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Klimaschutzziele fern der Realität

30.07.2008

Der Finanzausgleich forciert ambitionierte Klimaschutzziele in der Wohnbauförderung: Die 15-a-Vereinbarung ist in Begutachtung. Die Gemeinnützigen Bauvereinigungen warnen vor einer Krise in puncto Neubau.

Die Bauwirtschaft in Europa wird laut den neuesten Ergebnissen der Euroconstruct von der Finanzkrise gebremst. In den kommenden beiden Jahren wird eine Schwächephase mit einem Wachstum von nur noch 0,5 Prozent prognostiziert. Vor allem der Wohnungsbau wird die Flaute zu spüren bekommen. „2008 erwarten wir einen leichten Rückgang der Baumaßnahmen in Westeuropa, während die osteuropäischen Staaten unverändert auf Expansionskurs bleiben“, erklärt Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister. 2007 entfiel fast die Hälfte des gesamten europäischen Bauvolumens von 1,5 Billionen Euro auf den Wohnungsbau, der Tiefbau machte 21 Prozent aus.
Auch Österreich bleibt von dem Rückgang nicht verschont. Karl Wurm, Obmann des Österreichischen Verbandes Gemeinnütziger Bauvereinigungen, warnt eindringlich davor, dass die Umstrukturierung der Wohnbauförderung im Zuge des Finanzausgleiches vor allem die Neubauaktivitäten hart treffen wird: „Wenn die Wohnbauförderung tatsächlich nur noch für die Realisierung klimapolitischer Ziele verwendet wird, wird nicht mehr genug Geld für den Neubau vorhanden sein. Das bedeutet, der freifinanzierte Wohnbau wird stärker – die Preise werden steigen, ein Rückgang der energieeffizienten Maßnahmen ist zu erwarten.“

Wurm steht hinter den Klimaschutzzielen vorbehaltlos – den von (Noch-)Umweltminister Josef Pröll dazu präsentierte Entwurf für eine 15-a-Vereinbarung zur Reduktion der Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor haltet er jedoch für völlig überzogen und unrealistisch.
Das aktuelle Mittelaufkommen für Wohnbauförderung macht die beabsichtigte wärmetechnische Verbesserung der bisher thermisch unsanierten Bestände aus den Baujahren 1950 bis 1980 unfinanzierbar. „Derzeit verwenden wir 533 Millionen Euro für die Sanierung von etwa 35.000 Wohnungen pro Jahr“, erklärt Wurm. Insgesamt müssten in Österreich bis 2020 den Plänen des Umweltministeriums zufolge 980.000 Wohnungen thermisch saniert werden. Das Gros davon bilden rund 535.000 Eigenheime sowie 320.000 private Miet- und Eigentumswohnungen. Die derzeitige Sanierungsleistung müsste also auf das 2,5-fache erhöht werden. „Dafür wären in den kommenden zehn Jahren bis zu 2,2 Milliarden Euro jährlich nötig“, so Wurm. Das entspricht dem derzeit gesamten Aufkommen für die Wohnbauförderung – 2,4 Milliarden Euro stehen derzeit für die Errichtung von Neubauten und die Sanierung zur Verfügung. „Wenn man das so macht, gibt es in Österreich bald keinen gemeinnützig geförderten Neubau mehr“, ist Wurm überzeugt. Dabei würden derzeit wegen der Zuwanderung zwischen 53.000 und 56.000 neue Wohnungen pro Jahr gebraucht.

Wunsch und Realität

Seit wenigen Tagen liegt der Begutachtungsentwurf für eine 15-a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern über Maßnahmen im Gebäudesektor zur Reduktion der Treibhausgas­emissionen vor. Die Zielsetzung ist klar. Weitgehend unklar ist jedoch, wie das praktisch gehen und wer das bezahlen soll. „Wie bringe ich 530.000 Eigenheimbesitzer dazu, thermisch zu sanieren?“ – fragt Wurm.

Der gesamte Gebäudebereich ist in Österreich für 16 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich, zehn Prozent davon entfallen auf Wohnraum, sechs Prozent auf Büros. Laut Prölls 15-a-Vereinbarung soll der Wohnbau eine Reduktion der Emissionen von minus vier Millionen Tonnen CO2 – entspricht 25 Prozent – erreichen. Die Gemeinnützigen haben ihre Hausaufgaben betreffend thermische Sanierung weitgehend erfüllt – 70 bis 80 Prozent des gemeinnützigen Wohnungsbestands sind bereits saniert – nun sind die Länder am Zug, Anreize für Hauseigentümer zu schaffen, die zu energieeffizienten Maßnahmen motivieren.
Gisela Gary

aus: bau.zeitung 30/08, S. 12

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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