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Klimapolitik der kleinen Schritte

29.04.2011

Zwar zeigen sich erste Fortschritte in Sachen Reduktion von Treibhausgasemissionen, allerdings ist Österreich noch weit davon entfernt, Klimaziele zu erreichen. Kritik kommt auch vom Rechnungshof.

Erste Zuversicht, wenn auch noch lange kein Grund zum Jubeln: Der jährliche Treibhausgasbericht des Umweltbundesamts zeigt für die vergangenen Jahre erste deutliche Reduktionen bei den Treibhausgasemissionen – zumindest für den Gebäudesektor. Von 1990 bis 2009 sind diese von etwas mehr als 14 Millionen Tonnen immerhin um 21,8 Prozent auf 11,3 Millionen Tonnen gesunken. Das bedeutet auch für die Gesamtemissionen einen erkennbaren Erfolg, hat doch die Raumwärme daran einen Anteil von über einem Drittel.

Doch damit ist es längst nicht getan, was den Klimaschutz betrifft. „Unser Ziel muss sein, auf null zu kommen“, erklärt Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamts. Denn der Klimawandel ist längst nicht mehr aufzuhalten. Es stelle sich vielmehr die Frage: Auf welche Erwärmung können wir uns ohne allzu dramatische Folgen einlassen. Das erklärte Ziel, die globale Erwärmung auf zwei Grad einzudämmen, bedarf, so Kienzl, jedoch einer Reduktion der Treib­hausgasemissionen der Industriestaaten von satten 80 bis 95 Prozent.

Mit der EU-Gebäuderichtlinie hat nun auch die EU reagiert: „Darin ist diese Reduktion von 80 bis 95 Prozent der Treibhausgase gefordert. Für den Gebäudesektor sieht der Fahrplan bis 2030 eine Reduktion um 53 Prozent und bis 2050 um 91 Prozent vor“, so Kienzl. Alle Neubauten in ganz Europa müssen deshalb bis 2021 einem „Nearly zero energy building“ entsprechen, unabhängig ob Wohnbauten oder Nichtwohnbauten. Alle öffentlichen Bauten müssen diesem Kriterium bereit 2019 entsprechen. Der Experte: „Wenn wir den Altbestand betrachten, können wir uns kein einziges konventionelles Haus mehr leisten. Die Industrie hat schon viel getan, da ist nur noch wenig herauszuholen. Beim Verkehr ist es sehr schwierig. Die privaten Haushalte sind somit die Stellschraube, an der wir drehen können.“ Die Technologien dafür gibt es, das Passivhaus ist eines davon. Aber auch erneuerbare Energien, Smart Grids und eine andere Raumplanung – eine Verlagerung der Wohngebiete dorthin, wo Abwärme genutzt werden kann – sind notwendig.

Ein wesentliches Tool zur Emissionseinsparung im Gebäudesektor sind daher auch Analysen der Einflussfaktoren für den Emissionstrend. Hier zeigt das Umweltbundesamt (Grafik) klar auf, was die Emissionen seit 1990 maßgeblich verändert hat. So wirkten sich die steigende Anzahl von Wohnungen und die Zunahme der durchschnittlichen Wohnnutzfläche weitaus schädlicher aus als die Zunahme des Stromverbrauchs. Als äußerst positiv hat sich jedoch die Umweltbewegung bewiesen: Der Anteil an Fernwärme und Biomasse etwa hat die Emissionswerte stark gesenkt.

Kritik an der heimischen Umweltpolitik regnet es aktuell abermals vonseiten des Rechnungshofs: Entschlossenes Handeln wird vermisst. Österreich, so der RH, könnte die Treibhausgaseinsparziele 2012 nicht mehr erreichen. Aber es müsse zumindest Ziel sein, „einen möglichst großen Beitrag zur Minimierung der Abweichung vom Kioto-Ziel zu leisten“, heißt es in dem Bericht.

Helmut Melzer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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