Direkt zum Inhalt

Majorstöckl Wilhering - Revitalisierung des barocken Juwels

23.01.2008

Das Barockgebäude in der Gemeinde Wilhering in Oberösterreich wurde im Rahmen eines umfassenden Projektes renoviert, in Teilen revitalisiert und in großen Bereichen der Öffentlichkeit und entsprechender Nutzung zugänglich gemacht.

Das Hauptaugenmerk lag nicht nur auf der Revitalisierung des Hofrichterhauses selbst mit dem zugehörigen Kellergewölbe, sondern auch auf der Wiederherstellung der barocken Außenanlagen. Den Baumaßnahmen lag ein Plan von Architekt Hannes Englmair zugrunde. Die aktuellen Maßnahmen wurden nach einem Masterplan, der eine schrittweise Revitalisierung vorsieht, durch die Porr GmbH, Niederlassung Oberösterreich, in Form eines Generalunternehmerauftrages von Mitte Mai 2006 bis Mitte August 2007 realisiert.

Sanierung eines wertvollen Denkmals

Das Hofrichterhaus besteht aus zwei Bauteilen. Zum einen aus dem einstöckigen, quadratischen, repräsentativ gestalteten Trakt des Hofrichters, und zum anderen aus dem ebenerdigen, langgestreckten Wohn- und Wirtschaftstrakt für Beamte und Personal des Hofgerichts. Das Gebäude ist in seiner gesamten Länge mit einer imposanten Halle, die aus unzähligen Kreuzgewölben besteht, unterkellert. Aus heutiger Sicht ist diese Bauweise kaum mehr nachvollziehbar. Laut Bundesdenkmalamtes handelt es sich um eines der größten profanen Kellergewölbe in Oberösterreich.

Dementsprechend anspruchsvoll gestaltete sich die Revitalisierung dieser ehrwürdigen Mauern. Die Gemeinde Wilhering übernahm in einem Abtausch mit dem Stift das Hofrichterhaus. Die Gemeinde und das Land investierten insgesamt rund 3,5 Millionen Euro in die Sanierung des Gebäudes. Nun werden im Hofrichterhaus die Musikschule, ein Trauungssaal, ein Veranstaltungssaal und ein Gemeinderatsaal untergebracht. Das Kellergewölbe wird als Ausstellungs- und Veranstaltungssaal genützt. Bereits im August 2007 wurde der reguläre Betrieb aufgenommen und das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die einzelnen Bauphasen bargen ihre jeweiligen Tücken, konnten aber durch die gute Zusammenarbeit der Projektbeteiligten problemlos gemeistert werden. Die Arbeit begann mit der Entrümpelung des gesamten Gebäudes und dem Entfernen von nicht originalen Gebäudeteilen. In einem weiteren Schritt wurden das Nebengebäude und das Hauptgebäude saniert, sowie der historische Dachstuhl saniert und revitalisiert. Die Sanierung und Revitalisierung der Einfriedungsmauer und die Neuherstellung der Außenanlagen nach einem Plan des Bundesdenkmalamtes folgten.
Die letzte Bauphase widmete sich schließlich der Sanierung des Kellergewölbes. Die Erfüllung der räumlichen und funktionellen Anforderungen war eine wesentliche Aufgabe, die man sich im Zuge der Bauarbeiten zum Ziel setzte. Vor allem die akustischen Anforderungen aufgrund der Nutzung als Musikschule gestalteten sich als sehr aufwändig, da die Renovierung des Gebäudes unter Beachtung der historischen Bausubstanz, des heutigen Stands der Technik und der Vorgaben und Bestimmungen des Bundesdenkmalamtes durchgeführt werden musste. Dabei wurde versucht, dem historischen Ambiente entsprechend harmonische Lösungen zu finden. Als Grundregel galt die Rückführung auf die historische Substanz mit Implementierung moderner Technik.

Sorgfältige Umbauarbeiten

Das Hofrichterhaus besteht aus einem Haupt- und Nebengebäude mit voller Unterkellerung. Gewölbekonstruktionen bilden im Kellergeschoß und teilweise im Erdgeschoß den oberen Raumabschluss. Im restlichen Erdgeschoß und im Obergeschoß sind die Decken aus Holzträmen und Dippelbäumen. Die Raumtrennung in den Funktionsbereichen Musikschule, Trauungssaal, Veranstaltungs- und Gemeinderatssaal erfolgte unter größtmöglicher Schonung der Gebäudestruktur. Die Abbrucharbeiten wurden behutsam und mit Rücksicht auf die bestehende Bausubstanz vorgenommen. Jeder abzubrechende Bauteil wurde durch einen zugezogenen Restaurator befundet und erst nach Freigabe des Bundesdenkmalamtes abgebrochen. Die historischen Bauteile wurden ausgelöst, restauriert und wieder eingebaut. Der zu erhaltende Dachstuhl musste aufgrund des desolaten Zustandes der Mauerbänke zur Gänze aufgeständert werden. Die abzuleitenden Lasten wurden mittels Stahlkonsolen in die neue Decke abgeleitet. Der zuständige Baumeister Andreas Danninger von der Firma Porr in Oberösterreich berichtet: „Die tragenden Mittelsäulen bei zwei Hauptgespärren des Nebengebäudes mussten, um eine wirtschaftliche Nutzung des in diesem Bereich geplanten Veranstaltungssaales zu gewährleisten, abgebrochen werden. Hier wurde eine Unterfangung aus Stahl eingebaut, welche auf Wunsch des Bundesdenkmalamtes sichtbar blieb. Ansonsten musste der Dachstuhl zur Gänze erhalten bleiben. Es durften lediglich nichtrestaurierbare Konstruktionsteile durch entsprechende Materialien ausgetauscht werden. Die fertige, innen sichtbare Konstruktion wurde lediglich mit Leinöl eingelassen.“ Des Weiteren mussten die auf dem Dachstuhl direkt aufgemauerten Gaupen zur Gänze abgebrochen werden, da eine Restaurierung gemäß heutigem Stand der Technik nicht möglich war. Die Dachdeckung erfolgte in einer Biberschwanz-Dreifachdeckung und im Bereich des Firstes und des Holzgesimses mit einer Kronendeckung. Besonderes Augenmerk galt dem äußeren Erscheinungsbild, das ursprüngliche Aussehen sollte so weit wie möglich erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Durch die außen liegenden Wärmedämmung, welche zu einer Erhöhung des Dachaufbaues führt, wurde die Erhaltung des ursprünglichen Erscheinungsbildes zu einer besonderen Herausforderung. Die Stuckarbeiten sowie das Eingangsportal wurden durch einen Restaurator revitalisiert und zum Teil rekonstruiert. Vor Beginn der Arbeiten wurde jede Wand genauestens untersucht und auf ihre ursprüngliche Farbgebung analysiert. Vier barocke Kastenfenster aus dem Bestand konnten erhalten werden. Diese wurden restauriert und dienten als Vorlage für die neuen Kastenfenster. „Die Schwierigkeit bestand darin, die historische Vorlage so genau wie möglich zu rekonstruieren und gleichzeitig die hohen bauphysikalischen Anforderungen der Musikschule zu erfüllen. Nach vielfachen Planungen wurde die Ausführungsart schließlich vom Bundesdenkmalamt genehmigt. Die geforderten Schalldämmwerte lagen schlussendlich sogar weit über den geforderten Werten“, berichtet Danninger stolz.

Gelungene Revitalisierung

Zusammenfassend meint Danninger: „Hier wurde mit allen am Bau Beteiligten ein historisch wertvolles Gebäude mit großteils altem Bau- und Handwerkswissen in seinen Ursprung zurückgeführt. Es wurde hier auf alte Literatur zurückgegriffen, um bereits vergessenes Wissen wiederzubeleben. Manchmal war es nicht leicht, den Vorgaben des Denkmalschutzes gerecht zu werden und gleichzeitig die Anforderungen an ein modernes Gebäude des 21. Jahrhunderts zu erfüllen.“

Diana Danbauer

aus: bau.zeitung 1-3/08, S. 40ff

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Strauss: Auch Porr stellt auf Grund des Corona-Virus Baustellen ein.
Aktuelles
20.03.2020

Die Porr stellt in Absprache mit Auftraggebern den laufenden Betrieb von mehr als 1.000 Baustellen ein.

Die Strabag stellt auf Grund des Corona-Virus den geregelten Baubetrieb ein.
Aktuelles
18.03.2020

Die Strabag stellt auf Grund des Corona-Virus den geregelten Baubetrieb bis 22.3.2020 ein. Einzelne Baustellen bleiben aber offen.

39.122 Bauarbeiter bekamen dank der neuen Hitzeregelung in diesem Jahr hitzefrei.
Aktuelles
11.12.2019

Jede zweite Firma hat die neue Hitze­regelung 2019 genutzt.

Service.
19.03.2019

Ihre Fragen zum Thema BIM, beantwortet von den BIM-Baumeistern. Diesmal geht es darum, was BIM für den Ausführenden bedeuten kann.

Service-Extra
15.09.2015

Die Prüf- und Warnpflicht gemäß § 1168a ABGB ist oftmals Thema auf Baustelle. – Doch wo verläuft die Grenze, und was ist vertraglich zu leisten?

 

Werbung