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Kosten senken – Effizienz steigern

10.09.2009

Baumeister bringen ihr Know-how immer mehr in die Planung ein. Die Anforderungen an die Unternehmer, über die Kompetenz professioneller Projektsteuerung zu verfügen, steigen – aber damit auch die Chancen.Die heimischen Baumeister haben es in diesen Tagen als Generalunternehmer oft nicht leicht. Aufträge gehen zurück, die Arbeitslosigkeit steigt und damit verbundene Probleme scheinen immer größer zu werden.Text: Diana Danbauer

„Letztes Jahr hatten wir in der gesamten Branche eine sehr gute Auslastung, heuer ist es eher durchwachsen. Die Lage ist durchwegs ernst. Die Probleme, mit denen der Bau momentan zu kämpfen hat, sind Investitionen und Finanzierung sowie der drohende bzw. bereits herrschende Auftragsmangel bei den Bauausführenden, der einhergeht mit der steigenden Preiskonkurrenz“, weiß auch Peter Scherer von der Geschäftsstelle Bau.

Dennoch versucht Scherer in der Krise auch eine Chance zu sehen: „Die veränderten Rahmenbedingungen sind eine gute Möglichkeit, die Strukturen anzupassen. Vor allem Nachhaltigkeit und Lebenszykluskosten sind ein wichtiges Thema.“
Ein wichtiges Instrument, das auch bei Baumeisterunternehmen immer mehr eine zentrale Rolle einnimmt, ist das professionelle Projektmanagement. Baumeister Wolfram Lochs, Vorsitzender der Arbeitsgruppe 240.02 im ÖNorm-Institut und Geschäftsführer der Lochs Baumanagement GmbH, erklärt: „Ausführende wirken immer mehr in den Prozess der Planung hinein.

Da die traditionelle Planung der Architekten mittlerweile häufig bei der Einreichung endet, sind Baumeister immer mehr in diesen Prozess involviert. Sie erhalten dadurch eine Schlüsselfunktion, weil das Know-how in einer frühen Phase einwirkt und der Bauausführende damit mehr Einfluss auf die Planung und Kostenentwicklung bekommt“, so der Baumeister. Lochs bemerkt hier eine Verschiebung und einen klaren Trend auch für die Zukunft: „Der Planende zieht sich immer mehr zurück, und die Umsetzung verlagert sich auf den Ausführenden.“

Erweiterung der Tätigkeiten
Diese Entwicklung ist für viele Bauunternehmer noch eine neue Situation, an die sich manche erst anpassen müssen. „Viele müssen mit den veränderten Bedingungen erst zurechtkommen, also von der rein ausführenden Rolle auf die Mitwirkung in Planung, Projektmanagement und Projektsteuerung umgewöhnen“, weiß Lochs aus der Praxis. Dazu gehören auch strukturelle Veränderungen wie die entsprechende Ausbildungen im Personalbereich bzw. die Erweiterung des Tätigkeitsbereiches in diesem Feld.
„Bis jetzt hat der Baumeister häufig nur die Anweisungen in die Praxis umgesetzt – nun ist er gefordert mitzuplanen und auch die Kosten abzuschätzen“, so Lochs, der hauptsächlich in Tirol tätig ist und auf eine 35-jährige Erfahrung im Baumanagement und mehr als 150 erfolgreich abgewickelte Hochbauprojekte zurückblicken kann.
„Die Herausforderung ist, dass man die Projektsteuerung bzw. die Kosten im Griff hat. Vor allem zurzeit ist es für private Investoren schwierig. Das heißt, das Projektmanagement muss stimmen. Auch hier ist der Trend zum Projektsteuerer stark zu erkennen.“ Die Chance für die Ausführenden ist klar zu sehen: „Es entwickelt sich eine eigene Branche. Das ist eine enorme Chance für die Baumeister, hier einen eigenen Zweig zu schaffen und damit nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit den Architekten – die die Kostensteuerung als solches oft nicht abdecken – zu verbessern!“, ist Lochs überzeugt.

Um diesen Trend auch zu forcieren, werden von den BauAkademien zahlreiche Veranstaltungen und Kurse zum Thema Projektmanagement und den dazugehörenden Themen angeboten. Aber auch der Erfahrungsaustausch ist ein wichtiger Schwerpunkt für die Branche.

Professioneller Austausch
Bereits zum vierten Mal veranstaltete das Netzwerk Bau in Kooperation mit der Geschäftsstelle Bau der Wirtschaftskammer Österreich, der BauAkademie Österreich, der TU Graz, der TU Wien und der FH Joanneum das Projektmanagement Bau Symposium. Das Interesse an dieser umfassenden Veranstaltung findet jährlich mehr Anklang. So konnte sich Rainer Stempkowski, Professor an der FH Joanneum, heuer über 225 Anmeldungen zum Symposium freuen.
„Das große Interesse ist sehr erfreulich, und wir bemühen uns natürlich, das Programm sehr ansprechend und aktuell zu gestalten“, so Stempkowski.
„Vor allem die gute Kooperation zwischen Lehre und Wirtschaft ist uns ein wichtiges Anliegen. Eine gute Schnittstelle ist hier nicht zuletzt das Netzwerk Bau, das mittlerweile als informelle Jobbörse betrachtet werden kann, da wir über das Netzwerk jährlich rund 150 Jobs vermitteln“, so die erfolgreiche Bilanz.

Auch Peter Scherer ist von der Zusammenarbeit überzeugt: „Interdisziplinäres Know-how und vernetztes Denken sind zentral, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Aus- und Weiterbildung ist für uns von jeher ein Schwerpunkt. Das Projektmanagement Bau Symposium ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Input“, so Scherer.

Das diesjährige Symposium mit Fokus auf Kostenmanagement bei Bauprojekten beschäftigte sich mit Kostenplanung, Kostenoptimierung und Lebenszykluskosten. Dass vor allem die Baukosten die Branche beschäftigt ist in jeder Wirtschaftslage unbestritten denn wenn es um die Kosten geht, scheiden sich naturgemäß sehr oft die Geister. Doch Hans Lechner von der TU Graz weiß: „Wer zu früh nur auf das Kostenlimit pocht, vergibt möglicherweise die Chance auf ein herausragendes besseres Projekt, und wer zu spät sein Limit definiert, wird vielleicht am Ende nicht ruiniert sein, aber am Projekt entweder nichts verdienen (private Investoren) oder sich der harschen Kritik von Kontrollinstanzen ausgesetzt sehen (öffentliche Investoren).“

Lechners Tipp: „In jedem Fall ist es bei den Kosten nun noch wichtiger, den richtigen Zeitpunkt oder auch den ‚goldenen Mittelweg‘ zu finden, der Kreativität und Kosten in eine ökonomische Korrelation bringt“, so Lechner. Aber auch eine gewinnbringende Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten führt zu einer Win-Win-Situation:
„Wenn das praxisorientierte Know-how aus der Ausführung partnerschaftlich bereits in der Planungsphase eingebracht wird, ergeben sich kostenoptimierende Synergien, und der Planer kann seine Kreativität mehr auf sein Kerngebiet konzentrieren“, ist Wolfram Lochs überzeugt.
Lechner betont auch, dass Kommunikationsfähigkeit ein sehr wichtiges Tool im Projektmanagement ist: „Die Bauwelt ist komplizierter als die ‚normale‘ Wirtschaft – daher ist professionelles Projektmanagement und damit verbunden eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit ein wichtiger Faktor“, betont Lechner.
Auch Norbert Hartl, Landesinnungsmeister Oberösterreich, betont: „Kommunikation ist ein großes Thema im Projektmanagement und im gesamten Team. Wer kommuniziert wann mit wem und warum nicht. Da gibt es oft Befindlichkeiten, die es rechtzeitig zu erkennen gilt“, weiß Norbert Hartl, Geschäftsführer der Schmid Bauunternehmung-Holzbau GmbH.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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