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Kapital durch Personal

04.02.2011

Jörn Wisser ist als einer der Geschäftsführer der Alpine Bau unter anderem für Personal verantwortlich. Mit einer umfassenden Aus- und Weiterbildungsoffensive sagt er dem Fachkräftemangel erfolgreich den Kampf an.

Jörn Wisser kennt das Baugeschäft von der Pike auf. Ein Vorteil für die Alpine – denn der Human-Ressources-Verantwortliche weiß, worauf er bei den Mitarbeitern schauen muss. Wesentlich früher als der Mitbewerb startete Wisser im Konzern eine Aus- und Weiterbildungsoffensive – einerseits weil der das Weiterwachsen des Unternehmens mit kompetenten Mitarbeitern sicherstellen will, anderseits weil der Fachkräftemangel zusehends zu einem Problem zu werden drohte. Wisser gründete eine Personalabteilung und das Recruiting in der Alpine. „Die Mitarbeiter sind für mich der eigentliche Wert eines Unternehmens. Einen Kran oder einen Bagger kann man jederzeit kaufen – einen guten Mitarbeiter nicht. Vor allem gehört auch dazu, diesen bei der Firma zu halten und zu begeistern, da muss sehr viel mehr stimmen als nur Tanken und Schmieren – wie beim Baugerätefuhrpark.“

Der Alpine-Konzern hat rund 15.234 Mitarbeiter. Wisser gibt zu: „Alle begeistern zu können wird schwierig sein. Aber mein Ziel ist, dass meine Mitarbeiter gern in die Arbeit gehen. Natürlich stehen auch eher unangenehme Themen wie Personalkostencontrolling an.“ Dennoch: Wissen ist Macht und die Kompetenz der Mitarbeiter der Erfolgsgarant für das Unternehmen – und Wisser ist sich dieser Tatsache bewusst. 2010 investierte die Alpine mehr als zwei Millionen Euro in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Auch 2011 wird trotz schwierigen Umfelds dieses Budget zur Verfügung stehen. Eine Lehrlingsoffensive bietet zusätzliche Ausbildungsplätze. „In Zeiten des Kostendrucks und der allgemeinen Budgetknappheit legen wir mit unserem Bildungsbudget ein eindrucksvolles Zeugnis für die Wichtigkeit der Qualifizierung der Mitarbeiter ab“, erklärt Wisser. Bis dato absolvierten rund 3.500 Mitarbeiter hausinterne Schulungen. Besonders begehrt sind Lehrgänge für Techniker und Bauleiter.

Mit rund 200 Lehrlingen ist die Alpine einer der größten Ausbildungsbetriebe Österreichs: „Unsere soeben gestartete Lehrlingsoffensive verfolgt nicht nur das Ziel, diese Zahl in den nächsten Jahren weiter zu erhöhen und mehr jungen Menschen eine Chance und einen interessanten Arbeitsplatz zu bieten, sondern auch, die hohe Qualität der Ausbildung noch weiter anzuheben“, so Wisser. Gerade jetzt ist man bei Alpine wieder auf Lehrlingssuche. Es werden 60 bis 80 vor allem Maurer-, Tiefbauer- und Schalungsbau-Lehrlinge gesucht.

Gut gerüstet für die Zukunft
„Das größte Kapital der Alpine sind die rund 15.234 Mitarbeiter. Nur durch ihre permanente Aus- und Weiterbildung sind wir für die Zukunft bestens gerüstet“, ist Dietmar Aluta-Oltyan, Miteigentümer und Aufsichtsratspräsident des Alpine Baukonzerns überzeugt. Die systematische Weiterbildung wird 2011 weiter fortgeführt. Die angestrebte Qualifizierungsoffensive, die Entwicklungsmöglichkeiten für alle Mitarbeitergruppen bietet, soll die Kompetenz der Mitarbeiter weiter erhöhen. Neben fachspezifischen Schulungen will Wisser mit Trainee- und Mitarbeiter-Austauschprogrammen den internationalen Know-how-Austausch weiter forcieren. „Kompetenzen kennen eben keine Grenzen“, meint Michael Pichler von der Abteilung Recruiting und Personalentwicklung der Alpine, „besonders begehrt sind die von uns entwickelten Ausbildungslehrgänge für Techniker und Bauleiter. Dabei setzen wir auf Qualität und hohe Umsetzungsorientierung der Schulungsinhalte.“

Ständig weiterentwickeln
Wer sich bei der Alpine vorstellt, durchläuft einen Aufnahmeprozess: Man bietet Schnuppertage an, Tests, um das räumliche und technische Verständnis abzuklären, aber auch das Gefühl für Zahlen festzustellen. Dann wird der junge Kandidat einem Polier zugeordnet. Daraus leiten sich die nötigen Qualifikationen ab. Nach diesem Ablauf erfährt man, ob man genommen wird. Darüber hinaus müssen auch die körperlichen Voraussetzungen gegeben sein.
Für Wisser ist die Lehre das Fundament fürs Leben. Daher wird hier großen Wert auf ein optimales Zusammenspiel zwischen Eltern, Auszubildenden, Schule, Ausbildner gelegt. „Wer die Lehrlingsprüfung mit sehr gut abschließt, erhält eine Prämie von 1.000 Euro“, so Wisser. Gerade im Baubereich ist die Lehrlingsentschädigung äußerst attraktiv. Kfz-Mechaniker oder Bürokaufmann-Lehrlinge erhalten im Schnitt um 30 Prozent weniger. Im dritten Lehrjahr verdient man am Bau bereits 1.500 brutto.

Die Bauwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert – Wisser will seine Mitarbeiter auf die neuen Rahmenbedingungen rechtzeitig vorbereiten. „Generell gibt es eine Verrechtlichung am Bau, aber auch eine Beschleunigung des Bauens, eine unglaubliche Produktivitätssteigerung. Alle diese Dinge haben positive und negative Aspekte. Durch den bürokratischen Aufwand rückt das eigentliche Ziel, ein ordentliches Bauwerk zu schaffen, manchmal dann plötzlich in den Hintergrund. In der Struktur der Bauwirtschaft hat sich in den vergangenen 20 Jahren sehr viel verändert. Es hat einen sehr großen Konsolidierungsprozess gegeben. Es hielten sich drei große Baufirmen in Österreich. Es wird für Baumeisterbetriebe Nischengeschäfte geben, lokale oder spartenmäßige Nischen.“

(Redaktion: Gisela Gary)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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