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Kleine Geräte mit Hightech

13.11.2017

Auf welche Weise innovative Geräte mehr Effizienz für das Schleifen, Trennen und Bohren von Beton erreichen – und wo ihre Vorzüge liegen.

Gut gelaunt kam Alfred Landl, Executive Vice President bei Tyrolit und in dieser Position für das Produktprogramm für die Bauwirtschaft verantwortlich, vor einigen Monaten aus Dubai zurück. Die in wenigen Jahrzehnten aus dem Wüstenboden gewachsene Stadt mit ihren beeindruckenden modernen Bauten machte ihm bewusst, dass die Geschäftssparte, in der er tätig ist, ausgezeichnete Zukunftschancen habe, erzählt er: „Fast alles was dort steht, ist aus Beton. Vieles davon wird früher oder später zurückgebaut oder umgebaut werden. Und genau für diesen kontrollierten Betonrückbau bieten wir Geräte und Werkzeuge.“

Kommunizierende Maschine

Tyrolit, ein 1919 gegründetes Tochterunternehmen der Swarovsky- Gruppe, beschäftigt heute mehr als 4.200 Mitarbeiter und ist ein auf den Gebieten Schleifen, Trennen und Bohren von Beton weltweit erfolgreiches Unternehmen. Der Platz an der Sonne ist zu einem wesentlichen Teil der Innovationskraft des Unternehmens mit Hauptsitz in Schwaz zu danken. Mehr als 160 Mitarbeiter arbeiten im Bereich Forschung und Entwicklung, rund 30 davon sind auf dem Gebiet Bauprodukte tätig. Alfred Landl und sein Team versuchen dabei, nicht nur an heute und morgen, sondern auch an übermorgen zu denken. Zum Beispiel an neue Materialien in der Armierung: „Wir sind überzeugt, dass Kohle- und Kunststofffasern künftig eine wichtige Rolle spielen werden, und das bringt auch neue Herausforderungen an das Werkzeug“, erzählt Landl, der in seiner Freizeit als Berg- und Skiführer tätig ist.

Schon im nächsten Jahr will Tyrolit eine Innovation vorstellen, die – so die Erwartung von Landl – für einiges Aufsehen in der Branche sorgen wird: eine neue Hochfrequenzsäge, die mit dem Smartphone kommunizieren wird. „Über Bluetooth kann man nicht nur die Betriebszustände der Säge auslesen oder den Termin für das nächste Service erkennen, sondern auch Software-Updates einspielen, Schnitttiefen einstellen und vieles andere“, berichtet der Executive Vice President von Tyrolit. Das neue Modell mit der Typenbezeichnung WSE 1621 zeigt, dass auch bei Geräten für die Betonbearbeitung der Trend zu digitalen Lösungen geht, die die Bedienung vereinfachen und mehr Effizienz bringen.

Wichtigste Zielgruppe von Tyrolit auf diesem Gebiet sind professionelle Schneid- und Bohrbetriebe. Für spezielle Aufgabenstellungen entwickelt Tyrolit zusammen mit seinen Kunden individuelle Lösungen bis hin zu Sondermaschinen: „Oft entsteht daraus in der Folge eine neue Standardmaschine, die unser Produktprogramm erweitert.“ Als Beispiel nennt Landl eine Technologie, die ursprünglich für den Rückbau von Atomkraftwerken entwickelt wurde, um die oberste Betonschicht, die am stärksten kontaminiert und damit am teuersten zu entsorgen ist, getrennt abzuschälen. Heute werden diese Geräte unter anderem bei der Erweiterung von Tunnelprofilen, aber auch bei der Renovierung von Kaminen genützt, erzählt Landl.

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung spielen für Tyrolit die Themen Sicherheit und Umweltfreundlichkeit. Da gehe es beispielsweise darum, mit weniger Wasser und weniger Schlamm zu bohren und zu schneiden, berichtet der Tyrolit-Chef. Schlammkollektoren etwa helfen heute, unter möglichst geringer Belastung durch die Arbeitsumgebung zu arbeiten. Neben Einrichtungen bei den Maschinen spielen dabei auch die Werkzeuge selbst eine Rolle: „Tyrolit Grain Distribution, eine spezielle Anordnung jedes einzelnen Diamanten im Werkzeug, bringt eine konstant hohe Schnittleistung sowie lange Lebensdauer des Werkzeugs und verringert gleichzeitig den Kühl- und damit den Wasserbedarf“, erläutert Landl.

Wasser vor Ort

Wasserverbrauch ist für einen anderen großen Player in diesem Marktsegment ebenfalls ein wichtiges Thema bei Innovationen. „Wir haben ein komplett neues Produkt als Ergänzung fürs Diamantkernbohren im Programm, das es in dieser Form nur bei uns gibt“, erzählt stolz Andrea Reiterer, Produktmanagerin der Diamanttechnik Sägen/Trennen/Schleifen bei Hilti Austria. Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses Gerätes seien immer wiederkehrende Kundenaussagen gewesen, wie aufwendig es bei Renovierungen oft sei, Wasser an den Ort des Bohrens zu bringen und die Baustelle danach von Schlamm und Wasser zu reinigen.

Die Hilti-Techniker haben in der Folge eine clevere Innovation entwickelt: das Wassermanagementsystem DD-WMS 100. Es macht – zumindest fürs Bohren – aus 14 Litern Wasser rund 100 Liter. In der Betriebsart Recycling kann dasselbe Wasser nämlich bis zu sieben Mal zur Kühlung des Bohrers zu verwendet werden. Das ermöglicht ein Filter, der den Schlamm sammelt, der am Ende des Tages als klassischer Bauschutt entsorgt wird. „Die Lösung erspart oft das Verlegen langer Schlauchleitungen. 14 Liter Wasser genügen für einen Tag Diamantnassbohren. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Baustelle komplett sauber bleibt“, berichtet Andrea Reiterer.

Digitale Lösungen prägen auch bei Hilti viele Entwicklungen: „Die Geräte werden in Zukunft deutlich intelligenter sein“, erklärt Reiterer. Als ein Beispiel dafür nennt sie Hilti Connect, eine App, die Smartphone und Hilti-Gerät verbindet und so Zugriff auf eine Reihe gerätespezifischer Daten wie Servicestatus oder Reparaturhistorie ermöglicht. Ein noch wesentlich markanteres Beispiel für die Zukunft des Diamantbohrens ist allerdings der automatische Vorschub DD AF-CA. Diese Lösung gibt es seit dem Vorjahr für leistungsstarke Kernbohrgeräte ab 2,5 kW, in Zukunft sollen auch kleinere Geräte damit ausgestattet sein.

Der automatische Vorschub ermögliche quasi einen vollautomatisierten Bohrprozess, berichtet Reiterer: „Dieses intelligente Gerät denkt mit, es erkennt die Oberfläche, regelt Anbohren, hat Iron- Boost und dreht ab, wenn die Bohrung beendet ist.“ Das bringe nicht nur sichereres und präziseres Arbeiten sowie längere Lebensdauer der Werkzeuge, sondern auch mehr Leistung und damit schnelleren Baufortschritt: „Während das Gerät autonom bohrt, kann der Mitarbeiter schon die zweite Bohrung vorbereiten“, meint die Hilti-Produktmanagerin.

Mehr Effizienz auf die Baustelle will Hilti auch mit einem neuen Kernbohrgerät für Dübellöcher auf die Baustelle bringen. Es sei vor allem für Serienbohrungen in stark armierten Beton ideal, berichtet Reiterer: „Müssen Kunden eine große Zahl von Löchern in solchen Beton bohren, stoßen konventionelle Bohrhammer bald an ihre Grenzen, da der Bohrer heiß wird, wenn er auf Eisen trifft. Der Kernbohrer wird dagegen mit Wasser gekühlt und bringt damit höhere Produktivität und Zeitersparnis.“ Er ist für präzises Bohren von Dübellöchern und Durchführungen mit Durchmessern von acht bis 35 Millimeter ideal. Das Bohrgerät arbeite schlagfrei und damit sehr leise, was etwa für den Einsatz in Krankenhäusern ideal sei, zugleich verringere sich das Risiko von Schäden an leicht zu brechenden Untergrundmaterialien, erklärt Reiterer.

Leichter, effizienter

Während Hilti mit der Zentrale im benachbarten Liechtenstein und Produktionsstätten in Vorarlberg neben Tyrolit noch fast als zweites heimisches Unternehmen dieses Sektors gelten kann, das Weltgeltung hat, kommt ein weiterer wichtiger Player am Weltmarkt des Bohrens, Schneidens und Sägens von Beton aus dem hohen Norden: Husqvarna.

Auf Innovationen, die die Betonbearbeitung leichter und effizienter machen, setzt man dort ebenfalls. Jüngstes und markantes Beispiel dafür, erzählt Österreich-Geschäftsführer Johann Rettenbacher, ist das Kettensägenanbaugerät WSC 40: „Damit ist es möglich, eine Wandsäge entlang einer Führung einzuspannen und so sehr exakt und bündig zu schneiden.“ Selbst nahe am Boden, wo händisches Führen besonders schwierig wird, arbeite dieses Gerät absolut präzise: „Es bringt sehr hohe Schneideeffizienz und kommt beim Kunden ausgesprochen gut an“, meint Rettenbacher.

Große Veränderungen bei Husqvarna gab es heuer durch den Zukauf von zwei Unternehmen, die das Produktportfolio um interessante Geräte erweitern. Eine übernommene Firma ist Pullman Ermator, ein renommierter Hersteller von Saugern, Reinigern und Vorabscheidern. „Mit diesem zusätzlichen Programm bieten wir ein Gesamtkonzept zur Vermeidung von Staub und Schlamm am Arbeitsplatz“, berichtet Rettenbacher. Das zweite übernommene Unternehmen ist HTC Floor Grinding Solutions, ein schwedischer Produzent von Bodenschleifmaschinen. Durch diese Übernahme kann Husqvarna ein komplettes Maschinenprogramm für diesen Einsatzzweck bieten, das von großen Maschinen mit kabelloser Fernbedienung und Saugern bis zu kleinen Bodenschleifmaschinen reicht. Alle sind serienmäßig mit dem schnell zu wechselnden Redi- Lock-Diamantwerkzeugsystem ausgerüstet. Sowohl die Produkte von Pullmann Ermator als auch von HTC Floor Grinding Solutions werden unter der Marke Husqvarna angeboten.

Schneiden mit Wasser

Nicht mit Diamanten, sondern mit Wasser rückt Hammelmann Beton zu Leibe. Das deutsche Unternehmen fertigt Hochdruckpumpen und das komplette Zubehör für die Wasserstrahltechnik. Mit einem Druck von 1.000 bis 2.000 bar tragen diese Geräte Beton ab, ohne die Armierung zu beschädigen. Besonders geeignet ist die Technik für die Brückensanierung, erzählt Jörg Stummer, der die österreichischen Kunden betreut: „Man kann eine ganz klar definierte Tiefe abtragen.“ Ein großer Vorteil sei außerdem, dass schadhafte Stellen im Beton durch den Hochdruckwasserstrahl völlig abgetragen werden: „So wird wirklich gründlich saniert und verhindert, dass bald wieder Schäden entstehen“, erläutert Stummer. Nicht nur bei Brücken, auch bei der Sanierung von Tunneln oder von Start- und Landebahnen auf Flughäfen hat sich die Technologie bewährt. Da weltweit immer mehr gebaut wird, hat auch sie, folgt man den Schlussfolgerungen von Tyrolit-Geschäftsführer Alfred Landl, eine gute Zukunft.

Autor/in:
Wolfgang Pozsogar
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