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Kunst und Kultur im Hotelzimmer

07.04.2009

Johannes Kepler, Stahl und Circle Suite sind die neuen Aushängeschilder des Arcotel Nike in Linz. Durch die Umbau- und Renovierungsarbeiten will die Kulturhauptstadt 2009 ein anspruchsvolles Zeichen setzen.

Bereits 2008 wurden im Arcotel Nike in Linz große Umbau- und Renovierungsarbeiten vorgenommen. Dieses Jahr wurden erneute mit hohem Investitionsbudget bauliche Veränderungen an dem Hotel vorgenommen. Im März konnten die Bauarbeiten abgeschlossen bzw. die Neuerungen bereits feierlich eröffnet werden.

Im 12. und letzten Stock des Gebäudes wurden aus sechs bisherigen Hotelzimmern nun drei großflächige Suiten, die jeweils einen ganz speziellen Themenschwerpunkt präsentieren. Insgesamt verfügt das Hotel an der Donaulände nun über 174 Zimmer und Suiten. Die Umgestaltung wurde vom bildenden Künstler und Industriedesigner Harald Schreiber und der Arcotel-Eigentümerin Renate Wimmer übernommen. Eine Zusammenarbeit zwischen dem Künstler und Arcotel besteht bereits seit vielen Jahren.

Nächtigen nach Themen

In den vergangenen drei Jahren wurden die Stockwerke fünf bis elf erneuert. Das dritte und vierte Obergeschoß wurden saniert, und das Zwischengeschoß, in dem sich fünf der acht Seminarräume des Hotelgebäudes befindet, wurde erneuert. Um der Kulturhauptstadt 2009 ein weiteres Highlight zu widmen, wurden heuer drei Themensuiten im 12. Stock ausgebaut. Mit den Baumeisterarbeiten für dieses Projekt – nach den Plänen des Architekten Harald Schreiber – war die Wagner Bau Ges.m.b.H. aus Wien betraut. „Aus bisher sechs Zimmern wurden nun drei Suiten. Wir haben jeweils zwei Zimmer zusammengelegt. Durch die Zusammenlegung war unsere Aufgabe großteils, die Wände mittels Bohr- und Schneidearbeiten abzubrechen bzw. neue Türöffnungen in die Stahlbetonwände zu bohren bzw. zu schneiden“, wie Herbert Lukitsch von Wagner Bau berichtet. „Bei größeren Wänden wurde eine Stahlrahmenkonstruktion eingebaut, um die neuen Türöffnungen zu verstärken“, berichtet der Bauleiter weiter.
Die neuen Suiten wurden jeweils nach einem eigenständigen Motto umgebaut und dementsprechend eingerichtet. Die Johnannes Kepler Suite war vor allem Renate Wimmer, Arcotel-Eigentümerin, ein Anliegen: „Eine Johannes Kepler Suite in unserem Haus einzurichten war mir ganz besonders wichtig, weil das Wirken dieses Wissenschaftlers für Linz von großer Bedeutung war und er hier bleibende Spuren hinterließ“, erklärt die gebürtige Linzerin. Zentrales Merkmal der Johannes Kepler Suite, die zudem die größte der drei neuen Räumlichkeiten ist, ist der in geometrischer Form gestaltete Besprechungstisch, der Platz für zwölf Personen bietet. Er ist jenen Erkenntnissen nachempfunden, die Johannes Kepler in seinen „Fünf Büchern zur Harmonik der Welt“ aus dem Jahr 1619 dargelegt hat.

Um der Tradition der Stadt Linz Rechnung zu tragen, wurde aus weiteren zwei Zimmern die Stahl Suite. „Wer Linz sagt, sagt auch Stahl“, erklärt Rinaldo Bortoli, General Manager des Arcotel Nike, die Idee dahinter. In der Stahl Suite wurden zweierlei Qualitäten verarbeitet: Für die Sanitäreinrichtungen wie ­Badewanne, Bidet, Toilette und Handwaschbecken wurde Edelstahl verwendet. Als Kontrast dazu wurde in der Suite auch Stahl verwendet, der einem künstlichen Korrosionsprozess ausgesetzt und dadurch rostig wurde, woraus sich ein warmer, bräunlicher Ton ergibt, der beispielsweise bei der Aufhängung des Bettes verwendet wurde. Außerdem ist das Mobiliar überwiegend in Edelstahloptik gehalten.

Die dritte Suite – die Circle Suite – eröffnet durch das runde Fenster mit einem Durchmesser von 2,5 Metern einen einmaligen Ausblick auf die Donau und den Pöstlingberg. Das große runde Fenster wurde dem Bullauge eines Schiffes nachempfunden. Es ist in rot gehalten und zum Wasser hin ausgerichtet. Auch die Einrichtungsgegenstände wie Bett, Waschbecken, Toilette, Bidet und Dusche wurden weitgehend als runde Elemente gestaltet. Ein besonderes Highlight der Circle Suite ist der allgemein bekannte hängende Bubble Chair, der nach einem Entwurf von Eero Aarnio entstand.

Präzise Detailarbeit

Während der Umbauarbeiten im 12. Stock lief der Hotelbetrieb in den unteren Etagen unbeeinträchtigt weiter: „Die beiden Stockwerke darunter mussten gesperrt werden, aber ansonsten gab es keine Berührungspunkte mit dem Hotelbetrieb“, erzählt Lukitsch. „Es stand ein eigener Lastenaufzug für die Baumaßnahmen zur Verfügung. Die einzige Einschränkung für uns war, dass wir Bohr- und Stämmarbeiten nur in der Zeit von 9 Uhr bis 17 Uhr durchführen konnten, um die Gäste nicht zusätzlicher Lärmbelästigung auszusetzen“, so Lukitsch weiter.

„Baulich war vor allem das große runde Fenster der Circle Suite eine Herausforderung“, erklärt Herbert Lukitsch. „Um das Loch für das Fenster mit dem Durchmesser von 2,5 Metern auszuschneiden, war ein spezielles Schneideverfahren notwendig. Mithilfe einer Zirkelkreissäge wurden zuerst in der Mitte Löcher gebohrt. Durch die Größe des Fensters war ein enormes Gewicht an Abfall gegeben, das wir in kleine Teile zerschneiden mussten, um es abtransportieren zu können.“ Diese aufwändige Arbeit kostet Zeit: „Zwei bis drei Tage hat es in etwa gedauert, bis die Öffnung aus dem Stahlbetonskelett des Bauwerkes vollständig ausgeschnitten war. Rechnet man die Vorbereitungsarbeiten wie etwa den Gerüstaufbau dazu, dann war es ungefähr eine Woche Arbeit, die wir für das Fenster benötigt haben“, so Lukitsch weiter. Ganz problemlos verliefen die Arbeiten an dem außergewöhnlichen Fenster zudem nicht: „Einmal mussten wir das Gerüst versetzen, um freien Zugang zum genauen Mittelpunkt der Fensteröffnung zu gewährleisten. Dadurch hatten wir eine kleine Zeitverzögerung. Und auch beim Finale – dem Einsetzen der Glasscheibe – lief es nicht ganz reibungslos“, erzählt der Bauleiter. „Beim Einsetzen der Glasscheibe mittels Hubschrauber war der Wind zu stark und die Scheibe ist zerbrochen. Das ist zwar ärgerlich, aber so etwas kann passieren.“

Im März dieses Jahres wurden die Suiten schließlich der Öffentlichkeit präsentiert. „Ich hoffe, dass die drei Suiten auch von unseren Gästen gut angenommen werden und sich das in einer positiven Entwicklung bei der Buchungssituation im Arcotel Nike niederschlägt“, bringt Manfred Mayer, Vorstand der Arcotel Hotel AG, den wirtschaftlichen Aspekt dieser Investition auf den Punkt.

Diana Danbauer

aus: bauzeitung 14/09, S. 36

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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