist, betont auch Philipp Kaufmann bei der Übergabe der Zertifikate. „Nachhaltigkeit ist nicht nur aus ökologischer Sicht notwendig. Es bedarf des Dreiklangs zwischen Ökologie, Ökonomie und soziokultureller Qualität. Hier ist ganz klar eine Paradigmenwechsel im Gang“, so Kaufmann. „Bauen und Bewirtschaften spielt gleichermaßen eine zentrale Rolle.

Mittlerweile konnten wir mehr als zehn Zertifikate vergeben. Auch die beiden aktuellen Gebäude können als Leuchtturmprojekte angesehen werden. Denn unser Ziel ist es, Transparenz und Sicherheit für alle Beteiligten herzustellen. Dazu brauchen wir einen einheitlichen Standard in Europa bzw. weltweit, um eine internationale Vergleichbarkeit gewährleisten zu können“, ist Kaufmann überzeugt.

Hervorgehoben wurde in diesem Zusammenhang auch der sich gerade in Bau befindliche Neubau in der Brun­eckerstraße in Innsbruck. Entwickelt wird das Büro- bzw. Hotelgebäude von der Pema Immobilien GmbH, die ebenfalls besonderes Augenmerk auf die Nachhaltigkeit der Immobilie legt. Das Unternehmen entwickelt derzeit zusammen mit Partnern Projekte mit einem Gesamtvolumen von 185 Millionen Euro. „Nachhaltigkeit hat mit Qualität zu tun. Deswegen agieren wir nach der Devise Marke statt Masse. Wir haben das Ziel, jedes Projekt in der Landeshauptstadt zu einer Marke zu machen“, so Markus Schafferer, geschäftsführender Gesellschafter der Pema-Gruppe.

Erfolgsmodell für die Branche
Dass nachhaltiges Planen und Bauen zum Erfolgsmodell für die Branche werden kann, davon sind die Experten und Teilnehmer am Immobilien Forum West überzeugt. Allerdings liegt hier noch viel Arbeit vor den Verantwortlichen und allen Beteiligten. „Über viele Jahrzehnte schienen Energieträger grenzenlos verfügbar zu sein. Heute wissen wir, dass die Energiemärkte vor revolutionären Umbrüchen stehen“, so Anton Steixner, Landeshauptmann-Stellvertreter von Tirol, bei seiner Eröffnungsrede. „Deshalb setzt das Land Tirol energiepolitisch zwei Schwerpunkte: Erneuerbare Energieträger müssen verstärkt gefördert und die bereits vorhandene Energie muss effizienter genutzt werden“, betont Anton Steixner.

Raumplanung gefordert
In der Keynote-Speech fordert Stefan Schleicher, der am Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz forscht, schon die Raumplanung auf, die ersten Schritte zu setzen: „Nachhaltigkeit beginnt bereits bei der Raumplanung. Das wurde in Österreich und vor allem in Tirol in den vergangenen Jahren komplett vernachlässigt“, ist Schleicher überzeugt. Er plädiert für eine Entwicklung vom Verkehrs- zu einem Mobilitätssystem. „Das heißt, dass Menschen in Zukunft ihren Weg zu Arbeit nicht mehr mit dem Auto bewältigen müssen, da Wohnort und Arbeitsplatz nahe beieinander liegen“, so Schleicher. Zudem nimmt der Umweltökonom Architektur und Bauwirtschaft in die Pflicht: „Wir müssen innovativere Gebäude bauen. Österreich hat dafür mit Lösungen wie dem Plus-Energiehaus gute Voraussetzungen, vor allem im Export. Eine weitere Herausforderung ist das Thema Sanierung. Hier haben wir noch großen Bedarf, in erster Linie bei der Wärmedämmung und bei Energiesparmaßnahmen“, erläutert Schleicher.

Interaktiver Austausch
Neben spannenden Vorträgen wurde am Immo Forum West auch Interaktivität geboten. Die Teilnehmer waren aufgefordert, an verschiedenen Thementischen zu unterschiedlichen Schwerpunkten aktiv teilzunehmen. Die Themen reichten von „Der Klimawandel als Innovationstreiber in der Immobilienbranche“ über „Von der Energieeffizienz zur Nachhaltigkeit: nach dem Neubau jetzt auch der Bestand“ bis hin zu „Energiespeicher Beton“ und „Energetisches Monitoring von Gebäuden“. Die Thementische wurden von verschiedenen Experten wie Roland Richter, geschäftsführender Gesellschafter von Roland Richter und Partner GmbH aus Deutschland, oder Norbert Lantschner, Direktor der KlimaHaus Agentur GmbH in Bozen, geleitet. Neben dem regen fachlichen Austausch ergaben sich zahlreiche interessante Diskussionen unter den Teilnehmern, die zu weiteren Gesprächen anregten.

Diana Danbauer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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