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Immer mit Vollgas voraus

03.02.2014

Dieses Tempo zu halten ist nicht immer einfach. Mit viel Ehrgeiz und vor allem Organisation gelingt es Michaela Ragoßnig-Angst aber jeden Tag aufs Neue. 

 

Bei Familienunternehmen ist es häufig so eine Sache – die Kinder werden von ihren Eltern als Nachfolger zwangsverpflichtet, und nicht selten sind alle Beteiligten mit der Lösung unglücklich. Das Unternehmen dümpelt mehr oder weniger erfolgreich vor sich hin. Nicht so bei Michaela Ragoßnig-Angst, die gemeinsam mit ihrem Vater Josef Angst die Vermessung Angst ZT GmbH führt. „Technik hat mich schon immer interessiert.

Egal, ob ich als kleines Mädchen mit meiner Mutter Kästen zusammengeschraubt oder im Winter selbst die Kanten meiner Ski geschliffen habe. Selbst anzupacken liegt mir einfach. Noch heute versuche ich technische Dinge zuerst zu reparieren, bevor ich sie wegwerfe.Meinen Mann freut das als Umwelttechniker natürlich“, sagt die diplomierte Vermessungstechnikerin. Druck vonseiten des Vaters, in das Büro einzusteigen, gab es nie, berichtet sie. „Probier’s halt mal, meinte er damals.

Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht.“

Die Rollen in der Angst-Gruppe sind klar verteilt. Bruder Robert Angst ist für den Bereich Architektur und Hausverwaltung verantwortlich, Ehemann Arne Ragoßnig für die Umwelttechnik, und Michaela Ragoßnig-Angst kümmert sich gemeinsam mit ihrem Vater um die Vermessungstechnik.

„Die Übergabe hat von Anfang an gut funktioniert, und die Grenzen sind klar gesteckt. Vielleicht sind Vater-Tochter-Beziehungen da einfacher. Wahrscheinlich liegt es aber auch daran, dass ich schon während des Studiums mitgearbeitet habe. Als das Unternehmen wuchs, bin ich auch mit hineingewachsen.

Es war quasi ein fließender Übergang“, so beschreibt sie die Entwicklung. Die seit vergangenem Jahr realisierte Zusammenführung der einzelnen Unternehmensbereiche unter einer Dachmarke war schon lange eine Vision ihres Vaters. „Es ist großartig, dass wir diese Idee nun auch umgesetzt haben und jetzt alles aus einer Hand anbieten können. Kunden wollen das heutzutage.“ 

Nicht Sklave der Arbeit sein

Die enge Vernetzung zwischen Familien und Beruf sieht sie nur als Vorteil. „Da jeder sein Tagesgeschäft betreut, sehen wir uns unter tagsüber häufig gar nicht. Wir wohnen sogar alle recht nahe beieinander, und wenn man abends zusammensitzt, ist es sehr praktisch, auch gleich aktuelle Themen oder Projekte zu besprechen. Das heißt aber nicht, dass wir bei Familienfeiern keine andere Gesprächsthemen haben“, sagt Ragoßnig-Angst. Allerdings nehme man das Büro schon häufig mit nach Hause – vor allem abends, wenn die Kinder im Bett sind.

Solange die Arbeit Spaß mache, sei es für sie aber nicht so wichtig, Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem zu ziehen. Allerdings musste auch sie lernen, einmal Nein zu sagen. „Damit habe ich mir immer schon schwergetan. Aber als ich wegen meines Lehrauftrags regelmäßig die Schulveranstaltungen meiner Söhne verpasst habe, habe ich mich entschieden, diesen abzugeben. Die Kinder gehen vor.

Außerdem muss man auch abschalten können, ansonsten ist man schnell der Sklave seiner Arbeit.“

Organisation als Schlüssel zum Erfolg

Diese Entscheidung ist aber eine der wenigen Ausnahmen. Normalerweise lebt die Geschäftsführerin nach dem Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“. „Alles geht – es muss immer gehen. Meistens ist es nur eine Frage der Organisation. Das muss man können, egal ob privat oder beruflich“, betont sie. Das gilt auch für den Job. Grundsätzlich wird jeder Auftrag angenommen. „Erstens kann man es sich nicht immer aussuchen, und zweitens schaffen wir es auch meistens, den Auftrag erfolgreich abzuschließen.

“ Dass sie keine Scheu hat, auch neue Themen anzupacken, merkt man bei Ragoßnig-Angst sofort. „Ich bin es gewohnt, anzupacken und ein gewisses Tempo vorzugeben. Das erwarte ich allerdings auch von meinen Mitarbeitern – wahrscheinlich nicht immer zu ihrer Freude“, räumt sie ein.

Ohne diesen Charakterzug schafft man es vermutlich auch nicht, ein Unternehmen dieser Größe mit österreichweiten und europäischen Tochtergesellschaften erfolgreich zu führen und auszubauen. Momentan konzentriere man sich darauf, innerhalb Österreichs neue Gebiete zu erschließen. „Das bedeutet sowohl fachlich als auch regional. In Kärnten haben wir gerade kleinere Büros ohne Nachfolger übernommen. Aber es ist auch wichtig, sich fachlich weiterzuentwickeln. Nur auf einem Punkt zu verharren reicht längst nicht aus. Innovativ bleiben, das Ziel hatte schon mein Vater, und das Ziel verfolge auch ich“, betont sie. Ein Bereich, der das Unternehmensportfolio gut ergänzt, wäre zum Beispiel das Landmanagement. Die nächsten Herausforderungen sind demnach schon in Sicht. 


Vita

Michaela Ragoßnig-Angst
1990–1996:    Studium des Vermessungs­wesens, TU Wien
seit 1990:    Geschäftsführerin der Vermessung Angst ZT GmbH
1998:     Master of Science in Engineering Management
Seit 2002:    Ingenieurkonsulentin für Vermessungswesen
2005–2011:    Lektorin an der FH Campus Wien
seit 2008:     Mitglied im Fachbeirat für ­Stadtplanung und Gestaltung der Stadt Wien


Das Unternehmen
Angst-Gruppe
Die Unternehmensgruppe der Familie Angst mit Sitz in Wien ist seit mehr als vier Jahrzehnten branchenübergreifend im Bau- und Immobilienbereich tätig. Michaela Ragoßnig-Angst und Firmengründer Baurat h. c. Josef Angst führen überdies die internationalen Niederlassungen in Deutschland, Kosovo, Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Projekt­entwicklung, Architektur, Immobilienvermittlung und Hausverwaltung werden von Robert Angst geleitet, die Umwelttechnik von Arne Ragoßnig. Die Unternehmensgruppe Angst erwirtschaftete 2012 7,1 Millionen Euro und beschäftigt seit ­Jänner 2013 insgesamt rund 100 Mitarbeiter, davon 90 in Österreich. 

Autor/in:
Sonja Meßner
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