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Intelligente Fassaden

20.06.2014

Das Äußere von Gebäuden hat sich vom einfachen ­Wetterschutz zu einem ­Bauteil entwickelt, das hohen technischen und energetischen Ansprüche genügen muss.

Unkonven­tionelle Holzfassade mit Nisthöhlen für Fledermäuse.

Lange Zeit gingen die Menschen vor allem pragmatische Wege, um mit ihren Behausungen den Widrigkeiten der Natur zu trotzen. Zu welchen Lösungen sie dabei jeweils gelangten, hing entscheidend von den örtlich verfügbaren Baumaterialien ab. Eine scharfe Zäsur war die erste Energiekrise 1973, mit der alle herkömmlichen Fassadenkonstruktionen schlagartig obsolet wurden. Seither setzten ständig steigende Dämm­anforderungen eine Entwicklung in Gang, die immer spezialisiertere Materialien und komplexere Konstruktionen hervorgebracht hat.

Gefragt sind Systeme mit Zusatznutzen

Sogenannte intelligente Materialien für die Gebäudehülle erweitern den Spielraum bei der Planung schlanker Gebäude: So kombinieren zeitgemäße Fenster hohe Transparenz mit Wärmeschutz, Spezialverglasungen bringen Tageslicht tief ins Gebäude und schützen zugleich vor zu viel Sonnenwärme und Blendung, und innovative Fassadenkomponenten sorgen für die Wärmebalance oder ermöglichen exzellenten Wärmeschutz auf engstem Raum. Intelligent muss aber nicht völlig neu bedeuten, wie die Renaissance des Holzbaus auch bei Fassadenlösungen zeigt. Vorgefertigte Fassadenmodule eignen sich sehr gut für die energieeffiziente Gebäude­sanierung, weil sich damit die Bauzeiten deutlich verkürzen lassen. Das „Plus-Energie-Gebäude“ der Zukunft verlangt von der Gebäudehülle einen Mehrfachnutzen. Diesen bieten Fassaden zur integrierten Energieerzeugung ebenso wie solche, die Haustechnikkomponenten enthalten oder Lüftungs- und Klimatisierungsaufgaben erfüllen. Wie die Umsetzung in der Praxis aussieht, stellen wir Ihnen anhand einiger Projektbeispiele vor. 

Holz – dauerhaft, werthaltig und variantenreich

Konstruktiv sauber ausgeführte, hinterlüftete Holzfassaden sind ausgesprochen langlebig, und die technische Trennung zwischen statischer Konstruktion und Wärmedämmung und dem Witterungsschutz durch die Holzfassade ermöglicht auch nach Jahrzehnten Reparaturen mit einfachen Mitteln. Andererseits lässt die Holzfassade auch sehr individuelle Gestaltungsvarianten zu, wie das Einfamilienhaus Waldmann in Waidhofen an der Thaya zeigt. 
Der Wandaufbau in Holzriegelbauweise besteht aus einer tragenden, ausgedämmten Installationsebene innen und einer versetzt aufgedoppelten Dämmebene außen, um etwaige Wärme­brücken zu minimieren. Die Hohlräume beider Ebenen wurden mit Zelluloseflocken ausgeblasen. Für gute Wohnqualität sorgen Bau- und Dämmstoffe ohne PVC und FCKW, emissionsarme Beläge und Anstriche sowie ein großer Anteil natürlicher Materialien wie z. B. Lärchenholz für Türen, Fenster, Böden, Massivholzdecken und die Fassade. Der äußere Baukörper fällt vor allem wegen seiner unkonventionellen Oberflächengestaltung auf. An manchen Stellen überlappende Hölzer geben der Vertikalschalung aus Lärchenholz eine interessante Struktur, die durch die leicht schimmernde, graue Oberfläche noch hervorgehoben wird. Einige der schuppenförmig angeordneten Brettstöße wurden als Nisthöhlen für Fledermäuse ausgelegt. Um eine farblich möglichst einheitliche Oberfläche zu erhalten, wurden bereits vergraute Bretter aus den umliegenden Sägewerken verarbeitet. Das mit dem „klima:aktiv gold“-Standard zertifizierte Gebäude wurde heuer mit der „Goldenen Kelle“ für vorbildliche Baugestaltung in Niederösterreich ausgezeichnet und wirft mit seiner originellen Fassadengestaltung ein Schlaglicht auf die vielfältigen Möglichkeiten des Holzbaus.

Fassadensanierung mit Fertigmodulen

Bei der Sanierung eines sechsgeschoßigen Wohnhauses in Berlin-Tempelhof suchten die Architekten schaller + sternagel nach neuen Wegen, um in kürzester Bauzeit den Bestand aus den 1960er-Jahren in ein Passivhaus verwandeln zu können. Die Wahl fiel auf ein System aus vorgefertigten Holzelementen, das es erlaubte, die zu erwartenden Mietausfälle so gering wie möglich zu halten und die Fassadensanierung in nur zwei Monaten (im Winter!) durchzuführen. In den vorproduzierten Elementen ist bereits alles integriert: Fenster, Elektrotechnik, Beschattung, Fassadenhaut. Bei herkömmlicher Bauweise hätten die Bauarbeiten etwa sechs Monate gedauert.
Im Zuge der Sanierung wurde auch die komplizierte Fassadengeometrie vereinfacht. Mit den nun in den Wohnungen integrierten Balkonen ist nicht nur das Problem der Wärmebrücken gelöst, sondern es entstand auch zusätzliche, vermietbare Fläche. Die dreigeschoßigen Hohlkastenelemente wurden samt Blindstöcken und Fenstern in Österreich produziert, nach Berlin transportiert

Autor/in:
Jürgen Niederdöckl
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