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Der neue Lafarge Österreich-Geschäftsführer Berthold Kren stellte die an die neuen EU-Vorgaben adaptierte Strategie vor.

Lafarge: Würfelspiele bis zur CO2-Neutralität

28.09.2020

Zementhersteller Lafarge plant mit Ehrgeiz die Klimaneutralität bis 2040. Ein zentraler Baustein soll das Pilotprojekt Carbon2ProductAustria (C2PAT) werden.

Ein Umwelttechniker als neuer CEO – das sagt schon viel über die Unternehmensstrategie aus. Seit 2005 beschäftigt sich Berthold Kren im LafargeHolcim-Konzern auf internationaler Ebene mit Ersatzbrennstoffen und dem Thema Geocycle. Vor zweieinhalb Monaten ist der gebürtige Steier nun zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und verantwortet als CEO der Lafarge Zementwerke den heimischen und zentraleuropäischen Markt (Ungarn, Slowenien, Kroatien und Tschechische Republik). „Ich bin ein Kind der 1970er-Jahre und erinnere mich noch gut, dass wir zum Beispiel den sauren Regen durch konsequente Maßnahmen der Industrie lösten. Unsere Herausforderungen an Klima-Fitness sind heute mannigfach höher, dennoch können unsere Werke bis 2040 CO2-neutral sein. Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir unsere Klima-­Aufgaben technisch in den Griff bekommen.“

Pariser Klimaschutzziele

Der LafargeHolcim-Konzern preschte Mitte ­September mit der neuen Initiative „Business ­Ambition for 1,5° C“ in Sachen Klimaziele vor. ­Darin verpflichtet sich der Konzern zur Erreichung von ­Klima-Zwischenzielen bis 2030, die von der Science-­Based-Targets Initiative (SBTi) validiert werden. 
Lafarge-­CEO Berthold Kren stellt klar: „Bisher lautet das ­offizielle Ziel minus 40 Prozent. Die Verschärfung auf mindestens 55 Prozent soll helfen, das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten. Dies bedeutet für uns als Industrie gewaltige Anstrengungen, vor allem angesichts der Rahmenbedingungen, die auf unsere Branche im nächsten Jahr zukommen.“
Damit spielte Berthold Kren auf den ab 1. 1. 2021 neu geltenden Nationalen Allokationsplan an. Berthold Kren weiter: „Die Verknappung der Roh- und Zumahlstoffe (Flugasche, Schlacken etc.) für die Zementproduktion, die CO2-Problematik und die laufenden anstehenden Investitionen können natürlich eine Preissteigerung bewirken. Während Ersatzbrennstoffe ausreichend verfügbar sind, wird der Anteil an Zumahlstoffen durch die Schließung von Kraftwerken oder die stagnierende industrielle Produktion stetig knapper. Auch wenn wir in Österreich mit unseren Teams und Werken gut aufgestellt sind, müssen wir noch stärker unsere Hausauf­gaben machen, um diese ehrgeizigen und notwendigen Ziele zu erreichen.“

Dekarbonisierungs-Roadmap

Auch in Österreich hat Lafarge eine Dekarbonisierungs-Roadmap entwickelt, die sich an der 5C-­Strategie des Cembureaus (Europäischer Zementverband)orientiert: 
◼ Erstes C – Clinker: Mit 66 Prozent stellt Klinker den Hauptbestandteil des Lafarge-Produktport­folios dar und ist damit der Hauptverursacher des CO2-
Rucksacks. Berthold Kren erläutert: „Im Vergleich zum europäischen Zielwert von 732 kg CO2/t Klinker im Jahr 2030 sind wir heute schon bei <775 kg CO2/t Klinker. Dennoch setzen wir uns mit weiteren Energie­effizienzmaßnahmen für 2030 mit 700 Kilogramm CO2/t Klinker ein mehr als ambitioniertes Ziel.“
◼ Zweites C – Cement: Im Zement soll der Klinkeranteil auf 60 Prozent gesenkt werden. Dies bedeutet eine CO2-Absenkung von heute etwa 500 kg/t ­Zement auf <450 kg/t Zement bereits im kommenden Jahr.
◼ Drittes C – Concrete: Im Beton liegt Österreich weltweit führend bei derzeit durchschnittlich 240 kg CO2 pro Kubikmeter Stahlbeton. Berthold Kren ­erläutert: „Mit der Reintegration der Perlmooser Beton haben wir wieder die Möglichkeit, unsere Beton-­Expertise lokal einzusetzen, wobei wir einen Fokus auf Kreislaufwirtschaft und Recycling setzen werden.“
◼ Viertes C – Construction: Technologien wie thermische Bauteilaktivierung und Walzbetonstraßen sowie neue Baustoffanwendungen können ebenfalls ­positiv zur CO2-Bilanz beitragen.
◼ Fünftes C – Carbonation: Beton nimmt über seine Lebensdauer durch die Recarbonatisierung circa dreizehn Prozent des bei der Produktion emittierten CO2 wieder auf. „Durch verbessertes Recycling könnte dieser Wert mehr als verdoppelt werden“, erklärt Marketing- und Vertriebsdirektor Gernot Tritthart.
Bis 2030 wird das Unternehmen dank der kontinuierlichen Anstrengungen bei den fünf C das Zwischenziel von <400 kg CO2/t Zement erreicht haben.

2030: <50 kg CO2/t Zement

Einen wesentlichen Anteil an der Erreichung dieser Ziele soll das Anfang Juli vorgestellte Projekt Carbon2ProductAustria (C2PAT) haben. Gemeinsam mit OMV, Verbund und Borealis will Lafarge ein ­Pilotprojekt starten, bei dem die Abscheidung von CO2 aus der Zementherstellung sowie die Fertigung von hochwertigen Kunststoffen, Olefinen und Kraftstoffen auf Basis erneuerbarer Rohstoffe im Fokus steht. In einem ersten Schritt sollen in einer Test­anlage rund 10.000 Tonnen CO2 umgewandelt werden. Beim Innovationsfonds wurde gerade um Unterstützung eingereicht. Im Jahr 2030 sollen, wenn alles nach Plan läuft, rund 700.000 Tonnen CO2 in Mannersdorf abgeschieden werden. Mit dieser ­Pilotanlage kann Lafarge in Österreich den CO2-Wert im Zement auf unter 50 Kilogramm bringen. 
„Und für diese 50 Kilogramm CO2 werden wir sicher auch noch eine Maßnahme entwickeln“, bekräftigte CEO Berthold Kren.

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