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Intelligent bauen heißt einfach bauen

26.04.2014

Leistbares Wohnen als Chance für Betonfertigteilhersteller? Helmut Oberndorfer und Werner Pröll über neue Herausforderungen und darüber, wie sich das oberösterreichsche Unternehmen Oberdorfer diesen stellt.

 

Ein kurzer Rückblick auf das abgelaufene Geschäftsjahr: Die Beton- und -fertigteilindustrie musste knapp vier Prozent Umsatzrückgang verbuchen. Wie ist das Jahr 2013 für Oberndorfer verlaufen? 
Oberndorfer: Wir konnten dank unserer konsequenten Marktbearbeitung und unserer motivierten Mitarbeiter das Jahr 2013 im Ganzen positiv abschließen und sind mit dem Geschäftsverlauf zufrieden. Gleichzeitig ist es uns gelungen, einige Samen in Marktsegmente auszusäen, die wir dann später ernten werden. So positiv wie unser Nachbar Deutschland blicken wir allerdings nicht in die Zukunft. Die Baukonjunktur schwächelt auf niedrigem Niveau. Wir erwarten aber, die Ergebnisse von 2013 halten zu können.

Leistbares Wohnen ist das Thema der Baubranche. Empfinden Sie als Hersteller von Bauelementen einen gewissen Druck?
Pröll: Die Herausforderung, Wohnraum zugleich leistbar und den höchsten technischen und gestalterischen Anforderungen entsprechend zu schaffen, ist gegeben. Die Quadratmeterkosten einer fertigen Wohnung, die durch einen Generalunternehmer errichtet wurde, werden nur mehr zu circa 60 bis 65 Prozent von den reinen Baukosten bestimmt. Der Anteil der Bauelemente für den Rohbau ist dabei fast verschwindend gering. In Zukunft muss man vermehrt die Dinge ganzheitlich betrachten: zum Beispiel die Baukosten in Bezug auf den Lebenszyklus oder die Kosten der Wärmedämmung in Beziehung zu den verminderten Heizkosten. Intelligentes Bauen muss nicht Bauen mit viel Haustechnik und Steuerungssystemen heißen, sondern kann auch die Nutzung der Speichermasse von Beton und damit „einfacheres“ Bauen bedeuten. 
Oberndorfer: Unser konkreter Beitrag liegt darin, hochqualitative, effiziente Fertigung und perfekte Logistik zu fairen Preisen anzubieten. 

Betonfertigteile sind im Industriebau oder auch im mehrgeschoßigen sozialen Wohnbau bevorzugte Bauelemente. Aber auch Ziegel und Holz drängen auf diesen Markt. Findet in diesem Bereich eine Verschiebung statt?
Oberndorfer: Was den Markt betrifft, zeichnen sich Schief­lagen ab. Derzeit muss beispielsweise in einigen Bundesländern bis zu einem Drittel der Gebäude aus Holz errichtet werden. Das führt natürlich zu Verzerrungen im Wettbewerb, weshalb wir immer wieder an die Politik appellieren, es nicht zu Bevorzugungen aufgrund von Lobbying-Kampagnen kommen zu lassen.

Der architektonische Trend geht immer mehr in Richtung schlankere und größere Bauteile benötigt. Wie viel Spielraum ist hier noch gegeben, oder sind die Grenzen des Machbaren längst ausgereizt?
Pröll: Zentral für jede Entwicklung ist der Markt und damit die Frage, ob eine Entwicklung so gut ist, dass der Markt auch mehr dafür zahlt. Die Grenzen des Werkstoffs Beton sind mit Sicherheit noch nicht ausgereizt, etwa bei den Festigkeiten oder bei den wärmetechnischen Eigenschaften. Anderseits sind natürlich Grenzen durch Physik und Statik gegeben. Gerade bei Innovationen kann man aber nie exakt sagen, ob Grenzen erreicht sind. 

Die Nutzung der Speichermasse von Beton, die Sie zuvor angesprochen haben, geht für viele mit Bauteilaktivierung einher. Auch Betonfertigteilproduzenten versuchen sich daran. Wie stehen Sie dieser Technologie gegenüber? 
Oberndorfer: Der Trend unserer Gesellschaft, sich zu Hause gemütlich einzurichten und wohlzufühlen, kommt uns da sehr entgegen. Hier kann Beton durch Bauteilaktivierung eine seiner Stärken – das Speichern von Energie – voll ausspielen. Unsere Betonwände und -decken fühlen sich an wie ein wohlig wärmender Kachelofen. Kombiniert mit erneuerbaren Energieträgern wie Wärmepumpen, Biomasse oder Solarheizung wird das Geldbörsel nachhaltig geschont.
Pröll: Die Aktivierung von Bauteilen ist auch eine Chance für die Vorfertigung in Werken. Hier wird die Branche in Zukunft sicher noch Erfolge verbuchen können. Wichtig ist, dass die Planung die Technik fest in den Griff bekommt. Ein wesentlicher Faktor ist der Rechenkern der TU Wien, mit dem die Bauteilaktivierung in absehbarer Zeit deutlich besser planbar wird. 

Sind Sie der Meinung, dass Bauteilaktivierung in Kombination mit Betonfertigteilen trotz der potenziell höheren Baukosten auch im sozialen Wohnbau Erfolg haben kann?
Pröll: Ja, sobald man die Kosten ganzheitlich sieht, also über den Lebenszyklus hinweg, inklusive Betriebs- und Wartungskosten. Ein heißes Thema ist die Frage der leitungsabhängigen Energie: Wenn ein Bauwerk immer weniger Energie von außen braucht, weil die Energiespeicherung im Gebäude so gut ist und am Dach beziehungsweise im Haus über Solar- und Photovoltaikanlagen Energie erzeugt wird, ergibt sich bald die Frage der Rentabilität von aufwändigen Zuleitungen. Und je weniger von außen kommt, desto niedriger sind die laufenden Fremdkosten für die Bewohner. Da wird sich sehr bald ein kostenoptimales Niveau zwischen Bau- und Betriebskosten über eine gewisse Lebensdauer ergeben und damit große Chancen für den Energiespeicher Beton. 

Mit Innovationswillen gegen die Krise – so beschrieb der VÖB seine Mitgliedsunternehmen. Welche Forschungsbereiche sind für Sie am erfolgversprechendsten? 
Oberndorfer: Der Fokus unserer Innovationen und Entwicklungen liegt einerseits auf der Kosteneinsparung und andererseits auf der Verbesserung der Funktionalität der Produkte, und zwar vor allem jener Produkte, die wir auf den vorhandenen Anlagen herstellen können. Derzeit steht eine Vielzahl von Projekten unmittelbar vor dem Durchbruch: Im Test befindet sich zum Beispiel der Lochblechabschaler für Aussparung bei der Doppelwand – für eine saubere Baustelle. Außerdem wird etwa die Doppelwand in Zukunft mit einem neuen Systemwandverbinder hergestellt, der viele Vorteile auf der Baustelle hat. Erdbebengebiete mit Betonfertigteilen zu versorgen ist uns ebenfalls ein großes Anliegen, und in Kombination mit dem neuen Wandsystemverbinder stehen wir unmittelbar vor einem sehr positiven Ergebnis. Dies eröffnet neue 
Märkte.

Autor/in:
Sonja Meßner
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