Direkt zum Inhalt

Intelligente Pakete gefordert

26.11.2009

Anlässlich der Bautage in der Steiermark, Niederösterreich und Kärnten warnen die Landesinnungsmeister vor bald drohenden Einbrüchen bei Aufträgen. Unisono werden weitreichende politische Maßnahmen gefordert.

Ein Resümee über das ausklingende Jahr 2009 und einen Ausblick auf die regionale Baubranche 2010 gaben die traditionell im November veranstalteten Bautage in der Steiermark, Niederösterreich und Kärnten. „Wir bringen das Jahr mit einem blauen Auge hinter uns. Anfangs hat es größere Bedenken geben. 2008 war ein Spitzenjahr, dadurch schaut der Rückgang nicht so dramatisch aus“, zog Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel in der BauAkademie Steiermark in Übelbach Bilanz. Und warnte gleichzeitig: „Ich möchte allen ans Herz legen, sich Gedanken zu machen. Kommendes Jahr wird es schwer. Es gibt keine Mitnahmeeffekte – ganz im Gegenteil.“ Deshalb fordert der Branchenchef auch weiterhin in Richtung Politik: fiskale Anreize wie eine Weiterführung der erfolgreichen Förderaktion zur thermischen Sanierung, den vielzitierten Handwerkerbonus, Abschreibemöglichkeiten für den Häuslbauer. Jedoch, stellt Frömmel in den Raum: „Ich weiß nicht, wie sehr das gehört wird.“

Pressestelle für die Bundesinnung
Die Fachgruppentagung in seinem Heimat-Bundesland Steiermark nahm Frömmel auch zum Anlass für einen kurzen Rückblick auf ein Jahr als Bundesinnungsmeister: „Vieles, was in der Steiermark begonnen hat, setze ich nun in der Bundesinnung fort. Ich habe die Funktion in keiner lustigen Zeit übernommen.“ Weshalb nun auch neue Wege beschritten werden: Eine neue, bundesweit einheitliche Werbekampagne – mit dem Image der Baumeister im Vordergrund – wird kommendes Jahr initiiert. Und auch ein wichtiger Posten wird in der Bundesinnung geschaffen: Eine Presse- und Marketingstelle soll künftig intensive Öffentlichkeitsarbeit leisten und Marketingziele direkt umsetzen – unter anderem auch für die Landesinnungen. „Dadurch entstehen aber keine Mehrkosten, da wir bei den Agenturen sparen“, stellt dazu Frömmel klar.

Erfolgreiche Bildungsstrategie
Auch der steirische Landesinnungsmeister Alexander Pongratz gab einen Jahresüberblick. Besonders erfreulich: Beim Bundeswettbewerb der Maurerlehrlinge stellt die Steiermark gleich alle drei Bestplatzierten. Im Rahmen der Aufdingfeier wurden diese gemeinsam mit den insgesamt 495 Lehrlingen der steirischen BauAkademie feierlich geehrt. 166 Jugendliche traten ihr erstes Lehrjahr an. In Sachen Ausbildung ging man in die Offensive: Ein neues Lehrlingsheim bietet dem Nachwuchs seit heuer eine komfortable Unterkunft samt Fitnessraum und Sportplatz. Ausbildende Unternehmen wurden heuer mit insgesamt 655.000 Euro unterstützt. Und eine Neuerung bringt mehr Flexibilität für die Lehrlingsausbildung: Über ein Mediationsverfahren können Lehrverträge künftig auch gelöst werden – wenn die entsprechende Leistung nicht erbracht wird oder arges Fehlverhalten vorliegt. Erfreulich auch die Ankündigungen in Sachen Qualitäts- und Winteroffensive. In der BauAkademie wurden 84 Kurse – zu 50 Prozent gefördert – abgehalten. Die Winteroffensive wurde abermals vom Land zugesagt und mit einer Million Euro dotiert.
Weniger erfreulich, wenn auch besser als gedacht, präsentiert sich die aktuelle Bauvorschau für 2010: Die Auftragslage wird mit einem Minus von 3,3 Prozent (2009: –5,2 Prozent) prognostiziert. Im Detail: Wohnbau –3,1 Prozent, Hochbau –7,2 Prozent, Verkehrswege + 9 Prozent und Wasserbau –11 Prozent. Pongratz gibt zu bedenken: „Beim Wein geht in solcher Situation der Preis um 30 Prozent rauf, bei uns ist es umgekehrt: Der Preis fällt.“
Interessiert war die steirische Bauinnung auch an ihrem Image unter den Mitgliedern. Eine Befragung bestätigte große Zufriedenheit. 97,1 Prozent sehen ein Engagement, dass für die Mitglieder gearbeitet wird. Die Top-Wünsche an die Innung: mehr Kontakt zu den Mitgliedern, eine flexible Vertretung und effiziente Problemlösungsgestaltung. Auch die momentane Auftragslage wurde abgefragt: 63,1 Prozent der Mitglieder bemerken heuer einen Rückgang.

Auftragseinbruch auch in NÖ
Mitte November beging auch die Landes­innung Niederösterreich ihren Baugewerbetag. Gemeinsam luden die beiden Landesinnungsmeister Robert Jägersberger (Bauhauptgewerbe) und Michaela Hinterholzer (Bauhilfsgewerbe) in die BauAkademie Langenlois. Da konjunkturelle Auswirkungen die Baubranche immer später erreichen, ist die Krise für das Bau- und Baunebengewerbe noch nicht vorbei, waren sich die Diskutanten zum Thema „Wohin fährt die Konjunkturlokomotive Bauwirtschaft?“ einig. Das bestätigte auch die diesjährige Konjunkturumfrage der Landesinnung unter den Mitgliedsbetrieben, in der deutliche Auftragseinbrüche für das Frühjahr 2010 prognostiziert werden. Gemeinden und Industrie fehle derzeit der Grundoptimismus für langfristige Investitionen. Aufgrund reduzierter Bedarfszuweisungen und geringerer Steuereinnahmen, denen aber andererseits steigende Ausgaben für Sozialleistungen gegenüberstehen, verfügen die Kommunen nicht über die budgetären Mittel zur Finanzierung der erforderlichen Infrastrukturprojekte.
„Wir brauchen ein intelligentes Maßnahmenpaket 2010 für die Bauwirtschaft“, sagte WKÖ-Präsident Christoph Leitl. So müssten unbedingt Investitionen der öffentlichen Hand initiiert und der sogenannte „Handwerkerbonus“ nach deutschem Vorbild eingeführt werden. Ebenso kündigte Leitl eine WKÖ-Offensive zur Einführung einer Investitionszuwachsprämie und eine Erweiterung der ERP-Kredite für KMUs an. In die gleiche Kerbe schlug WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl und forderte die Politik auf, die thermische Sanierung von Betriebsobjekten zu forcieren und die dazu bereits zugesagten Budgetmittel endlich zur Verfügung zu stellen. Die thermische Sanierung sei eine Win-Win-Win-Situation und daher gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten eine wichtige Maßnahme, von der neben dem Auftraggeber und dem Auftragnehmer auch die öffentliche Hand profitiert.

Gegen höhere Umsatzsteuer
„Sollte die bereits öffentlich diskutierte Erhöhung der Umsatzsteuer tatsächlich kommen, fahren die Baubetriebe und deren Arbeitnehmer aufs Abstellgleis“, warnte Landesinnungsmeister Jägersberger nachdrücklich und forderte vielmehr eine Reduzierung der Umsatzsteuer auf arbeitsintensive Bauleistungen. Der preisliche Unterschied zwischen regulär arbeitenden Betrieben und der „Konkurrenz“ aus der Schattenwirtschaft betrage zumeist nur wenige Prozent und könne durch eine reduzierte Steuer großteils ausgeglichen werden. Dies wird in vielen europäischen Ländern bereits seit mehreren Jahren erfolgreich praktiziert und führt nachweislich über die volkswirtschaftliche Umwegrentabilität sogar zu Mehreinnahmen für die öffentliche Hand.
„Die Wohnbauförderung ist das Konjunkturpaket schlechthin und darf nicht angetastet werden“, mahnte Jägersberger außerdem und verwies diesbezüglich auf einen derartigen „Versuch“ beim Nachbarn Deutschland, mit der katastrophalen Folge, dass der dortige Wohnungsneubau dort praktisch zum Erliegen gekommen ist. Kritisch sprach sich Jägersberger auch gegen die 10.000-Euro-GmbH aus, da speziell im Baugewerbe eine entsprechende Eigenkapitaldecke unbedingt erforderlich ist und dies somit für diese Branche ein Signal in die falsche Richtung sei.

Auftragsminus von 45 Prozent
Ganz im Zeichen der Zukunft stand auch der Tag der Landesinnung in Kärnten. „Die Baubranche hatte noch nie solche Sorgen wie heute“, muss auch Innungsmeister Stefan Hasse der Realität ins Auge blicken. Im Juli waren die Aufträge für den Bau um enorme 45 Prozent zurückgegangen. Ein Lichtblick bestehe allerdings schon: Viele Projekte in Kärnten seien baureif, nur, so der Wermutstropfen, fehle derzeit vielerorts das Geld, um die Projekte auch tatsächlich in Angriff nehmen zu können. Für Kärntens Wirtschaftskammer-Präsident Franz Pacher ist die Bauwirtschaft ein wichtiger Motor für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, weshalb er betonte, dass „gerade jetzt die Investitionen verstärkt werden müssen“. Vor allem der Bereich der Energieeffizenz stelle einen riesengroßen Impuls für die Bauwirtschaft dar. Hier könne man jetzt viele Systeme auf einen neuen Standard bringen, nämlich alle, bei denen Energie zurzeit nicht sinnvoll eingesetzt werde.
Als Vertreter des Landeshauptman­nes war Bundesrat und WK-Vizepräsident Peter Mitterer bei der Veranstaltung. Er wies vor allem auf das neue Wohnbauförderungsgesetz hin, das ab April 2010 in Kraft sein und die Rahmenbedingungen verbessern solle. Davon könne auch die Bauwirtschaft gewinnen, und das sei besonders wichtig, denn „nicht die Politik schafft Arbeitsplätze, sondern die Unternehmen“. Sehr positiv auch die Ankündigung von Landtagsabgeordneten Christian Poglitsch: Ab 1. Jänner 2010 werden Gemeinden mit 15 Prozent der Investitionssumme gefördert, wenn sie Hochbauprojekte vorziehen. Auch das soll neue Impulse für die Bauwirtschaft bringen.
Die Kärntner Landesinnung setzt aufgrund der gegebenen Situation ihren Schwerpunkt auch in schwierigen Zeiten weiter auf eine möglichst qualitätsvolle Ausbildung, da Berufe im Baubereich große Chancen versprechen würden. Innungsmeister Hasse: „Wir wollen das Innungshaus Bau und Technik mit Leben erfüllen und zu einer Schule des Bauens machen. So können wir der Zukunft gut gerüstet begegnen.“
Das wurde auch gleich am Bautag gezeigt: Die Kindergruppe Hermagoras und die dritte Klasse der Volksschule der Benediktiner, beide aus der Landeshauptstadt Klagenfurt, besuchten die BauAkademie und durften ordentlich Bauluft schnuppern. Mit den Lehrlingen konnten die Kinder den Umgang mit Mörtel und Co ausprobieren.
Dass Tradition in Kärnten besonders zelebriert wird, wurde bei der diesjährigen Meisterpromotion eindrucksvoll bewiesen: In der neugestalteten Veranstaltungshalle wurden die jungen Baumeister, Zimmermeister, Steinmetze und Brunnenmeister in einem würdigen Rahmen willkommen geheißen. Auf dem Programm standen aber wie in den anderen Bundesländern ebenso die alljährlichen Ehrungen der ältesten Betriebe und langjährigen Kammermitglieder.

(Red.: Helmut Melzer)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Zu informativen Reise in den Oman lädt die junge Bauwirtschaft NÖ.
Aktuelles
18.08.2015

Die diesjährige Messereise der jungen Bauwirtschaft NÖ führt die Teilnehmer in den Oman und bietet viele interessante Einblicke.

Seit 1. Februar gilt in Niederösterreich eine neue Bauordnung.
Aktuelles
11.05.2015

Am 1. Februar ist die neue NÖ Bauordnung gemeinsam mit der NÖ Bautechnikverordnung 2014 und dem NÖ Raumordnungsgesetz 2014 in Kraft getreten.

Aktuelles
18.11.2014

Die Zukunft des Vergabewesens stand im Mittelpunkt des Niederösterreichischen Baugewerbetages.

Aktuelles
07.10.2014

Der Niederösterreichische Baupreis brachte auch dieses Jahr strahlende Gewinner und stellte den landesweiten Hochbau in das Rampenlicht.

News
14.02.2013

Am 25. Jänner 2013 durften sich 34 angehende Jungbaumeisterinnen und Jungbaumeister über ihre Baumeisterprüfungsurkunde, die ihnen im Rahmen der neugestalteten NÖ Baustudientage feierlich ...

Werbung