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KSV 1870: Ein Wermutstropfen in der Halbjahresbilanz

05.06.2018

Eine positive Grundstimmung mit wenig Insolvenzen verlautete der KSV 1870 bei seiner Halbjahresbilanz. Welche Bundesländer eine besonders erfreuliche Entwicklung zeigen und warum es trotz guter Zahlen einen Wermutstropfen gibt, lesen Sie hier.  

"Die Unternehmen wollen aus dem Korsett der Bürokratie heraus", sagt Ricardo-José Vybiral.

Insgesamt 2.595 Unternehmen wurden im ersten Halbjahr in Österreich insolvent. Das entspricht einem geringfügigen Zuwachs von etwa 0,8 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2017. Während die mangels Vermögen nicht eröffneten Verfahren um 1,6 Prozent auf 1.060 anstiegen, gabe es bei den eröffneten Insovenzverfahren mit 0,3 Prozent so gut wie keine Änderung. "Auf den ersten Blick zeichnen die Zahlen ein sonniges Bild, nämlich nur eine minimale Veränderung der Fälle auf niedrigem Niveau", sagt KSV-Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral. "Die Probleme spielen sich wo anders ab." Vor allem die massive Steigerung bei den von Insolvenzen betroffenen Dienstnehmern und die unberichtigten Forderungen, die das Insolvenzgeschehen kennzeichnen, seien besorgniserregend. "Das Plus resultiert aus einigen Großfällen, die im ersten Quartal eröffnet wurden."

Bundesländer im Vergleich

Während Oberösterreich und Tirol  im ersten Halbjahr 2018 rückläufige Insolvenzzahlen verzeichneten, zeigen zwei andere, ebenfalls industriell bedeutsame Bundesländer (Wien und Steiermark) Zuwachsraten. "Ein Ausreißer im positivem Sinne ist Tirol mit einem Rückgang von über 20 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017", hielt Hans-Georg Kantner fest, Leiter der KSV 1870 Insolvenz. Die sei zweifellos der Spiegel eines Bundeslandes, das sowohl industriell, als auch touristisch ganz vorne mitspiele und obendrein aus seiner geografischen Lage als Logistikdrehscheibe von der gegenwärtigen Konjunktur profitiert, wie kein anderes Bundesland in Österreich.

Künstlich herbeigeführter Anstieg

Die Zahl der Privatinsolvenzen stieg nach KSV1870-Einschätzung erwartungsgemäß. Waren es im ersten Halbjahr 2017 noch 2.976 sind diese im ersten Halbjahr 2018 auf 5.519 und damit um 85,5 Prozent angestiegen. Zurückzuführen ist das nach Angaben des KSV auf eine klar festzumachende Ursache. Im Jänner 2017 gab die damalige österreichische Bundesregierung bekannt, das Schuldenregulierungsverfahren von sieben auf drei Jahre zu verkürzen und jede Mindestquote abzuschaffen. Da dürfe es nicht verwundern, dass Schuldner ihre Anträge so lange zurückgehalten haben, bis das neue Recht mit 1. November 2017 in Kraft getreten sei.Entsprechend sei im Jahr 2017 die Zahlen deutlich gesunken und ab Inkrafttreten angestiegen. Das jetzige Plus ist nach KSV-Meinung also künstlich herbeigeführt.

Ausblick

Augrund der aktuellen Entwicklungslage erwartet der KSV für das Jahr 2018 keinen signifikanten Anstieg der insolventen Unternehmen gegenüber dem Vorjahr. Anders sieht es bei den Passiva und den betroffenen Dienstnehmern aus. "Sie werden deutlich über dem Vorjahr liegen", sagt Kant. Positiv lässt der vom KSV durchgeführten Business Check in die Zukunft blicken. Immerhin 43 Prozent der befragten österreichischen Unternehmen wollen ihr Investitionen erhöhen und das quer durch alle Unternehmensgrößen. "Der Wachstumskurs der österreichischen Wirtschaft hält also auch 2018 weiter an", sagt Vybiral. Die Erwartungen an die Regierung betreffen, sind 56 Prozent für eine Förderung der Wirtschaft im Allgmeinen, 52 Prozent sprechen sich für eine Vereinfachung des Arbeitsrechts aus, und 76 Prozent sehen einen Bürokratieabbau als notwendig. "Die Umfrage macht deutlich, das die Unternehmen aus dem Korsett der Bürokratie heraus wollen."

 

 

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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