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Komfort und Service am Gletscher

12.03.2009

Die Talstation Stubaier Gletscher bietet mit ihrem neuen repräsentativen Gebäude fortschrittliche Technik und Serviceleistungen. Der Bau musste in einem straffen Zeitplan fertiggestellt werden.

Die neue Talstation Stubaier Gletscher ist ein in seinen Dimensionen vor allem auf die Beförderungskapazitäten abgestimmter Neubau. Das Ziel der Wintersport Tirol AG & Co beziehungsweise der Architekten war es in erster Linie, ein zeitgemäßes Funktionsgebäude zu errichten, das den Gästen alle Annehmlichkeiten eines topmodernen Skibetriebes bietet. Geplant wurde der neue Gletscherterminal vom Architekturbüro Orgler ZT GmbH, die dem Neubau vor allem ein ästhetisches Erscheinungsbild in Verbindung mit optimaler Funktionalität und großem Komfort geben wollten. Ein angenehmes Ambiente, nicht zuletzt durch die gute Raumakustik des stark frequentierten Gebäudes, war dabei ein zentrales Anliegen. Aber auch auf die Balance zwischen Landschaft und Bauwerk wurde Rücksicht genommen. Die Kurve des begrünten Daches, das im Winter mit einer dicken Schneeschicht überzogen ist, soll sich durch ihre Form architektonisch in die umliegende Berglandschaft einfügen.

Schutz und Komfort

Der Planungsbeginn für den neuen Baukörper begann bereits 2004, die Ausführung folgte zwischen 2006 bis 2007. Mit einer Nutzfläche von 5.800 Quadratmetern und einem umbauten Raum von insgesamt 33.425 Kubikmetern steht das gesamte Gebäude – vor allem durch die Kombination der verwendeten Materialien – im Kontrast zur umliegenden Berglandschaft des Stubaier Gletschers. Durch das neue Gletscherterminal erhielten die bereits bestehenden Gebäude der Talstation eine neue Erschließungs­fläche. Die gesamte Gebäudehülle ist auf Lawinenlast ausgelegt und bietet den Besuchern somit nicht nur Schutz vor Witterung, sondern eben auch vor Lawinen. Der Erschließungsbereich führt mittels Rampen zu den Einseil- und Zweiseilumlaufbahnen des Stubaier Gletschers. Die überdachte Kassenhalle mit insgesamt acht Schaltern soll für einen schnellen Ticketerwerb und kurze Wartezeiten für die Besucher sorgen. Zudem bietet die Gesamtnutzfläche eines der größten Self-Service-Depots Österreichs mit Platz für 1.500 Paar Ski und 1.200 Paar Schuhen. Zusätzlich steht den Gästen ein großes Intersport Comfort Center mit einem vielfältigen Sortiment an Winterausrüstung und Wintermode zur Verfügung. Das neu entwickelte Zu- und Abgangskonzept soll die Wartezeit der jährlich rund einer Million Gäste auf ein Minimum reduzieren.

Design und Materialkonzept

Die architektonische Herausforderung bestand vor allem darin, die bereits bestehenden und über mehrere Jahrzehnte entstandenen verschiedenen Baukörper zu einer Einheit zusammenzufassen. Daher war es notwendig, die internen und öffentlichen Abläufe neu zu organisieren und auch die Logistik zu optimieren. Optisch wurde bei dem Neubau auf eine zurückhaltende Material­sprache gesetzt, um einen attraktiven Ausgleich zur umliegenden Landschaft zu gewährleisten. Dabei sind Stahl, Glas und Sichtbeton die zentralen Baumaterialien. Die transparente Fassade des Neubaus ermöglicht den Besuchern innerhalb des Gebäudes einen Ausblick auf die umgebende Berglandschaft. Aber nicht nur die Optik war bei der Umsetzung von großer Bedeutung, sondern – wie schon gesagt – auch der Komfort:
Um eine gute Raumakustik innerhalb des Gebäudes zu schaffen, wurden in den stark frequentierten Bereichen wie in der Kassenhalle sowie im Zugangs- und Wartebereich vor den Bahnen Heradesign-Dekorplatten eingesetzt. Damit soll vor allem der Lärmpegel in diesen Bereichen so gering wie möglich gehalten werden. „Die magnesitgebundenen Holzwolleplatten sorgen an der Decke und in der Kassenhalle zusätzlich an den Wänden für eine hervorragende Schallabsorption und erfüllen darüber hinaus die erforderlichen Brandschutzeigenschaften“, so die Architekten. Durch die feinfaserige Struktur fügen sich die Dekorplatten zudem in das gesamte Materialkonzept gut ein und bilden einen angenehmen Kontrast zu den ansonsten sehr kühl wirkenden Baustoffen Sichtbeton, Glas und Stahl. Auch die Integration von Leuchtkörpern und Revisionsöffnung wurde damit gewährleistet. Insgesamt wurden 880 Quadratmeter Akustikplatten im Gebäude verbaut und auf einer Unterkonstruktion aus Holz befestigt.

Unter Zeitdruck

Um den hohen Ansprüchen des Bauherrn und der dementsprechenden Planung durch die Architekten gerecht zu werden, war für die Bauausführung natürlich auch das zuständige Bauunternehmen gefordert, in diesem Fall das Tiroler Bauunternehmen Alois Pfurtscheller Hoch- und Tiefbau GmbH. Der verantwortliche Baumeister Horst Pfurtscheller beschreibt die durchaus schwierigen Bauarbeiten bei diesem Projekt und hebt vor allem den zeitlichen eng gesteckten Rahmen hervor: „Wir hatten für die notwendigen Bauarbeiten nur die Monate Juli 2006 bis September 2006 und Mai 2007 bis September 2007. In dieser kurzen Zeitspanne mussten alle notwendigen Arbeiten erledigt werden. Das war aus bautechnischer Sicht durchaus eine Herausforderung.“ Zudem wurden die Bauarbeiten aufgrund des durchgängigen Bahnbetriebes am Stubaier Gletscher erschwert: „Die Abbrucharbeiten des vorhandenen Bestandes mussten wir unter ständiger Aufrechterhaltung des Bahnbetriebes durchführen. Das war auch logistisch nicht so einfach umzusetzen“, wie Pfurtscheller weiter berichtet. „Außerdem wurde während der gesamten Bauzeit der Gondelbetrieb aufrechterhalten. Das bedeutete zusätzliche Absicherungen und Zugangsänderungen für die Besucher“, so Baumeister Horst Pfurtscheller weiter.
Aber auch die direkten Bauarbeiten erforderten besondere Maßnahmen: „Vor allem die Schalungsarbeiten waren zum Teil sehr kompliziert, nicht zuletzt durch die außergewöhnliche Architektur des Gebäudes. Außerdem mussten wir besondere Rücksicht auf die hohen Belastungen der Deckenschalung durch die großen Spannweiten nehmen. Hinzu kamen noch die Auflagen der Wildbach- und Lawinenverbauung“, so der Baumeister.
Nach Fertigstellung des Bauwerkes sind alle Beteiligten mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Auch die zeitlichen Vorgaben konnten termingerecht eingehalten werden, und so präsentierte sich der Stubaier Gletscherterminal in diesem Winter in neuem Glanz.

Diana Danbauer

aus bauzeitung 10/09, S. 36ff.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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