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Klein, kräftig und ungebunden

20.08.2010

Netbooks sind klein, leicht, preiswert und erfreuen sich auch am Bau zunehmender Beliebtheit. Doch was können Netbooks, und wann sind sie überfordert: Das erhebt dieser Produktvergleich der neuesten Kleinen.

Netbooks boomen, denn sie sind preiswerter, kleiner und leichter als herkömmliche Notebooks. Die Mini-PCs haben die Größe eines Terminplaners, wiegen etwa 1,5 Kilogramm und verfügen über ein sieben bis zwölf Zoll großes LC-Display, was einer Bildschirmdiagonale von 18 bis 30 Zentimeter entspricht. Ohne Steckdose halten sie, je nach Gerät und Nutzung, vier bis zehn Stunden durch. Damit sind sie wie geschaffen für den mobilen Einsatz.

Netbooks ab einer Bildschirmdiagonale von 10,1 Zoll (ca. 25 Zentimeter) sind für viele Einsatzbereiche eine zunehmend interessante Alternative zu den größeren und schwereren Notebooks (ab ca. 40 Zentimeter, 2,5 Kilo). Für Baustellentermine, Besprechungen, die Präsentation beim Kunden, die Erfassung von Gebäudedaten, von Baumängeln, Mess- oder Bestandsdaten vor Ort sind sie ideale Begleiter. Ist das Gerät mit einem Mobilfunk-Modul oder -Stick ausgestattet, können auch E-Mails abgerufen bzw. versandt, Produktinformationen online recherchiert oder Informationen aus dem Büronetzwerk von unterwegs abgerufen werden. Auf der integrierten Festplatte kann man alle relevanten Büro- und Projektdaten überallhin mitnehmen. Das digitale Büro für die Manteltasche wird mit einem Netbook Realität.


Sparsame Ausstattung

Zur aktuellen Netbook-Ausstattung zählen ein Arbeitsspeicher von 1 GB Größe, eine 160 oder 250 GB große Festplatte, zwei bis drei USB-2.0-Anschlüsse, ein Multiformat-Kartenleser, ein VGA-Ausgang für den Anschluss externer Monitore, LAN/WLAN für den Netzwerk-/Internet-Anschluss, eine Webkamera, Lautsprecher und Mikrofon sowie ein Audioein- und -ausgang. Angetrieben werden Netbooks von einem rechenschwachen, aber sparsamen Prozessor (meist Intel Atom). Aktuelle Modelle werden mit dem für Netbooks abgespeckten Betriebssystem Windows 7 Starter ausgeliefert, aber auch Geräte mit dem älteren Windows XP oder mit verschiedenen Linux-Versionen werden offeriert.

Zum Netbook gehören ein wechselbarer Lithium-Ionen-Akku, ein Netzteil sowie teilweise eine Schutzhülle oder -tasche. In der Regel nicht enthalten, aber optional intern aufrüstbar respektive extern anschließbar sind ein ExpressCard-Schacht für Erweiterungskarten, eine Bluetooth-Schnittstelle für die kabellose Datenübertragung über kurze Distanzen, ein DVD-Laufwerk sowie Mobilfunk für den mobilen Internet-Zugang. Letzteres ist mit einem eingebauten Mobilfunkmodul oder extern anschließbaren Stick möglich, den man inklusive Mobilfunkvertrag und Netbook teilweise auch für einen symbolischen Preis von einem Euro erhält.

Energiesparmeister
Unschlagbar sind Netbooks aus der Energiespar-Perspektive. Je nach Modell, Ausstattung und Nutzung verbrauchen sie nur zwischen 10 und 20 Watt. Kaum ein anderer Rechner verbraucht weniger Energie und verursacht niedrigere Betriebskosten. Gegenüber dem noch sparsameren PDA (Personal Digital Assistant) verfügen Netbooks über den Vorteil einer QWERTZ-Tastatur, mit der man durchaus auch längere Texte schreiben kann. Neben dem kleinformatigen Display mit vergleichsweise geringer Auflösung (etwa 1.024 x 600, bei Notebooks etwa 1.600 x 900 Bildpunkte) gehört die Tastatur aber auch zu den Schwachpunkten.

Die Tasten sind etwas kleiner und zudem anders belegt, als bei konventionellen Notebooks. Es bedarf daher einer Eingewöhnung, bis man flüssig tippen kann. Als ebenso lästig kann sich bei der Programminstallation oder Datenarchivierung das fehlende optische Laufwerk (DVD) erweisen. Eine einfache, aber mit einer Zusatzinvestition verbundene Abhilfe schafft ein per USB-Schnittstelle anschließbares CD-/DVD-Laufwerk (ca. 40 Euro) oder ein externer DVD-Brenner (ab 60 Euro), den man auch zur Datensicherung nutzen kann. Alternativ ist eine Installation über einen USB-Stick, eine USB-Festplatte, eine Speicherkarte, das Netzlaufwerk respektive ein im Büro-Netzwerk freigegebenes CD/DVD-Laufwerk möglich (weitere Infos: www.teltarif.de/netbook-software-installation/news/34670.html).

Problematisch sind Netbooks aus ergonomischer Sicht: Lassen sich insbesondere die größeren 17-Zoll-Notebooks mit Notebookständer und PC-Tastatur zu einem nahezu vollwertigen Desktop-Arbeitsplatz umfunktionieren, ist das bei Netbooks nur mit einem zusätzlichen Flachbildschirm möglich. Überfordert sind Netbooks auch, wenn es auf Rechenleistung oder eine leistungsfähige Grafikkarte ankommt oder wenn Pläne oder Fotos großformatig abgebildet werden sollen. Dann sind die größeren und leistungsstärkeren Notebooks sinnvoller, die man für etwa den doppelten Preis erhält. Immer dann, wenn es vor allem auf kompakte Abmessungen und geringes Gewicht, weniger auf Rechenleistung und Ergonomie ankommt, sind Netbooks aber eine gute Lösung.


Netbook-Varianten

Nur zweieinhalb Jahre ist es her, dass mit dem Eee PC von Asus erstmals ein „Mini-Notebook“ mit Sieben-Zoll-Bildschirm für seinerzeit unglaubliche 300 Euro in den Handel kam. Er wurde schnell zum Verkaufsschlager und begründete sogar ein neues Marktsegment – das der Netbooks, die inzwischen in zahlreichen Größen, Ausstattungen und Bauarten offeriert werden. Die Größen liegen zwischen 7, 10,1, 11,6 und 12,1 Zoll Bildschirmdiagonale, wobei die Grenzen den zu kleinen und leichten Notebooks – den sogenannten „Subnotebooks“ – fließend sind. Die Ausstattungsvarianten (CPU, Festplatte, Mobilfunk etc.) sind mittlerweile fast ebenso zahlreich wie bei den großen Pendants.

Bei den Bauarten unterscheidet man zwischen den konventionellen Netbooks und den sogenannten „Netvertibles“. Das sind Geräte mit berührungssensitivem und vertikal um 180 Grad drehbarem LC-Display, das man mit der Displayseite nach oben über die Tastatur klappen kann. Dadurch erhält man ein Tablett-PC, das mit einem Stift oder den Fingern vollständig über das Display bedient werden kann. Sogenannte Multitouch-Displays ermöglichen die Softwaresteuerung über Fingergesten. Auch als Outdoor-Version für Einsätze unter rauen Umgebungsbedingungen, beispielsweise auf feuchten, staubigen Baustellen, sind mobile PCs im Netbook-Format von Getac, Panasonic, Itronix etc. erhältlich. Diese Geräte verfügen über diverse Schutzmechanismen und ein besonders robustes Gehäuse mit Gummiarmierung, sodass Stöße oder Stürze von der Tischkante, Staub oder Spritzwasser klaglos hingenommen werden. Der Zusatzschutz macht die Geräte allerdings größer, schwerer und vor allem deutlich teuerer (siehe bauzeitung 14/09).

Darauf sollte man achten
Prozessor/Arbeitsspeicher/Festplatte: Das Herzstück von Netbooks sind stromsparende, für den mobilen Einsatz konzipierte Prozessoren (CPUs). Aktuelle Geräte enthalten meist den Intel-Atom-Prozessor der Generation „Pine Trail“ (N450) mit integriertem Grafikkern und einem zusätzlich verminderten Strombedarf. Standardmäßig werden Netbooks heute mit 1 GB RAM ausgestattet, wobei meist eine Aufrüstung auf 2 GB möglich ist. Je mehr RAM zur Verfügung steht, desto weniger häufig müssen Daten auf die Festplatte ausgelagert bzw. in den RAM gelesen werden. Das kommt der Akkulaufzeit zugute. Auch bei der Festplatte gilt: je größer, desto besser. Größen zwischen 160 und 250 GB sind bei aktuellen Modellen Standard. Da man über die USB-Schnittstelle Speichersticks oder externe 2,5-Zoll-Festplatten ohne separaten Stromanschluss anschließen kann, ist knapper Speicherplatz unterwegs heute kein Thema mehr.

Display: Wichtige Qualitätskriterien von Netbook-Displays sind die Bildschirmauflösung, Größe, Helligkeit und der Kontrast. Die aktuelle Standardauflösung bei konventionellen Netbooks liegt bei 1.024 x 600 Bildpunkten (WSVGA), wobei es auch andere Auflösungen gibt. Eine sinnvolle Displaygröße liegt zwischen 10,1 und 12,1 Zoll. Displays (und Tastaturen) von 7-Zoll-Netbooks sind für den beruflichen Einsatz einfach zu klein. Das Maß für die Bildhelligkeit ist die Leuchtdichte, gemessen in Cd/qm (Candela/Quadratmeter), die bei Netbooks zwischen 130 und 240 liegt. Matte Bildschirmoberflächen sind besser als Hochglanzvarianten, da sie keine störenden Spiegelungseffekte erzeugen. Trotz hoher Bildhelligkeit und matter Bildschirmoberfläche – bei starkem Sonnenlicht ist auch auf einem guten Netbook-Display kaum etwas zu erkennen.

Schnittstellen/Kommunikation: Ebenso wie ein LAN-Anschluss für die Anbindung an das Computernetz zum Standard gehören, gehören auch zwei bis drei USB-Schnittstellen für den Anschluss von Maus, Drucker/Plotter, USB-Stick/Festplatte etc. zur Pflicht. Nützlich für die schnelle Übertragung von Digitalkamera-Fotos auf den Rechner ist ein eingebauter Multiformat-Speicherkartenleser, der auch den Speicherkarten-Typ der eigenen Kamera erkennen sollte. Mobilität beim Zugriff auf Netzwerke bietet in erster Linie das drahtlose lokale Netzwerk (WLAN), das zur Netbook-Grundausstattung gehört, wobei es jedoch Unterschiede hinsichtlich der Empfangsqualität und Datenübertragungsrate gibt (aktuell ist der IEEE 802.11n-Standard). Zur nachrüstbaren Zusatzausstattung gehören ein Mobilfunk-Stick (UMTS-Standard) für den mobilen Internetzugang außerhalb von Hotspots (drahtlose Internetzugriffspunkte) sowie ein Bluetooth-Stick für die kabellose Kommunikation mit dem Drucker, Desktop-PC etc. Wer sich für ein Paket Netbook plus UMTS-Stick interessiert, sollte die Nutzungsgebühren des dazugehörigen Mobilfunkvertrags mit anderen Angeboten vergleichen.

Akkus: Ein wichtiges Auswahlkriterium ist die Akkulaufzeit, denn sie spielt beim mobilen Einsatz eine große Rolle. Viele Netbooks machen bei einem realistischen Nutzungsprofil schon nach drei bis vier Stunden schlapp. Herstellerangaben sind mit Vorsicht zu genießen, denn die angegebenen vier bis zehn Stunden Akkubetrieb und mehr sind nur bei praxisfernen, extrem sparsamen Festplattenzugriffen, geringer CPU-Auslastung, minimaler Displayhelligkeit etc. zu erreichen. Behelfen kann man sich mit einem zweiten Akku-Satz (40–100 Euro). Wichtig ist auch, wie schnell man leere Akkus wieder aufladen kann. Eine Ladestandsanzeige hilft, die noch verfügbare Akkulaufzeit besser abzuschätzen. Damit die Akkus länger halten, sollte man einige Dinge beachten.

Tastatur/Gehäuse: Da die Tastaturfläche kleiner ist, einige Tasten mehrfach belegt und anders angeordnet sind als beim Desktop-PC, ist der Umstieg vom Bürorechner gewöhnungsbedürftig. Auch mit dem integrierten Mausersatz, dem Touchpad, kann nicht jeder arbeiten. Deshalb besteht alternativ die Möglichkeit, eine externe PC-Tastatur und eine Maus anzuschließen. Der Öffnungswinkel des Gehäuses sollte möglichst groß sein, um ein halbwegs bequemes Arbeiten in unterschiedlichen Sitz- und Stehpositionen zu ermöglichen. Netbooks sind nahezu alle aus Kunststoff, lediglich einige in der Tabelle vorgestellte Semi- oder Fully-Rugged-Modelle verfügen über ein Metallgehäuse, eine spritzwassergeschützte Tastatur und weitere Schutzausstattungen.

Zubehör: Einen gewissen Schutz für Netbooks mit Plastikgehäuse bieten auch Netbook-Hartschalen oder Koffer (von Hama, Kensington, Pelican etc.). Für den täglich wechselnden Einsatz im Büro bzw. auf der Baustelle empfiehlt sich eine optionale Dockingstation, die es auch mit einem USB-Hub („USB-Verteiler“) und sogar mit integriertem DVD-Laufwerk gibt. An der Dockingstation lassen sich Geräte wie Drucker, Plotter oder Scanner sowie das Büro-Netzwerk anschließen, sodass man das Notebook nur noch einstecken muss. Zur Sicherung vor Diebstahl verfügen Netbooks über einen speziellen „Lock-Slot“, an dem man optional ein Stahlkabel samt Schloss befestigen kann.

Dorian Kreicic

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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