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Jahresabschlussanalysen von Bauunternehmen in der Theorie und Praxis

20.11.2019

Jahresabschlussanalysen können gerade für KMUs wesentliche Informationen liefern.

Die Baubranche sieht sich laut Österreichischem Kreditschutzverband KSV1870 traditionellerweise mit der Tatsache konfrontiert, zu jenen Branchen zu zählen, in denen mitunter die häufigsten Unternehmensinsolvenzfälle auftreten. Der Großteil dieser Insolvenzfälle betreffen Klein- und Mittelunternehmen. Über die Hälfte dieser Insolvenzen lassen sich auf innerbetriebliche und betriebswirtschaftliche Unzulänglichkeiten zurückführen.

Sachverhalte objektivieren

Ausgehend von diesen Fakten kann für KMUs der Bauwirtschaft unter anderem die Notwendigkeit zum Einsatz von Werkzeugen der Unternehmensanalyse und -steuerung abgeleitet werden. Jahresabschlussanalysen stellen ein solches Werkzeug dar, indem sie Sachverhalte objektivieren, sodass betriebswirtschaftliche Entwicklungen analysiert und kontrolliert werden. Aufbauend auf diesen Informationen ergeben sich Maßnahmen zur gezielten Unternehmenssteuerung. Vor diesem theoretischen und praktischen Bezugsrahmen wurde am Arbeitsbereich Baumanagement der TU Graz eine Forschungsarbeit zum Themengebiet Jahresabschlussanalysen ausgearbeitet, um KMUs der Baubranche Potentiale und Handlungsempfehlungen diesbezüglich aufzuzeigen und somit der oben genannten Problemstellung entgegenzuwirken.

Dies geschieht zunächst mittels eines theoretischen Bezugsrahmens, welcher sich auf Literaturrecherchen stützt und auf Grundlagen von Unternehmenskrisen, Jahresabschlussanalysen sowie der Bauwirtschaft und ihre Unternehmensmerkmale eingeht. Im praktischen Teil dieser Arbeit werden die aus der Sicht externer Experten empirisch erhobenen Erfahrungen zu dieser Thematik geschildert sowie einerseits mit den theoretischen Betrachtungsweisen verglichen und andererseits die unterschiedlichen Blickwinkel der Experten aufgezeigt. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse lassen sich für KMUs der Bauwirtschaft Potentiale und Handlungsempfehlungen zum Einsatz von Jahresabschlussanalysen ableiten.

Was tun?

Die Handlungsempfehlungen beziehen sich hierbei unter anderem auf die Aufbereitung des Jahresabschlusses, Schwierigkeiten in der Umsetzung und Anwendung von Jahresabschlussanalysen sowie auf die Auswahl aussagekräftiger Kennzahlen und Kennzahlensysteme. Hinsichtlich der Potentiale von Jahresabschlussanalysen gaben befragte Experten zu 60 Prozent an, dass Jahresabschlussanalysen und daraus entwickelte Steuerungsmaßnahmen großes Potential zur Verhinderung von Unternehmenskrisen besitzen. Die übrigen 40 % kennen Jahresabschlussanalysen mäßiges Potential zur Verhinderung von Unternehmenskrisen zu. Diese Tatsache begründet sich durch die Grenzen solcher Analysen, beispielsweise ist hier die Vergangenheitsorientiertheit und somit die Inaktualität des Jahresabschlusses zu nennen.

Den Empfehlungen der befragten Experten zufolge ist der Einsatz bereits ab Kleinst-unternehmen der Baubranche sinnvoll, was praktisch jedoch nur in geringem Ausmaß passiert. Demnach findet in nur 18 Prozent der Kleinunternehmen ein Einsatz von Jahresabschlussanalysen statt. Bei Bauunternehmen bis 100 Beschäftigten kommen dem immerhin 43 Prozent nach, bei mittelgroßen Bauunternehmen steigert sich dieser Wert auf 72 %. Als Gründe für die Vernachlässigung solcher Analysen sehen Experten oft die mangelnde Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Aspekte in Unternehmen, wodurch eine unzureichende Qualität des Rechnungswesens beobachten lässt.

Autor/in:
Gottfried Mauerhofer

ist Professor für Baumanagement am Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft an der TU Graz.

www.bbw.tugraz.at

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