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Klimawandel beeinflusst auch Baubranche

29.04.2009

Die Folgen des Klimawandels sind massiv – warnen Experten wie auch Versicherungen. Die Auswirkungen betreffen die Baubranche, neue Konzepte für Sanierungen wie auch Schutzbauten sind gefragt.

2008 wurden weltweit mehr als 750 verheerende ­Naturkatastrophen gezählt. Mindestens 167.000 Menschen starben, die Schäden beliefen sich insgesamt auf enorme 200 Milliarden US-Dollar. Und auch Österreich ist längst keine Insel der Seeligen mehr: Gleich drei Unwetter – die Stürme „Emma“ im März und „Paula“ im Jänner sowie das Hagelunwetter im Juni – suchten die Alpenrepublik im vergangenen Jahr heim. 79,3 Millionen Euro an Schäden musste allein die Generali Versicherung verbuchen. Allen voran der Sturm „Emma“ verursachte Anfang März in Österreich massive Schäden. Europaweit fegte das Unwetter mit bis zu 150 Kilometer pro Stunde über weite Teile des Kontinents und richtete eine Gesamtsschadenssumme von zwei Milliarden US-Dollar an.

Wandel der Baubranche

Wer noch immer denkt, das seien seltene Jahrhundertereignisse, irrt gewaltig. „Mit einer Wiederkehrperiode von inzwischen nur wenigen Monaten sind auch wir Österreicher von Naturkatastrophen größeren Ausmaßes betroffen“, zeichnet Walter Kupec von der Generali ein erschreckendes Bild mit weitreichenden Folgen. Ob Stürme, Lawinen, Überschwemmungen oder Schneemassen auf den Dächern – Regelmäßig stehen Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz. Noch extremer werden die Wetterkapriolen in den kommenden Jahrzehnten. „Die wärmsten zehn der vergangenen 150 Jahre gab es in den letzten zwölf Jahren. Bereits ab 2020 drohen bei uns etwa alle vier Jahre Hitzewellen und Dürren“, prognostiziert Andreas Siebert von der Münchner Rück. Aber auch sonst steht selbst Österreich noch einiges bevor: Mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit werden die immer länger werdenden Hitzewellen (bis zu 40 Tage) zeitweise von extremen Niederschlägen abgelöst. Hochwasser und Stürme in ungewohntem Ausmaß mehren sich. „Das hat nicht nur Relevanz für die Versicherungswirtschaft, sondern auch für Behörden, Raumplaner und das Baugewerbe“, versichert Siebert. Erste wirtschaftliche Konsequenzen zeigen sich angesichts der Naturgewalten bereits: Einige Regionen wie Florida oder Texas sind inzwischen äußerst schwierig zu versichern.

Neue Baustile nötig

Die Baubranche wird jedenfalls profitieren: Besonders die Sanierung bestehender Gebäude wird eine immer größere Bedeutung erlangen. Das St. Galler Zentrum für Zukunftsforschung prophezeit gar einen Anstieg auf über 50 Prozent Marktanteil. Auch der Bedarf an Schutzbauten wird zunehmend steigen. Mit Fortschreiten des Klimawandels könnte sich zudem auch der Baustil radikal ändern. Gebäude werden sich den Gegebenheiten mit extremen Niederschlägen und höheren Temperaturen unweigerlich anpassen müssen. Veränderte Niederschlagsmengen könnten andere Berechnungsgrundlagen für Kanalisation, Regenrinnen und mehr notwendig machen. Und schlussendlich könnten auch die heutigen Wärmedämmungsvorschriften bald überholt sein. Die Münchner Rück, der weltweit größte Rückversicherer, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Thematik, rund 50 Geowissenschafter erfassen nahezu alle Katastrophen – und zeigen aktuell auf der neu erschienenen Multimedia-DVD „Globus der Naturgefahren“ auch Ausblicke in die Zukunft. Nach dem Vorbild von Google Maps zeigt die DVD der Münchner Rück auf einem interaktiven Globus alle spezifischen Daten. Mittels Orts­eingabe kann neben dem aktuellen Kata­strophenrisiko auch die regionale Prognose punkto Klimawandel ausgegeben werden.

Helmut Melzer

aus: bauzeitung 17/09, S. 14

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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