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Interspar-Markt, Schwaz - Schöne, neue Einkaufswelt

20.12.2006

Die Zeiten, in denen Supermärkte durch einfallslose, wenig bis kaum ansprechende Architektur gekennzeichnet waren, gehören zumindest in Ansätzen der Vergangenheit an. Die Tiroler Handelskette M-Preis hat es der übermächtigen Konkurrenz aus Wiener Neudorf (Rewe) und aus Salzburg (Spar) eindrucksvoll vorexerziert: anspruchsvolle Architektur und Supermärkte sind kein Widerspruch, sondern können wie im Fall von M-Preis eine befruchtende Symbiose eingehen.

Junge, ambitionierte Architekten und Planer erhalten die Chance, ihre Kreativität mit hochfrequentierten Bauwerken umzusetzen. Supermarktbetreiber wiederum können sich mit individuell gestalteten Märkten vom Einheitsbrei der Konkurrenz abheben. Aber auch die Konsumenten verlangen nach mehr: die einfallslose Triade aus grau-depressivem Parkraum, einfallslos-schlichter Halle und von schmucklosen Hochregalen gesäumten Gangschluchten ist nicht mehr ausreichend, um die Kauflust von Kunden zu animieren. Die architektonische Gestaltung von Supermärkten ist in der Vergangenheit dem kontinuierlichen Qualitätsschub der Produktpaletten deutlich hinterhergehinkt. Diese Divergenz von unästhetischem Präsentationsrahmen und hochwertigen Produkten hat die Verantwortlichen zum Umdenken bewogen und hochwertige Architektur einen höheren Stellenwert in der Konzeption von Supermärkten einnehmen lassen. Diese Entwicklung ist begrüßenswert und von entscheidender Bedeutung für die heimische Baukultur: Mit knapp 3000 Filialen und 1,9 Millionen Quadratmeter Nutzfläche zählen Spar und Rewe hier zu Lande zu den größten und bedeutensten Bauherren - nicht zuletzt aufgrund der ständigen Expansion. Die damit verbundene städtebauliche Verantwortung ist enorm: Ob ein Supermarkt lediglich die Funktion einer dichten Hülle für ein Maximum an Verkaufsfläche erfüllt oder die gebaute Komponente eines ausgeklügelten Marktkonzepts ist, das eine behutsame Einfügung in das Stadt- oder Ortsbild leistet, ist für die umbaute Umwelt von entscheidender Bedeutung. Die Marktmacht von Spar und Rewe ist unbestritten, in puncto Supermarkt- Architektur ist jedoch nach wie vor M-Preis tonangebend. Doch die beiden Lebensmittelgiganten ziehen nach. Spar setzt mittlerweile konsequent auf architektonisch anspruchsvolle Marktkonzepte. Das Shoppingcenter Europark in Salzburg und der Eurospar- Markt in Leibnitz sind mit dem renommierten Bauherrenpreis ausgezeichnet. Die Generalsanierung und Erweiterung der denkmalgeschützten Samum-Papierfabrik in Wien-Döbling hat Spar den Wiener Stadterneuerungspreis eingebracht. Um sich architektonisch abwechslungsreicher Konzepte bedienen zu können, setzt man bei Spar nicht auf einen Haus-und-Hof-Architekten, sondern arbeitet mit verschiedenen Planern zusammen. Ein nicht unbeachtlicher Teil der für Spar tätigen Planer hat sich bezeichnenderweise an das Thema Supermarkt-Architektur mit Entwürfen für M-Preis-Filialen angenähert. Auch Billa ist bestrebt, der Konkurrenz nicht nachzustehen - nähert sich jedoch dem Thema Architektur noch zögerlich an. Während bei M-Preis und mittlerweile auch bei Spar ein Trend zu pluralistischen Marktkonzepten ablesbar ist, setzt Billa nach wie vor auf ein strenges Cooperate Design mit wenig Gestaltungsspielraum.

Abstrakter Verweis auf versilberte Tradition

Das Innsbrucker Architekturbüro ATP Architekten und Ingenieure kann bereits auf zwei für den Spar-Konzern entworfene Supermärkte verweisen. Ausgangspunkt der Planung ist ein von ATP entwickeltes Corporate Design für Interspar, das zentrale Gestaltungselemente wie eine definierte Baukörperstruktur, ein überdimensionales sich über die gesamte Gebäudefront erstreckendes Schaufenster und einen roten Eingangsrahmen beinhaltet. Mit dem vor Kurzem fertig gestellten Interspar-Einkaufszentrum in Schwaz in Tirol findet jetzt ein beispielhafter Vertreter der neuen Supermarkt-Architektur Eingang in die Referenzliste der Innsbrucker Architekten. Mit einem konventionellen Supermarktbau hat der neue Interspar in Schwaz nichts gemein - ausgenommen der großflächigen Bebauung. Der lang gestreckte und elf Meter hohe Hallenkörper ist mit einer organisch geformten, silberfarbigen Dachlandschaft kaschiert - eine wohlüberlegte Reminiszenz an die jahrhundertealte Bergbautradition der Silberstadt Schwaz. Im ersten Drittel des Gebäudes ist das Dach mit einer stark skulpturalen Wölbung nach unten gezogen, berührt den Boden an einem einzigen Punkt um sich zum Baukörperanfang kegelförmig zu verjüngen. Dadurch entsteht der Eindruck, als würde die Markthalle mit ihrer in Pfosten-Riegel-Konstruktion und bis zur Gebäudeoberkante gezogenen Glasfront einer organischen Form entwachsen. Der Eindruck des Abstrakten wird durch die plastische Blechschale des Daches zusätzlich verstärkt. Die aufwändige Dachgestaltung hat die Planer zu einer alternativen Lösung für die Positionierung der Haustechnikaufbauten gezwungen. Anstatt die haustechnischen Anlagen wie üblich auf das Flachdach zu verfrachten um dadurch zusätzliche Verkaufsfläche zu gewinnen, haben die Innsbrucker Architekten die Haustechnikanlage ins Gebäude integriert und somit einen klaren, von Zu- und Aufbauten bereinigten Baukörper umgesetzt.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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