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Innovatives Bindemittel aus Altstoffen

30.11.2005

Die jährlich anfallenden Baurestmassen und anorganischen Altstoffe aus industrieller Fertigung, allein im Bundesland Salzburg sind es rund 350.000 Tonnen, stellen ein weit gehend noch ungenutztes Potenzial für die Herstellung neuer und qualitativ hochwertiger Ausgangsmaterialien dar. Der überwiegende Teil der Baurestmassen wird entweder kostenintensiv deponiert oder für untergeordnete Baumaßnahmen wie Schüttungen oder Verfüllungen eingesetzt. Dass mit einer effizienten Aufbereitung aber auch eine hochwertige Nutzung von Restmassen möglich ist und dadurch die Kreislaufwirtschaft nachhaltig forciert werden kann, stellt der Halleiner Baustoff- und Transportbetonspezialist Deisl nachdrücklich unter Beweis. Das mittelständische Unternehmen hat in jahrelanger Zusammenarbeit mit dem Institut für Betonbau, Baustoffe und Bauphysik an der Universität Innsbruck einen betonähnlichen Baustoff mit Altstoffen als Bindemittel und Zuschläge entwickelt und diesen unter der Bezeichnung Puzzolan-Beton zur Produktreife gebracht.
Für die Entwicklung dieser neuartigen Zusammensetzung des Baustoffs Beton unter Verwendung von Altstoffen wurde Deisl dieser Tage mit dem Salzburger Innovationspreis 2005 ausgezeichnet. In der Begründung wurde vor allem die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie die Berücksichtigung ökologischer Aspekte im Rahmen der Produktentwicklung als richtungsweisend und beispielgebend für die Baustoffindustrie betont. Mit der Entwicklung von Puzzolan-Beton konnte der Umsatz im Geschäftsbereich Recycling um satte 15 Prozent gesteigert und so die Arbeitsplätze von acht Mitarbeitern dauerhaft gesichert werden.

Geringer Zementanteil
Der wesentliche Unterschied und die zentrale Innovation bei der Herstellung von Puzzolan-Beton gegenüber konventionellem Beton besteht in einem deutlich reduzierten Zementanteil. Als Substitut für Zement werden speziell aufbereitete anorganische, mineralische und thermische Alt- bzw. Reststoffe verarbeitet. Die für die Betonherstellung notwendige bindende Eigenschaft wird durch die gezielte Ausnutzung des latent-hydraulischen Potenzials der verwendeten Altstoffe, wie saure und basische Flugaschen, Silicatstaub oder Filtermassen aus Rauchgasreinigungsanlagen, herbeigeführt. Durch die zusätzliche Anregung mit reaktionsfähigen Calciumoxid und die Zumischung von Zuschlägen aus aufbereiteten Baurestmassen und Gießereialtsanden ist es möglich, Puzzolan-Beton mit einem sehr geringen Zementanteil herzustellen.

Ressourcen schonende Herstellung
„Die latent-hydraulischen Bindemittel aus Altstoffen erreichen zwar nicht jenen Festigkeitsgrad von Zement, dafür verfügt Puzzolan-Beton über ein geringes Schwindverhalten und ist deutlich elastischer als konventioneller Beton“, erläutert Clemens Deisl die zentralen Produkteigenschaften. Puzzolan-Beton entwickelt beim Abbinden eine deutlich geringere Hydratationswärme als konventioneller Beton. Dadurch reduziert sich die Gefahr von Schwindrissen beim Auskühlen deutlich. Puzzolan-Beton eignet sich insbesondere zur Errichtung von großvolumigen Baukörpern wie zum Beispiel Kraftwerksdämmen. Die Herstellung von Recyclingstoffen setzt eine genaue Prüfung der Ausgangsmaterialien voraus, um eine gleichbleibend hohe Qualität garantieren zu können. „In Kooperation mit der Universität Innsbruck haben wir strenge Kriterien hinsichtlich der Eignung von Reststoffen für die Herstellung von Puzzolan-Beton erarbeitet. Zusätzlich wird unser Qualitätsmanagement durch Analysen laufend von Mitarbeitern der Universität Innsbruck begleitet“, verweist Deisl auf die enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Betonbau, Baustoffe und Bauphysik. Die Idee der Wiederverwertung von Altstoffen zur Herstellung von Beton ist vor allem aus einer ökologischen Perspektive richtungsweisend. „Es ist unsere Firmenphilosophie, Reststoffe möglichst hochwertig in den Stoffkreislauf zurückzuführen. Die zentrale Überlegung im Rahmen der Entwicklung von Puzzolan-Beton bestand darin, Reststoffe mit einem latent-hydraulischen Potenzial nicht wie bisher zu deponieren, sondern für die Herstellung eines neuen Produkts zu nutzen,“ erklärt Deisl.
Die Verarbeitung von Alt- und Reststoffen im Zuge der Betonproduktion trägt dabei wesentlich zur Schonung natürlicher Ressourcen bei. Darüber hinaus entfällt durch die Reintegration der Alt- bzw. Reststoffe in den Produktionskreislauf die sonst anfallende Entsorgung und Lagerung. Mit der Entwicklung alternativer Bindemittel und Zuschlägen für Beton aus Rest- und Altsubstanzen wird auch der im Abfallwirtschaftsgesetz formulierten Zielsetzung einer Herstellung ökologisch unbedenklicher Produkte aus Altstoffen Rechnung getragen. Die Aufbreitung der latent-hydraulischen Altstoffe setzt im Gegensatz zur Herstellung von Zement keinen Brennvorgang voraus. Dadurch wird der für die Zementproduktion benötigte Bedarf an fossilen Brennstoffen eingespart und die damit einhergehenden Treibhausgasemissionen maßgeblich reduziert. In Summe verfügt Puzzolan-Beton somit über eine deutlich bessere Energie- und Umweltbilanz als konventioneller, zementgebundener Beton und ist ein gelungenes Beispiel, wie mit innovativen Recyclingkonzepten Reststoffe ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll verwertet und einer hochwertigen Nutzung zugeführt werden können.

Stefan Pruckmayr

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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