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Innovative Lösungen gegen Straßenlärm

12.01.2004

Nach österreichischen Erhebungen ist der Verkehr mit 70% die größte Lärmquelle. Maßnahmen gegen Lärm müssen daher vor allem beim Verkehr ansetzen, wo es bereits entsprechende gesetzliche Vorgaben gibt.
Seit Ende 1999 betragen die erlaubten Lärm-Immissionswerte entlang geplanter und bestehender Straßen 60 dB am Tag und 50 dB in der Nacht. Um diese Normen allein bei den Bundesstraßen umzusetzen, müssen in den kommenden 15 Jahren mehr als 700 Mio. Euro für Lärmschutzmaßnahmen investiert werden. In vielen Bereichen sind diese Vorgaben mit herkömmlichen Lärmschutzkonstruktionen aus Holz oder Aluminium nicht mehr zu schaffen, erklärt DI Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie. Lärmschutzwände aus Holzbeton bieten sich als optimale Lösung an und ersparen aufwändige Straßen-„Einhausungen“. Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass in Zukunft auch niederfrequenter Lärm – von den bisherigen Bestimmungen nicht erfasst – mit Frequenzen um 50 Hertz abgeschirmt werden muss.
Die Grundlagen für Schutzmaßnahmen basieren auf einer Initiative der EU. Bis zum 30. Juni 2007 müssen für Ballungsräume strategische Lärmkarten vorliegen. Um die gesundheitliche Belastung durch Lärm zu verringern, müssen bis dahin nationale Aktionspläne mit verbindlicher Prioritätenreihung erstellt werden. Friembichler: „Mit den bisherigen Lärmschutzsystemen sind die Vorgaben nicht zu schaffen – die Zeit für die Umsetzung ist denkbar knapp.“ Gerade Lärmschutzwände mit Höhen bis zu 5 m, wie bisher eingesetzt, reichen nicht aus für den notwendigen Schallschutz. Höhere Konstruktionen sind aus Gründen des Landschaftsschutzes oder der Statik nicht machbar, Einhausungen wegen ihrer hohen Kosten nur in genau definierten Bereichen finanzierbar.

Innovativer Lärmschutz aus Beton
Friembichler: „Gekrümmte Schallschutzwände aus Holzbeton erreichen ähnliche Schallschutzwerte und sind deutlich günstiger.“ Die innnovativen Produkte haben zudem den Vorteil einfacher Montage, hoher Witterungsbeständigkeit und der Wirksamkeit auch gegen Lärm mit niedriger Frequenz. Für den verbesserten Lärmschutz entlang des österreichischen Bundesstraßennetzes (Autobahnen, Schnellstraßen) werden in den kommenden Jahren hohe Investitionen getätigt. Die neuen Vorschriften zum Schutz der Anrainer bewirken, dass sich die Kosten für Lärmschutz gegenüber bisher verdreifachen. Für 2004 ist eine Aufstockung der Mittel um mehr als 50% auf 48,3 Mio. Euro geplant, erklärt Werner Kaufmann von der ASFINAG. 2005 werden die investierten Mittel auf 52,1 Mio. Euro steigen. Geplant sind ca. 30 Lärmschutzmaßnahmen pro Jahr.“

Hohe Investitionen
Allein die 2003 errichtete Fläche der Lärmschutzwände beträgt 200.000 m2, das entspricht dem Ausmaß von 35 Fußballfeldern.“ Die Investitionen dafür betragen rund 5% des gesamten Neubauvolumens der ASFINAG. Kaufmann: „Im Zuge von Generalerneuerungen werden sogar 20 bis 25% der Mittel für Lärmschutz ausgegeben.“ Bisher gibt es entlang der Autobahnen und Schnellstraßen Lärmschutzwände mit einer Gesamtlänge von 800 km, die rund 300 Mio. Euro gekostet haben. Der gesamte Bestand muss nach und nach den neuen Bestimmungen angepasst werden.

Erprobung neuer Technik
Der Handlungsbedarf beim Lärmschutz stellt die ASFINAG vor große Herausforderungen, erklärt Kaufmann: Mit den bisherigen Systemen sind die Vorschriften teilweise nicht mehr einzuhalten.“ Sind nur geringfügige Verbesserungen nötig, hilft manchmal ein schalldämmender Aufsatz an der Oberkante der Lärmschutzwände. Kaufmann: „ Wände bis zu einer Höhe von 5,5 m reichen aber oft nicht mehr aus. Um das Landschaftsbild nicht zu sehr zu beinträchtigen und den Lärmschutz trotzdem zu verbessern, besteht die Möglichkeit, die Wand ab einer Höhe von 5 m über die Fahrbahn zu neigen.“ Die Oberkante der neuen Lärmschutzelemente aus Holzbeton reicht beispielsweise mehr als 2,30 m nach innen. Kaufmann: „Schallschutzeindeckungen sind sicher die teuerste Methode zur Lärmbekämpfung. Zusätzliche Möglichkeiten sind Geschwindigkeitsbeschränkungen und eine aktive Verkehrssteuerung, die automatisch auf höheren Lärmpegel reagiert.“

Als wirksamer und wirtschaftlicher Lärmschutz sind gekrümmte Lärmschutzwände nach dem Sound Reducing System SRS optimal für die Erfüllung der neuen Immissionsziele, erklärt der Geschäftsführer der nast consulting GmbH, Dipl. Ing. Dr. Friedrich Nadler. „Im Vergleich zu einer geraden Wand kann durch SRS die empfundene Lärmstärke praktisch halbiert werden. Das bringt für die Anrainer eine Entlastung, die vergleichbar mit einer Reduzierung des Verkehrs auf ein Fünftel ist. Teure Einhausung von Straßen kann durch die neuen Systeme vielfach vermieden werden.“ SRS ist zudem wegen der niedrigeren Höhe gut in die Landschaft integrierbar und auf Basis der verwendeten Materialien wirtschaftlich herstellbar. Neben Zement wird vor allem der nachwachsende Rohstoff Holz eingesetzt, sodass auch eine spätere Entsorgung problemlos ist.
In Versuchen ist der deutlich bessere Schallschutz bestens dokumentiert. Eine gekrümmte Wand bremst den Lärm so effizient, dass auch in 700 m Entfernung von der Straße bis zu 5 m Höhe eine Lärmreduktion gemessen wird, die mit geraden Lärmschutzwänden nur in Bodennähe erreichbar ist. Nadler: Je näher eine Lärmschutzwand an den Lärmerreger herankommt und je massiver die Elemente sind, desto besser wirken sie.“ Rasch und kostengünstig ist auch die Montage der vorgefertigten Elemente. Sie werden einfach auf ein Beton-Streifenfundament geschraubt. Einzelne Elemente können so im Fall einer Beschädigung binnen kürzester Frist ausgetauscht werden.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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