Direkt zum Inhalt

Konjunktur-Lok Tiefbau – Wohnbau stabil

16.01.2004

Laut Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen – FGW wächst die Bauwirtschaft in Österreich erstmals seit Mitte der 90er Jahre wieder stärker als die Gesamtwirtschaft.

Die Bauwirtschaft (Bauhauptgewerbe und Bauhilfs- und Nebengewerbe) wuchs im Jahr 2003 mit real ca. einem Prozent erstmals seit 1994 wieder stärker als das Bruttoinlandsprodukt (mit ca. 0,7 Prozent). Dieser Trend wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen.
Für das Jahr 2004 kann mit einer Zunahme der Produktion um ca. 1,8 Prozent gerechnet werden, während für das BIP ca. 1,4 Prozent prognostiziert sind. Generell ist bis 2005 ein Wachstum der Bauinvestitionen in einer Bandbreite von 1,8 Prozent bis 2,5 Prozent zu erwarten.
Die in der letztjährigen Bauvorschau angekündigte Trendumkehr im Bauwesen ist also im Begriff, tatsächlich einzutreten. Der nominelle Produktionswert des Bauwesens wird im Jahr 2004 bei ca. 17,4 Mrd. Euro liegen.
Die Gesamtsparte Tiefbau schließt aufgrund der stark positiven Entwicklung im Straßen- und Eisenbahnoberbau und der positiven Entwicklung im Spezialbau 2003 mit einem deutlichen Plus von mehr als fünf Prozent (real) ab. Für 2004 ist mit einer gemäßigteren Entwicklung mit +2,2 Prozent zu rechnen, woraus sich ein Produktionswert von ca. 4,1 Mrd. Euro ergibt.

Schub bei Straßen- und Bahnbau
Diese positive Entwicklung ist in erster Linie auf den Tiefbau-Hauptgewerbe, und hier auf den Straßen- und Eisenbahnoberbau, zurückzuführen, der 2003 in etwa 13 Prozent an Produktion zulegen konnte, nachdem bereits 2002 eine Ausweitung um mehr als neun Prozent zu verzeichnen gewesen war.
Diese positive Entwicklung wird im Jahr 2004 anhalten, allerdings in etwas geringerem Ausmaß als 2003. Es ist mit einem immer noch deutlichen Plus von ca. drei Prozent (real) zu rechnen. Der nominelle Produktionswert im Straßen- und Eisenbahnoberbau wird in etwa 1,68 Mrd. Euro betragen.
Der Grund für diese Entwicklung sind die forcierten Ausbauarbeiten am übergeordneten Bahn- und Autobahnnetz. Der Beschlussfassung des Generalverkehrsplans im Jänner 2002 folgten Aufstockungen des Haftungsrahmens für die Schieneninfrastrukturgesellschaft (SCHIG) und eine ÖBB-Übertragungsverordnung, was zu einem unmittelbaren Hochfahren der Investitionen im Bahn-Bereich führte. So investierte die SCHIG allein 2002 ca. 980 Mio. Euro.
Im Bereich des Straßenbaus (ASFINAG) ergeben sich zusätzliche Investitionen aus den ab 2004 laufenden Einnahmen aus dem Road-Pricing. Die dargestellte Entwicklung ist in hohem Maße von den Aktivitäten der beiden Finanzierungsgesellschaften abhängig.

Stabilisierung bei anderen Tiefbausparten
Eine weitere wichtige Sparte des Tiefbaus, die hinsichtlich des Produktionsvolumens knapp hinter dem Straßen- und Eisenbahnoberbau liegt, ist der Rohrleitungs- und Kabelbau. Er umfasst vor allem Arbeiten an der Kanalisation im Auftrag der Gemeinden und die Verlegung leitungsgebundener Infrastruktur im Auftrag privater Telekom-Anbieter und der öffentlichen Hand. Nach einer Schrumpfung der Produktion um annähernd neun Prozent im Jahr 2002 kam es 2003 zu einer Stabilisierung.
Für das Jahr 2004 muss jedoch wieder mit einem Minus von mehr als zwei Prozent (real, eine Mrd. Euro nominell) gerechnet werden, weil keine zusätzlichen Nachfrageimpulse für diese Sparte zu ersehen sind.
Die Unternehmen des Spezialbaus, die im Rahmen der Bauvorschau als dritte Tiefbausparte prognostiziert wird, konnten ihre Produktion im Jahr 2003 um ca. sieben Prozent ausweiten. Da in dieser Sparte auch der Bereich der Gebäudetrockenlegung beinhaltet ist, könnte es sich dabei zum Teil um eine Auswirkung der Hochwasserkatastrophe des Jahres 2002 handeln. Für 2004 ist eine stabile Entwicklung der Sparte auf dem erreichten Niveau von ca. 790 Mio. Euro zu erwarten.
Die Sparte des gesamten Tiefbaus (im Hauptgewerbe) besteht neben den genannten noch aus den Sparten Tunnelbau, Brücken- und Hochstraßenbau sowie dem Wasserbau, die in Summe etwa 15 Prozent des Produktionsvolumen im Tiefbau erwirtschaften.
Aufgrund ihrer geringen Produktion und den großen Schwankungen ist für diese Subsparten eine ökonometrische Schätzung nicht möglich.
Konsolidierung im Hochbau
Die Hochbausparten Wohnungsneubau, Nutzbau sowie Modernisierung und Sanierung (Hauptgewerbe) erreichten 2003 zusammen eine mäßig positive Entwicklung von real 0,8 Prozent. 2004 ist mit einem Plus von 1,3 Prozent zu rechnen. Der Produktionswert erreicht etwa sechs Mrd. Euro.

Wohnbau hat Talsohle durchschritten
Ein Ende der Talfahrt zeigt sich auch im Wohnungs- und Siedlungsbau als Sparte der Baumeisterarbeiten im Hochbau. Die 2002 erstmals seit 1995 wieder gestiegenen Bewilligungszahlen lassen eine positive, zumindest aber eine stabile Entwicklung für die nächsten Jahre erwarten. Man kann davon ausgehen, dass diese Sparte des Hauptgewerbes heuer in etwa um 0,7 Prozent und damit in etwa in der Größenordnung des BIP gewachsen ist, während nächstes Jahr mit einem Plus von ca. 1,8 Prozent (und damit einem stärkeren Plus als das BIP) zu rechnen ist. Der Produktionswert wird bei etwa 2,2 Mrd. Euro liegen.

Öffentlicher Hochbau stützt Bürobau
Der Nutzbau, die nach dem Produktionswert bedeutendste Sparte des Hochbaus im Hauptgewerbe, dürfte nach beachtlichen Investitionen der Länder und Gemeinden in den öffentlichen Hochbau (Krankenhäuser etc.) 2003 deutlich positiv abschließen (+1,7 Prozent), nachdem 2002 eine Schrumpfung von noch ca. vier Prozent real hingenommen werden musste. Für 2004 ist eine Ausweitung der Produktion auf 2,74 Mrd. Euro (nominell) zu erwarten (+1,9 Prozent real).
Eine gewisse Unsicherheit ergibt sich hinsichtlich der Entwicklung des Bürostandorts Wien. Positiven Fakten wie der Stärkung des Wirtschaftsstandorts als Folge der EU-Erweiterung und dem großen Interesse internationaler Immobilienfonds am Standort Wien stehen Entwicklungen gegenüber, die sich negativ auf den Nutzbau auswirken können, insbesondere die aufgrund des derzeitigen Angebotsüberhangs feststellbare Zurückhaltung bei neuen Projektentwicklungen und die stark gestiegene Wettbewerbsposition von Standorten wie Bratislava.
Sanierung weiter rückläufig
Die dritte Sparte der Baumeisterarbeiten im Hochbau ist die Modernisierung und Sanierung, die in den letzten Jahren durchwegs von negativen Wachstumsraten gekennzeichnet war. Im Jahr 2003 hat sich dieser negative Trend mit einem Minus von ca. einem Prozent (real) fortgesetzt. Auch 2004 dürfte die Modernisierung und Sanierung den Talboden noch nicht erreicht haben. Es muss mit einer neuerlichen Schrumpfung in der Größenordnung von ca. 1,4 Prozent (real) gerechnet werden, woraus sich ein Produktionswert von ca. 1,1 Mrd. Euro ergibt.
Die Sanierung – auch oder gerade in thermischer Hinsicht – bietet aus rein ökonomischer Sicht noch keine genügenden Anreize. Hier bedürfen die gesetzlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen sowie Förderungsinstrumente noch der Konkretisierung. Derartige Instrumente könnten dafür sorgen, dass die Nachfrage nach Sanierungsleistungen dem tatsächlichen Bedarf entsprechen wird.
Baunebengewerbe heuer noch im Minus
Das Bauhauptgewerbe erreicht 2003 gesamt ein deutliches Plus von ca. 2,6 Prozent. 2004 ist mit einer gedämpften Fortsetzung des positiven Trends mit einem Plus von ca. 1,7 Prozent zu rechnen, was zu einem nominellen Produktionswert von ca. 10,1 Mrd. Euro führt.
Das Bauhilfs- und Nebengewerbe, das immerhin ca. 40 Prozent des Produktionswertes des Bauwesens erwirtschaftet, war in den letzten Jahren mit real negativen Veränderungsraten konfrontiert. Es zeigt sich die große Abhängigkeit dieser Sparte von den Entwicklungen des Hochbau-Bauhauptgewerbe. Es konnte in der vorliegenden Bauvorschau 2004 nachgewiesen werden, dass Veränderungen im Hauptgewerbe mit einer Verzögerung von ca. vier Quartalen im Hilfs- und Nebengewerbe nachvollzogen werden. Durch den zeitlichen Nachlauf wird auch das Jahr 2003 mit einer schrumpfenden Produktion von ca. einem Prozent schließen, nachdem 2002 ein Minus von mehr als fünf Prozent hingenommen werden musste. Für 2004 wird jedoch aufgrund der heurigen Steigerung der Produktion im Hochbau-Hauptgewerbe eine Steigerung von ca. zwei Prozent (auf 7,3 Mrd. Euro) zu verzeichnen sein. Gerade die Sparte des Bauhilfs- und Nebengewerbes würde durch eine gezielte Forcierung der Sanierungsarbeiten stark gewinnen.

Bauwesen verliert weiter Beschäftigte
Betrachtet man die Beschäftigungszahlen in der Bauwirtschaft, so muss trotz der positiven Entwicklung des Produktionswerts weiter von, wenngleich gemäßigten, Rückgängen des Personalstands ausgegangen werden. Es konnte vom Autorenteam nachgewiesen werden, dass ein Gesamt-Wirtschaftswachstum von ca. 2,5 Prozent nötig wäre, um angesichts der beobachteten Steigerung der Produktivität im Bauwesen das Beschäftigungsniveau zu stabilisieren. Ein derartiger Wirtschaftsaufschwung ist in näherer Zukunft nicht absehbar.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

v.l.:Horst Ache (Geschäftsbereichsleiter Generalunternehmen und Prokurist, Unger Stahlbau), Heimo Pascher (Technischer Geschäftsführer Austrotherm), Klaus Haberfellner (Geschäftsführer Austrotherm Gruppe), Johann Moser (Vize-Bürgermeister Stadtgemeinde Purbach) beim Spatenstich zur Errichtung neuer Lagerhallen für die Fertigwaren.
Aktuelles
14.09.2020

Der Dämmstoffspezialist startet mit einer Investitionsoffensive in den Herbst. Neue Gebäude und Anlagen werden errichtet, Abläufe werden durch Digitalisierung effizienter. 

Recht
21.09.2020

Unzuverlässigen Unternehmern droht nach dem Bundesvergabegesetz 2018 (BVergG) eine jahrelange Vergabesperre.

Recht
21.09.2020

Es obliegt dem Kläger, einen behaupteten Mangel zu beweisen. Gemäß § 924 ABGB leistet der Übergeber nur für Mängel Gewähr, die bei der Übergabe vorhanden sind. 

Bauhandbuch
14.09.2020

Einmal im Jahr liefern wir Ihnen in Zusammenarbeit mit der WKO umfassende Kalkulationsbeispiele für Baugewerbe und -industrie.

Aktuelles
10.09.2020
Werbung