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Lean Management und Early-Contractor-Involvement

25.09.2019

Die Eliminierung von Verschwendung und die frühzeitige Einbindung der Ausführenden sind inzwischen bekannte Schlagworte. Aber: Wie kommt man vom Schlagwort zur Umsetzung?

Da im Interview mit Plettenbacher/Stopfer (Bauzeitung Ausgabe 13/14 2019) auch auf die unvermeidbare rechtliche Ebene hingewiesen wurde, sollen hier – in sehr knapper Form – einige rechtliche Aspekte dieser (noch) neuen Methoden dargestellt werden.

Der Baukasten und die Projekteignung

Zentral für das Verständnis der praktischen Einsatzmöglichkeiten von Lean Management und Early-­Contractor-Involvement ist, worauf auch ­Plettenbacher/Stopfer hingewiesen haben, Folgendes: Es muss keineswegs alles „Gewohnte“ über den Haufen geworfen werden. Eine Vielzahl von einzelnen Bausteinen und Methoden steht zur Verfügung. Je nach den Anforderungen des Projekts können diese ausgewählt und kombiniert werden. Jeder Bauvertrag, sei es auch die einfachste gewerksweise Leistung, könnte einige dieser Bausteine vertragen.

Grundsätzlich uninteressant sind all diese Methoden lediglich für Bauherren, die davon überzeugt sind, keinerlei Unterstützung durch das Wissen der ausführenden Firmen in Planung und Ausführung zu benötigen, weil sie selbst (allein oder mit ihrem Planer) ohnehin alles wissen. Die Vertreter dieser Spezies, ­die es nach wie vor gibt, müssen nicht weiterlesen.

Die Vergabephase

Das Vergaberecht verbietet weder Lean-Ansätze noch Early-Contractor-Involvement. Beides ist grundsätzlich möglich und zulässig. Freilich erleichtert das Vergaberecht – abgesehen davon, dass öffentliche und Sektorenauftraggeber oft weniger risikobereit bzw. offen gegenüber Neuem und Unbekanntem sind – aufgrund einer nicht auf diese „neuen“ Methoden ausgerichteten Systematik nicht gerade die Umsetzung.

Im Detail ist die „Eingriffstiefe“ des Vergaberechts unterschiedlich. Lean Management und andere kooperative Abwicklungsansätze, die sich nur auf die Bauausführung beziehen, sind durch das Vergaberecht kaum behindert. Early-Contractor-Involvement und allgemein Lösungen, die sich auf eine frühzeitige Einbindung der ausführenden Unternehmen in die Planungsphase beziehen, sind nicht mit allen Werkzeugen, die das Vergaberecht zur Verfügung stellt, umsetzbar und bedürfen einer spezialisierten und präzis auf die Erfordernisse des einzelnen Projekts angepassten Konzeption des Vergabeverfahrens. Als Beispiel sei hier nur genannt, dass ein bloßes Billigstbieterverfahren nicht zum gewünschten Ziel führen kann.

Die Ausführungsphase

In der Ausführung, die durch den Bauvertrag mit allen seinen Bestandteilen geregelt wird, bestehen keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen öffentlichen, Sektoren und privaten Auftraggebern.

Verabschieden muss man sich von der Vorstellung, dass der Vertrag alle Probleme lösen kann. Natürlich kann ein Vertrag dazu beitragen, dass manche Probleme und Konflikte gar nicht entstehen. Der Vertrag soll aber vor allem geeignete Instrumente und Voraussetzungen zur frühzeitigen Erkennung und zum Umgang mit Problemen zur Verfügung stellen. Dazu ist er auf die personellen, organisatorischen und technischen Ressourcen des Bauherrn und des Projekts abzustimmen. Es macht etwa keinen Sinn, die kooperative Einbindung des Bauherrn in Ausführungsabläufe vorzusehen, wenn dieser das entsprechende ­Personal nicht zur Verfügung hat.

Für die von Plettenbacher/Stopfer genannten Last-Planner-Besprechungen beispielsweise ist wichtig, dass dort auch verlässliche Zusagen gemacht werden können. Um dies zu erleichtern, wäre die Vertretungsbefugnis der Teilnehmer im erforderlichen Ausmaß im Vertrag festzulegen.

Wesentlich ist auch der Gedanke der Gleichrichtung der Ziele der Vertragspartner. Das fängt bei sehr einfachen Anreizen an wie einem Bonusmodell zugunsten des Auftragnehmers für das (bessere) Erreichen von bestimmten (wirtschaftlichen und qualitativen) Zielen des Auftraggebers und endet bei einer „Vergesellschaftung“ der wesentlichen Projektrisiken (grob vergleichbar einem Arge-Vertrag).

Die Möglichkeiten sind jedenfalls sehr vielfältig und auch weitgehend bereits praxiserprobt.

Autor/in:
Thomas Kurz

ist Rechtsanwalt bei Heid und Partner Rechtsanwälte GmbH
Landstraße Hauptstraße 88/2–4, A-1030 Wien

www.heid-partner.at

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