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Franz Hartmann ­(Vertriebsdirektor), Michael ­Wiessner (Geschäftsführer) und Werner Kopp (Technical Development & Marketing) bei Saint-Gobain Isover Austria (v. l.).

Jetzt erst recht

31.08.2016

Nach dem herausfordernden Jahr 2015 will der Dämmstoffhersteller Saint-Gobain Isover in Österreich mit einem erweiterten Produktportfolio neu durchstarten. 

Als hätten die Dämmstoffhersteller nicht schon genug mit niedrigen Sanierungsraten, Preisdumping und fehlenden politischen Anreizen zu kämpfen. Beim Glaswolleproduzenten Isover kam im vergangenen Jahr auch noch die Stilllegung des österreichischen Produktionsstandorts in Stockerau hinzu. Nach einer umfassenden Umstrukturierungsphase gibt der zum Saint-Gobain-Konzern gehörende Dämmstoffprofi neu aufgestellt ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Warum der österreichische Markt nun sogar noch wichtiger als vorher ist und mit welchen ­Produkten und Lösungen man die Kunden zurückgewinnen will, verraten Geschäftsführer Michael Wiessner, Verkaufsdirektor Franz Hartmann und Werner Kopp, Technical Development & Marketing.

Nach den Turbulenzen im vergangenen Jahr: Wie läuft für Saint-Gobain Isover das Geschäftsjahr 2016?
Wiessner: Man braucht nicht um den heißen Brei herum­reden: Die Stillegung des Werks und die Entlassungen waren ein Schock für alle. Es ist auch nicht zu leugnen, dass wir bei unserem Kern­produkt Glaswolle teilweise Marktanteile verloren haben. ­Allerdings sind diese Verluste geringer als erwartet, denn unsere Kunden sind ­extrem loyal.

Hartmann: In Stockerau haben wir lang zahlreiche Spezial­produkte extra für den österreichischen Markt produziert. Diese bieten wir nun nicht mehr an – das sorgt bei Kunden natürlich nicht für Begeisterung. Unsere Aufgabe ist jetzt, unsere Kunden zu überzeugen, dass unsere Produkte weiterhin top sind und sie bei uns weiterhin für alle Anwendungsfälle die passenden Lösungen finden. 

Wiessner: Letztendlich profitieren auch die Kunden von unserer Neuausrichtung in Österreich. Denn nun können wir uns aus dem gesamten Isover-Portfolio aus den umliegenden Ländern und Werken bedienen. In der Praxis bedeutet das: In ein paar Spezial­bereichen der Glaswolle sind wir vielleicht nicht mehr so flexibel wie ­früher, dafür bieten wir nun ein deutlich größeres Produkt­spektrum und zahl­reiche neue Lösungen in anderen Bereichen. Dafür hatten wir im Vorfeld keine Kapazitäten, da in Österreich ­die Auslastung des Produktionsstandorts Stockerau im Fokus stand. 

Heißt das, der österreichische Markt spielt auch ohne Produktions­standort weiterhin eine relevante Rolle für den Isover-Konzern?
Wiessner: Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, und ich kann die Frage ganz klar mit Ja beantworten. Österreich ist für uns ein traditionell sehr wichtiger Markt, in dem wir großes Potenzial sehen. Wir wollen und werden uns auf keinen Fall aus einem so attraktiven und technisch hochentwickelten Markt zurückziehen. Österreich ist für uns ein Kerngeschäft – und zwar jetzt mehr denn je. Denn nach der Umstrukturierung können wir nun die geballte Lösungskompetenz, die wir konzernweit besitzen, bündeln und in Österreich unseren Kunden anbieten. 

Können Sie vielleicht schon ein paar Beispiele für die breitere ­Produktpalette nennen? 
Wiessner: Momentan erarbeiten wir, auf welche Produkte und Zielgruppen wir uns in Österreich fokussieren werden. Ich kann Ihnen aber garantieren, dass das Portfolio in zwölf Monaten deutlich umfangreicher sein wird als heute. Um ein ­Beispiel zu ­nennen: Im vergangenen Jahr konnten wir bereits sehr erfolgreich die Hoch­leistungsmineralwolle Ultimate lancieren – in dem Bereich wird sich Isover sicherlich auch in Zukunft stärker engagieren und Lösungen für weitere Anwendungsgebiete ent­wickeln. ­Darüber hinaus widmen wir uns zusammen mit Schwester­unternehmen wie Saint-Gobain Rigips dem klassischen Hochbaumarkt. Gemeinsam arbeiten wir an Lösungen, die eine bessere Performance bieten, leichter zu verarbeiten und/oder wirtschaft­licher sind. Anfang 2017 können wir sicher schon deutlich ­konkretere Auskünfte zu neuen Produkten und Innovationen geben. 

Viele Hersteller versuchen, ihren Kunden durch Service und Dienstleistungen einen Mehrwert zu bieten und sich dadurch einen Marktvorsprung zu erarbeiten. Wie schaut es diesbezüglich bei Isover aus?
KOPP: Wir haben das Glück, dass wir unsere Ressourcen in diesem Punkt mit den deutschen Kollegen bündeln und dadurch viel schlagkräftiger agieren können. Gerade im Bereich Digitalisierung ist das ein großer Vorteil. Ein Beispiel ist Isover-Live – wie der Name schon sagt, eine Live-TV-Sendung, in der Anwendungen für Gebäudelösungen vorgestellt werden und Zuschauer per Chat Fragen stellen können. Die Episoden wurden auf Youtube mehr als 2,5 Millionen Mal geklickt. Dieses Format möchten wir gemeinsam mit Partnern auch in Österreich viel stärker vermarkten und ausbauen. Wir arbeiten außerdem an verschiedenen Isover-Apps – die ersten Versionen wollen wir 2017 präsentieren. 

Wiessner: Ein weiteres Ziel ist es, eine Art Konfigurator zu entwickeln, mit dessen Hilfe Anwender ganze Wandkonstruktionen detailliert planen und optimieren können. Zudem werden wir ebenfalls Anfang 2017 einige BIM-Lösungen vorstellen. 

KOPP: Unabhängig von den digitalen Serviceleistungen legen wir auch den Fokus auf unser Schulungsangebot, das wir in ­Österreich weiter ausbauen werden. Hier setzen wir vermehrt auf die Zusammen­arbeit mit unserer Schwesterfirma Rigips.

Eine breite Produktpalette und mehr Serviceangebote ­zaubern jedoch kein zusätzliches Bauvolumen herbei. Was wäre Ihrer Meinung nach notwendig, um nachhaltige Impulse zu setzen?
Hartmann: Das größte Potenzial für Dämmstoffe liegt klar in der Modernisierung. Allerdings sind wir von der angestrebten Sanierungsquote von drei Prozent meilenweit entfernt. Maß­nahmen wie der Sanierungsscheck haben leider auch nur kurzfristig geholfen. Die bürokratischen Hürden sind so groß, dass sich der Aufwand nicht lohnt und viele Leute darauf verzichten. Hier hat es die Dämmstoffbranche auch ein bisschen verschlafen, zusätzliche Aktivitäten zu setzen. Die niedrigen Energiepreise spielen uns in diesem Punkt auch nicht gerade in die Hände. 

Wiessner: Es wäre wichtig, dass die Politik einen Mix aus vernünftigen, nicht überbürokratisierten Anreizen schafft. Gleich­zeitig müsste es uns als Industrie gelingen, den Hausbesitzern zu vermitteln, dass es bei einer thermischen Sanierung nicht nur um Energie­kosten, sondern auch um den Werterhalt der Immobilie und damit um ­langfristige Sicherheit geht. An diesen Kommunikations­schritten muss in der gesamten Dämmstoffbranche dringend gearbeitet ­werden. Allerdings will ich mir nicht zu viele Hoffnungen machen, denn der Markt ist momentan von einem sehr starken Wettbewerb und von Partikular­interessen geprägt. Aus meiner Sicht wäre dies aber das Paket, das man gemeinsam schnüren müsste. Realistisch gesehen, sind wir davon jedoch weit entfernt. Deshalb müssen wir uns auf die eigenen Hinterbeine stellen und zumindest unseren Part dazu ­beitragen, dass das, was gebaut wird, auch zu einem hohen Anteil mit Isover-­Produkten realisiert wird.

Autor/in:
Sonja Meßner
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