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Kaum Aufwärtstrend beim Handwerk

08.10.2010

Österreichs stärkster Wirtschaftssektor, Gewerbe und Handwerk, kann trotz positiver Prognosen für die Gesamtwirtschaft noch nicht aufatmen.

„Der Aufwärtstrend ist hier noch nicht angekommen", präsentiert Helmut Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria, den aktuellen Konjunkturbericht für das erste Halbjahr 2010. Im Durchschnitt sind die Auftragseingänge beziehungsweise Umsätze gegenüber 2009 um 1,4 Prozent gesunken. Besonders der heimische Bau ist betroffen: Hier ist ein Minus von 3,9 Prozent zu vermelden. Dementsprechend sind baunahe Bereiche stärker betroffen. Schlosser verzeichnen gar einen Rückgang von –18 Prozent bei Aufträgen und Umsatz, aber auch das Bauhilfsgewerbe (–16 Prozent), die Bodenleger (–7 Prozent) und die Installateure (–6 Prozent) haben momentan keinen rechten Grund zur Freude. Bornett: „Da steckt die Schwäche des Baugewerbes dahinter, die beim Handwerk mit ein bis zwei Quartalen Verzögerung eintrifft."

Die Stimmung ist dennoch besser als die reale Situation: 28 Prozent der 5.089 befragten Betriebe beurteilen die Geschäftslage im dritten Quartal als gut, 55 Prozent als saisonüblich. „Es stellt sich aber die Frage, wie sich im Herbst die Budgetmaßnahmen entwickeln", erklärt Bornett. In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres um 1,1 Prozent gesunken. Differenziert nach Kundengruppen meldeten die Betriebe –1,2 Prozent bei den privaten und gewerblichen Auftragebern und –0,2 Prozent bei den öffentlichen. Der Anteil der öffentlichen Aufträge am Gesamtauftragsbestand beträgt 14,5 Prozent und liegt damit ein wenig über dem Wert aus dem Vergleichsquartal (14,4 Prozent). Ein deutliches Bild zeigt die Auslastung der Unternehmen: 44 Prozent könnten sofort Aufträge ausführen, 45 Prozent in drei Monaten. Die Erwartungen der Betriebe für das vierte Quartal 2010 haben sich zum Vorjahr jedoch verbessert: 23 Prozent der Betriebe rechnen mit steigenden Auftragszahlen und Umsätzen (2009: 14 Prozent), 63 Prozent erwarten keine Veränderung (61 Prozent).

Kritisch betrachtet Bornett die Entwicklung bei den Aufträgen der öffentlichen Hand: „Der Anteil ist in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen, auf zehn bis maximal 15 Prozent. Die Masse kommt aus den Regionen und Gemeinden. Vor Jahren war es noch ganz anders. Da lag der Anteil bei rund 25 Prozent. Im Baugewerbe im Wien gar bei 35 Prozent." Und auch Großausschreibungen seien eine Fehlentwicklung, bei denen kleine Unternehmen nicht zum Zug kämen.

(Redaktion: Helmut Melzer, Bauzeitung)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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