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„Konjunkturlokomotive ist es wert, unterstützt zu werden“

07.10.2011
KMU

Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria, sprach mit der Bauzeitung über die Verlängerung der Schwellenwerteverordnung und Maßnahmen zur Stimulation der Bauwirtschaft.

Von Clementine Skorpil

Die Bauzeitung: Was hat die Schwellenwerteverordnung gebracht?

Walter Bornett: Sie hat jedenfalls eine Reduzierung der Verwaltungskosten für die öffentliche Hand gebracht, weil die teuren Ausschreibungsverfahren nicht mehr notwendig waren, und hat positive Preiseffekte ausgelöst. Die Schwellenwerteverordnung war auch volkswirtschaftlich sinnvoll, wenn man etwa an Klimaziele und Ausbildungsleistung der Betriebe denkt. Das alles spricht für eine Verlängerung bzw. Ausweitung der Verordnung.

 

Was hat die Verordnung speziell in der Bauwirtschaft bewirkt?

Bornett: Der Bauwirtschaft kann man das insofern nur schwer zuordnen, weil sich die Frage stellt: Was wäre, wenn es das nicht gegeben hätte. Dann hätte wahrscheinlich die gesamte Bauwirtschaft ein deutliches Minus in die Scheune gefahren. Das wurde abgemildert, aber ich kann nicht sagen: So und so viele Milliarden Euro entfallen auf die veränderte Schwellenverordnung.

 

Wäre es sinnvoll, die Werte noch mehr nach oben zu setzen?

Bornett: Ja sicher. Wenn es das politische Ziel ist, die regionale Wirtschaft, speziell die kleinen und mittleren Unternehmen, zu fördern, wäre es gerechtfertigt, zumindest die Werte, die es derzeit gibt, um die jährliche Inflationsrate oder den Baukostenindex zu erhöhen.

 

Das war ja eine Maßnahme zur Abfederung der Krise. Wenn man die höheren Schwellenwerte aber als Dauerregelung einführt, geht die Funktion als Impulsgeber für die Wirtschaft verloren. Was kann man dann tun?

Bornett: Es gäbe genug, insbesondere zur Thematik der Energieeffizienz. Die thermische Sanierung war ein Schritt in die richtige Richtung, aber es ging hauptsächlich um Fassaden und Fenster. Da müsste man weiterdenken: ein Gebäude ganzheitlich anschauen, vom Keller bis zum Dach, die ganze Haustechnik berücksichtigen und Maßnahmen zur Energieeffizienz prominent unterstützen. Das ist die eine Möglichkeit. Das Zweite ist: Wir haben eine durchaus rasant wachsende Bevölkerung. Bis 2030 wird es in Österreich mehr als neun Millionen Menschen geben, das hat die Statistik Austria unlängst veröffentlicht. Das heißt, wir brauchen Wohnraum. Wohnen muss leistbar bleiben. Daher ist es wichtig, die Wohnbauförderung nicht einzuschränken, wie das fallweise diskutiert wird, sondern im Gegenteil auszubauen, weil dort auch Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Wohnbau ist arbeitsleistungsorientiert, während im Infrastrukturbereich vorwiegend Maschinen die Leistung erbringen.

 

Wie ist das mit den Sparzielen im Budget vereinbar?

Bornett: Der Gesetzgeber muss Prioritäten setzen. Ich denke, dass gerade die Konjunkturlokomotive Bau es wert ist, unterstützt zu werden, während andere Bereiche – etwa die Hacklerregelung, die Milliarden kostet – überdacht werden müssten.

 

2012 soll es noch schwieriger werden. Sie sagen, dass eine Krise wieder herbeigeredet wird.

Bornett: Es entkoppelt sich die reale Wirtschaft – also dort, wo tatsächlich Leistung erbracht wird – von Papiertransaktionen. Die Pyramidenspiele im Finanzbereich führen dazu, dass die gesamte Situation schlechtgeredet wird, während zum Beispiel die Voest als Großbetrieb oder auch der Baumeister ums Eck nach wie vor Superleistungen erbringen. Man muss jetzt einmal die reale Wirtschaft unterstützen und nicht nur Krisenfeuerwehr bei den Finanztransaktionen spielen. Auf internationaler Ebene gehört ein Regelwerk her, das diese Transaktionen entsprechend beschränkt, und dann muss man sich wieder um jene Bereiche der Wirtschaft kümmern, in denen Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Einkommen für die Bevölkerung generiert werden.

 

Wer wird überleben, wer wird untergehen?

Bornett: Es werden die überleben, die seriöse Arbeit leisten und zu seriösen Preisen anbieten, und es werden die untergehen, die nur Luftgeschäfte machen.

 

Für wen könnte es prekär werden?

Bornett: Bei den Kleinstbetrieben mit weniger als zehn Beschäftigten ist die Situation schwieriger als bei den mittleren und großen Betrieben. Aber ich zeichne hier kein Untergangsszenario. Sie sind nämlich auf der anderen Seite flexibler. Es wäre allerdings gut, wenn diese kleinen Betriebe insbesondere von administrativen Pflichten, Steuern und Abgaben entlastet werden und auch das Steuersystem vereinfacht wird.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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