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LOISIUM:

25.02.2004

Mit dem LOISIUM in Langenlois, NÖ, hat die Welt des Weines eine neue, aufregende Heimat erhalten – auch aus beleuchtungsgestalterischer Sicht.

Oberirdisch, inmitten herrlicher Weingärten, empfängt die Gäste ein Besucherzentrum, geplant und gebaut von dem international renommierten amerikanischen Architekten Steven Holl (s. auch „bau.beschreibung“ in Ausgabe 39/03). Holl wandelte die Geometrie des Kellernetzes in eine abstrakte dreidimensionale, räumliche Sprache um – es entstand ein Volumenkörper von etwa 25m x 25m x 13m.
Unterirdisch wird den Besuchern, eintretend durch ein magisches Tor, das in eine große Bruchsteinmauer eingelassen ist, eine (Wein-)Kellerwelt von mystischer Sinnlichkeit erschlossen. Bei Dunkelheit wird die Wand mit Bodeneinbaustrahlern von Bega inszeniert.
Federführend in der Entwicklung der Inszenierungen war die Schweizer Kommunikationsagentur Steiner Sarnen Schweiz sowie der bekannte Schweizer Künstler Hugo Schaer. Das Karlsruher Planungsbüro [werkPlan] wurde als Beleuchtungsgestalter sowie als Fachplaner für die Audio- und Medientechnik beauftragt.

Herausforderung „Veltliner-grünes Licht“
Der Begrüßungsraum mit seinem riesigen Steuerpult der Attraktion ist nüchtern als „Kommandozentrale“ ausgeführt. Dann vollziehen die Besucher nach und nach einen spektakulären Verwandlungsprozess.
Eine besondere szenographische Herausforderung war es, den gewünschten Gegensatz vom Stahlblau der Weinfässer zum Veltliner-Grün des Weins im Eingangsgebäude mittels Licht umzusetzen: In die Wände wurden dimmbare Slotlights von Zumtobel Staff eingebaut. Für die Beleuchtung des Gärtanks in Stahlblau sorgen PAR 16 Strahler mit 50 W Halogenleuchtmittel und einer Farbfolie.
Hautnah wird den Gästen die Weinwerdung geschildert, so als wären sie selbst die Trauben: zunächst über einen als Weinpresse inszenierten Aufzug zum Eingang des überdimensionalen Gärtanks, in dem eine aus Wasserspielen und Lichteffekten inszenierte Gärshow geboten wird. Dabei kommen 14 wasserdichte Moving Lights des texanischen Herstellers High End Systems zum Einsatz. Es wurden neun Spotlights ES 1 verwendet, die, ausgestattet mit einem Leuchtmittel 575W MSR, über integrierte Farb- und Motivscheiben verfügen. Analog zu den Inhalten der Gärshow werden Bilder und Symbole projiziert.
Frei in der Wahl der Farben ist man mit den eingesetzten sechs Washlights EC 2. Mittels integrierter subtraktiver Farbmischeinheit ist die Generierung fast jeder beliebigen Farbe möglich.

Langenloiser Unterwelt
Danach führt der Weg durch die bis zu 900 Jahre alten Kellergänge der Langenloiser Unterwelt. Im Tagbauverfahren wurden Verbindungsgänge geschaffen, die getreu dem authentischen Anspruch der Attraktion mit Ziegelsteinen gemauert wurden.
Bei der Auswahl der Beleuchtung sollte die ursprüngliche Form und Anmutung der Gänge nicht durch unnötig viele Aufbauleuchten gestört werden. Die gestalterische Lösung hierfür war eine von [werkPlan] entwickelte Lichtlinie zum Einbau in den Lössboden, hergestellt in Zusammenarbeit mit ERCO Österreich. In einem verzinkten Stahlblechgehäuse werden zwei parallel nebeneinander installierte Lichtleisten in Schutzart IP 65 betrieben. Die neutralweiße Lichtfarbe der Leuchtstoffröhren wurde mittels Farbfolien auf die gewünschte Lichtfarbe korrigiert. Das Gehäuse ist bewusst nicht als hermetisch geschlossener Kasten ausgeführt, über Schlitze an den Seiten und am Boden des Gehäuses kann Feuchtigkeit gewissermaßen hindurchfließen.
Die Lichtlinien adaptieren die Formgebung der Einschnitte des Besucherzentrums, grobe klare Formen führen den Besucher durch die Kellergänge. Die Linie kommt zum Teil als bodengleiche Einbauvariante, zum Teil aber auch als Aufbauleuchte, gewissermaßen als Lichtmöbel, zum Einsatz.
Zur Beleuchtung der alten Fässer und Gegenstände wird im ganzen Keller einheitlich die wasserdichte Aufbauleuchte 8.400 von Bega eingesetzt. Die Kellergänge, die nicht von den Zuschauern begangen werden können (noch existierende Privatkeller), werden mit Lisilux-Keramikleuchten im alten Stil sanft beleuchtet, um einen Einblick in diese Welt zu gewähren.

Moderner Weinbaubetrieb
Der Weg der alten Kellergänge führt in einen modernen Tankkeller des Weinbaubetriebs Steininger. Auch hier wurde im Lichtdesign großer Wert auf den Gegensatz „Stahlblau der Gärtanks – Veltliner-Grün“ gelegt.
Die intensiv gelbgrün gestrichenen Wände des Raums wurden mittels Halogenflutern von Zumtobel Staff (ARCADE QT DE 300W) beleuchtet. Die Tanks selbst erhalten eine direkte Bestrahlung mittels PAR 56 Scheinwerfern in stahlblauer Farbe. So mischt sich das Licht zu einem gelungenen Farbspiel auf den glänzenden Oberflächen der Edelstahltanks.

Mythen um Reben und Weinstock
Ein irritierendes Spiel mit allen Sinnen beginnt im folgenden Kellerlabyrinth: Allerlei magische, geheimnisträchtige Szenen berichten vom Wein und seinen Licht- und Schattenseiten, von dionysischen und bacchantischen Mythen, die sich um Reben und Weinstock ranken.
Die Besucherführung erfolgt hier ebenfalls mittels Licht. Eine LED Leuchte, in Adaption eines Öllämpchens, mit einem Lichtglasstab kombiniert, führt ab hier durch das Labyrinth. In zahlreichen Details wird der Mythos des Weins auch durch Lichteffekte inszeniert. So kommen Profilscheinwerfer zum Einsatz, welche die Kunstobjekte inszenieren, so dass Licht und Kunstobjekte hier eine Symbiose eingehen.
Am Ende des Weges erwartet die Besucher – als das Finale der emotionalen Erlebnisreise – ein prächtiger Festsaal. Der Besucher wird hier zur Mitwirkung geladen: Der von ihm erzeugte Klang singender Gläser aktiviert ein Klang- und Farbspektakel in den an der Decke des Raumes installierten „Luminatoren“, einem Kunstwerk aus Licht und Wasserspielen.
Die Lichtlinie, die in den Kellergängen den Weg gewiesen hat, findet sich hier als Deckeneinbaulinie wieder, welche zwischen Wand und Decke, als leuchtende Schattenfuge ausgeführt ist. Ein Gang, über dessen Glasdecke reines, ausnüchterndes Wasser fließt, führt zurück zum Ausgangspunkt der „Weinreise“ – dem Besucherzentrum.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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