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Leise, aber marktbestimmend unterwegs

23.01.2006

Einen Antialkoholiker wie Klaus Ortner an einem Freitagabend in der gediegenen Bristol-Bar im gleichnamigen Wiener Innenstadt-Hotel zum Interview zu treffen, mag seltsam anmuten, gewagt ist es nicht. Ein Mann, der sich selbst als liberal, konservativ, mit einem Schuss Klerikalität beschreibt, der Sport in Maßen betreibt und eine umfangreiche Bildersammlung aus dem 19. und 20. Jahrhundert besitzt, der obzwar vermögend seinen persönlichen Reichtum nicht nach außen kehrt, entpuppte sich als interessanter Gesprächspartner – bei Cola light und Unmengen von Peanuts und Cashews. Doch die Bar als Treffpunkt war nicht ganz uneigennützig gewählt, schließlich isst Ortner nur abends und das umso ausgiebiger.
In dem fast zweistündigen Gespräch erzählte er die unglaubliche Erfolgsgeschichte eines Unternehmens, das als Installationsbetrieb von seinem Großvater 1902 in Innsbruck mit wenigen Mitarbeitern gegründet wurde und das er in der dritten Generation zu einer ansehnlichen Firmengruppe mit 1600 Mitarbeitern (davon 200 in Polen) und 220 Millionen Euro Jahresumsatz in der Installations- und Anlagentechnik ausbaute. – Die Unternehmensgruppe arbeitet seit dem Tag der Gründung ohne Verluste und mit Bankkrediten mögen sich andere über Wasser halten. Die Ortner-Gruppe hat bis heute alle Investitionen aus Eigenmitteln finanziert.
Was zeichnet diesen Mann nun aus, dem ein größerer Flop im Beruf bisher erspart blieb? Ortner: „Ich bin gut, wenn es entweder sehr ins Detail geht, oder um große Strategien. Ich bin daher gut in einem mittleren Betrieb, wo ich mich noch in alles einmischen kann. Hingegen wäre ich für die operative Tätigkeit in einem sehr großen Betrieb, in dem man allein nicht mehr alles überblicken und entscheiden kann und daher verschiedene Managementaufgaben vollständig anderen anvertrauen muss, nicht so gut geeignet. Wenn ich in meiner Firma, wo ich operativ tätig bin, fünf Direktoren um mich hätte, ließe ich ihnen zu wenig Freiraum. Und genau das ist meine Schwäche: Ich habe nicht die Stärke, mich nicht einzumischen.“

Baukonzern als Partner
Für mediales Aufsehen sorgte Ortner erstmals Ende der 90er-Jahre als er sich wieder einmal einmischte und Beteiligungen an der Porr und der insolventen Bacon Gebäudetechnik erwarb. Sein mittlerweile rund 30-prozentiger Anteil an der Porr, deren Aufsichtsratspräsident er ist, kostete Ortner (nach heutigem Aktienkurs) die Kleinigkeit von 52 Millionen Euro. Den Anstoß dazu lieferte dem Tiroler ausgerecht sein Landsmann, Strabag-Chef und Mehrheitseigentümer Hans Peter Haselsteiner. Als sich dieser Raiffeisen mit ins Boot holte und einen großen Baukonzern zimmerte, dachte Ortner, dass es für sein Unternehmen, das mit dem Baugeschäft so eng verflochten ist, auch ganz sinnvoll wäre, eine Baufirma als fixen Partner zu haben. Die Porr bot sich an, weil er mit ihr bereits seit Jahren sehr eng zusammenarbeitete. Genau genommen seit 1968, als Klaus Ortner die Wiener Niederlassung gründete, geschah dies, weil seine Firma von Sandoz den ersten Großauftrag in Wien erhielt. Ortner sollte die Gebäudetechnik für das neu errichtete Forschungszentrum im 23. Bezirk liefern. Für den Bau selbst war damals die Porr verantwortlich. Die ersten 8,5 Prozent der Porr-Anteile kaufte er 1999 von der BA-CA, der Rest folgte in den Jahren.
Die Bacon Gebäudetechnik wollte Ortner zunächst nicht, doch als von Siemens das Angebot kam, es gemeinsam zu machen, griff er zu. Die ersten Monate waren Knochenarbeit, schildert der Vater zweier Töchter, weil er zusätzlich zu seinem Job auch die Geschäftsführung von Bacon übernahm. Aber es hat sich gelohnt, denn sein erklärtes Ziel ist es, „marktbestimmend zu sein“ und gemeinsam mit Siemens ist er Marktführer. Ins Ausland wagte sich Ortner erstmals 1980, als er für das neu errichtete Forum Hotel in Budapest die Gebäudetechnik lieferte. „Damals haben wir uns den Kopf zerbrochen, wie wir das Gas und den Sauerstoff nach Budapest bringen können“, erinnert sich Ortner.

Frühe Ostaktivitäten
Weitere Aufträge in Osteuropa, Georgien, Russland und Kasachstan folgten. 1996 wurde die bisher einzige Auslandsniederlassung in Polen (Warschau) gegründet. 2004 erwarb Ortner schließlich eine Mehrheitsbeteiligung an der polnischen KMW Gruppe mit dem Anlagenbauer TKT Engineering und dem Montagebetrieb KMW Engineering. Heute ist Ortner der größte Haustechnikbetrieb in ganz Polen.
Dieser berufliche Erfolg setzt sich bei Ortner auch im Privatleben fort: Seine Frau ist ausgebildete Medizinerin, doch ihren Beruf hängte sie der Familie zuliebe sehr früh an den Nagel. Beide haben das Glück, mit Iris und Nina zwei hervorragend ausgebildete Töchter zu haben, die auch Interesse am Unternehmen zeigen. Iris arbeitet bereits seit zwei Jahren im Betrieb und hat die Einzelprokura. Wie ihr Vater hat auch sie an der renommierten ETH in Zürich Maschinenbau studiert, später in Fontainebleau ihren MBA gemacht. Sie arbeitete bei Siemens in New York, als dort der jetzige Siemens-Konzern-Chef Klaus Kleinfeld das Sagen hatte. Seit damals kennen sich die beiden, wie der Vater nicht ohne Stolz berichtet. Die 31-Jährige, die Polnisch, Englisch, Spanisch und Französisch spricht, leitete bereits eine Ortner-Baustelle in Warschau und ist jetzt sowohl in Österreich als auch in Polen im Einsatz. Zudem sitzt sie bereits in einigen Aufsichtsräten von Porr-Töchterbetrieben.
Die zweite Tochter, Nina (26), absolvierte jüngst ihr WU-Studium und arbeitet bei einem Wirtschaftsprüfer.

Börsengang ist kein Thema
Und wie geht es weiter? „Mein Ziel ist es, den Betrieb im Familienverband zu halten.“ Ein Börsengang sei keine Alternative, schließlich gab es bisher keinen Kapitalbedarf. „Meine Töchter werden das Unternehmen später einmal sicher anders führen, sie werden eine Geschäftsleitung einsetzen müssen. Um sich wirklich auszukennen, müssen sie aber erst einmal vier bis fünf Jahre im Betrieb arbeiten.“ Doch bis die vierte Generation und damit erstmals Frauen bei Ortner das Sagen haben, wird es wohl noch etwas dauern, denn wie sagte der 61-Jährige so schön: „Es ist das Vorrecht des Unternehmers, nicht in Pension gehen zu müssen.“
Bis dahin könnten aus seiner Weitsicht, nämlich der Vernetzung von Ortner, Bacon, Siemens und Porr interessante Kooperationsmöglichkeiten bei künftigen Großprojekten entstehen. Nicht zuletzt, weil sowohl private Großkonzerne als auch die öffentliche Hand ihre Gebäude zunehmend nicht mehr selbst im Eigentum haben, sondern nur mehr mieten. Dadurch ergibt sich für dieses „Firmennetzwerk“ die Chance, sein gebündeltes Know-how bei solchen Projekten zu verwirklichen: Beim Finanzieren, Planen, Errichten, Erhalten und Betreiben dieser Objekte. Die Porr hat eine lange Erfahrung in der Projektentwicklung und Anteile an einer Fassadenbaufirma, Ortner und Siemens decken die gesamte Haustechnik ab, in Summe also beste Voraussetzungen für kommende Aufgaben. Um das alles auf Schiene zu bekommen, bedarf es eines enormem persönlichem Engagements und einer gehörigen Portion Fleiß – Eigenschaften, die Ortner zweifelsfrei hat. Sieben Tage die Woche ist er für seinen Betrieb im Einsatz, davon ein bis zwei Tage im Büro in Innsbruck, wo heute noch das zentrale Rech-nungswesen und die Administration der Gruppe verankert sind. Wie kein anderer kennt der Chef den Betrieb bis ins letzte Detail und ist für Kunden, Geschäftsfreunde und Mitarbeiter praktisch rund um die Uhr erreichbar. „Wer ihn zu ungewöhnlichen Zeiten kontaktiert, hat nie das Gefühl, dass ihm das lästig wäre, im Gegenteil, er reagiert mit großer Aufmerksamkeit und Begeisterung. Und er ist stets bereit, an Problemlösungen mitzuwirken“, sagen Menschen, die mit Ortner zu tun haben.
Unschlagbar ist Ortner aber auch auf einem anderen Gebiet: bei Apfelsäften. Er kennt jede Sorte, vor allem die guten Jahrgänge. Und wenn ihm, der zwischen den Büros und Baustellen hin- und herpendelt, noch Zeit bleibt, dann liest der Vielbeschäftigte: von Belletristik über Sachliteratur bis zu Krimis. – Die aber nur, wenn er „ganz müde“ ist.
Claudia Ruff
Wirtschaftsredakteurin bei
„Der Standard”

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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